Mittwoch, 16. August 2017

12. August 2017 00:30 Uhr

Sommerserie

Kriegshaber hatte einst eine Hauptstraße und einen Marktplatz

Woher der Ortsname kommt, ist unklar. Eindeutig ist, welche Ortsgeschichte die 98 Straßennamen des Viertels überliefern Von Wilfried Matzke

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Das Dorf Kriegshaber (links oben) erscheint erstmalig 1568 in einem Kartenwerk und zwar in den Bayerischen Landtafeln von Philipp Apian.
Foto: Geodatenamt

Kriegshaber wurde erstmals um das Jahr 1000 als Chrechesavar erwähnt. Seit 1550 war das Dorf an der Heerstraße von Wien nach Paris als Kriegshaber bekannt. Zur Namensherkunft gibt es mehrere Theorien. Der Ortsname könnte sich ableiten von einem Griechen Avar als römischen Söldner oder von einem aus Rheinfranken eingewanderten Bauern namens Chriech. Andere vermuten als Namensherkunft „Grießhafer“ von dem grießigen Boden, auf dem nur Hafer wuchs.

Eindeutig hingegen sind die Bedeutungen der 98 Straßennamen von Kriegshaber. Die amtliche Straßenbenennung wurde nach der Eingemeindung am 1. April 1916 eingeführt. Zuvor gab es volkstümliche Straßennamen, aber nur wenige sind übernommen worden. Ein Straßennamen-Thema hatte damals der Augsburger Stadtrat vorgegeben. Im östlichen Alt-Kriegshaber sollte an die Zeit zwischen 1301 und 1805 erinnert werden, als der Ort zur vorderösterreichischen Markgrafschaft Burgau gehörte.

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Eine der elf Straßen ist die Ramsbergstraße nach den Grafen von Ramsberg. Die Markgrafenstraße nannte man zuvor „Elendstraße“ wegen dem unfruchtbaren Boden oder der abgelegenen Lage. In den 1920er Jahren kamen mit dem Stiftungswesen und der Militärgeschichte zwei weitere Straßennamen-Themen hinzu. Im damaligen Neu-Kriegshaber nördlich und östlich vom Großen Exerzierplatz sind zahlreiche Augsburger Stifter verewigt worden. So verweist die Kellerstraße nicht auf ein Untergeschoss, sondern auf einen großzügigen Kommerzienrat namens Friedrich Keller.

Die benachbarte Tunnelstraße zeugt jedoch von einer Unterführung, die zum ersten Bahnhof in Oberhausen führte. Das Gebäude befand sich bis 1932 zwischen den Gleisen nördlich der Ulmer Straße. Rund um den Großen Exerzierplatz, wo ab 1934 drei Wehrmachtskasernen entstanden, sollte an „ruhmvolle“ Schlachtorte des Ersten Weltkrieges erinnert werden. Die Sommestraße nach dem französischen Fluss Somme gehört dazu.

Kriegshaber hatte einst eine „Hauptstraße“ und einen „Marktplatz“. Diese beiden Bezeichnungen sind nach der Eingemeindung gestrichen worden. Aus der „Hauptstraße“ wurde eine Verlängerung der Ulmer Straße mit den neuen Hausnummern 55 bis 234. Der „Marktplatz“ kam als Teilfläche zur „Bergstraße“, die im Jahr 1972 nach dem Augsburger Polarforscher Karl Ludwig Giesecke in Gieseckestraße umbenannt worden ist. Auch nicht mehr verweisen wollte man auf den jüdischen Friedhof von Kriegshaber. Die „Israelitische Friedhofstraße“ wurde zur Hummelstraße nach dem edlen Augsburger Stifter Eduard Hummel. Aber einer der jüdischen Bürger von Kriegshaber wird seit 1916 mit Ausnahme der NS-Zeit gewürdigt, nämlich der Wohltäter Benno Lippschütz mit der Lippschützstraße.

Nach der Eingemeindung blieben mehrere Straßennamen erhalten, welche auf einstige Flurnamen hinweisen, wie die Mittlere Osterfeldstraße. Erstaunlicherweise durfte auch die Rößlestraße weiter bestehen. Sie verweist auf Martin Rößle, der hier wohnte und mit seinem Fuhrwerk die ländlichen Erzeugnisse nach Augsburg transportierte. Seit der Eingemeindung von 1916 ist Josef Schärtl verewigt, der letzte Bürgermeister von Kriegshaber. Der Augsburger Stadtrat widmete dem 30 Jahre lang wirkenden Gemeindeoberhaupt die Schärtlstraße. Diese Seitenstraße der Ulmer Straße misst zwar nur 40 Meter, aber man kennt sie als Straßenbahnhaltestelle.

unserer Zeitung wird täglich einer der momentan 1925 amtlichen Straßennamen von Augsburg erläutert, dazu historische und volkstümliche Straßenbezeichnungen. Die Texte liefert seit mehr als acht Jahren das Geodatenamt. Die Vermessungsbehörde in der Welserpassage ist auch für die Adressierung zuständig.

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