Sonntag, 19. November 2017

14. November 2017 00:33 Uhr

Wirtschaft

Ledvance-Mitarbeiter sind wütend und enttäuscht

In Augsburg gehen 2019 die Lichter aus. Wie es für die früheren Osram-Beschäftigten weitergeht

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Gang in eine ungewisse Zukunft: die Mitarbeiter von Ledvance.  
Foto: Wyszengrad

Nach 15 Minuten war bei der Mitarbeiterversammlung alles vorbei. Danach hatten die 650 Beschäftigten des Ledvance-Werks in Augsburg Gewissheit: Der ehemalige Osram-Standort wird Ende 2018 geschlossen, der Bereich Maschinenbau folgt 2019. Wie es mit der Logistik und den dort rund 100 Beschäftigten weitergeht, müsse erörtert werden. Ledvance will erst ein europaweites Konzept erstellen.

Klar ist aber, dass Ledvance bundesweit 1300 Arbeitsplätze abbauen will. Was das für die Mitarbeiter bedeutet, wollte Jes Munk Hansen, Vorsitzender der Ledvance-Geschäftsführung, nicht sagen. „Er ist auf Nachfragen nicht eingegangen und hat dann unter Buh-Rufen den Raum verlassen“, schildert Angela Steinecker, Unternehmensbeauftragte der IG Metall, die emotionalen Momente.

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Als die Ledvance-Beschäftigten kurz vor zwei Uhr die Mitarbeiterversammlung verlassen, sind die Gesichter verkniffen, viele haben sich angesichts des Wetters und der Stimmung tief in ihre Jacken vergraben. „Ohne Worte“, ruft ein Mann in Richtung der Medienvertreter, ehe er in sein Auto steigt. „Ich habe keine Lust, mich über dieses Vorgehen zu äußern“, sagt ein anderer.

Die Stimmung vor Ort schwankt zwischen Wut und Enttäuschung. „Ich bin seit 30 Jahren im Unternehmen, habe immer wieder gezittert, wie es wohl weitergeht. Jetzt ist klar, dass es aus ist. Das kann man kaum glauben“, sagt Christian Bank. Wie es für ihn weitergeht, weiß er nicht. So geht es auch Peter Wyschetzki: „Die Gefühle fahren Achterbahn, ich muss erst einmal überlegen, was ich tue, um das Beste aus der Situation zu machen.“ Mehr verärgert denn enttäuscht ist Galip Tirisan: „Das war von Anfang an klar, dass die den Standort zumachen. Denen ging es doch nur um die Patente.“ Bis 2016 trug das Unternehmen den Namen Osram. Dann wurde die Tochter Ledvance gegründet, die vom chinesischen Konsortium MLS gekauft wurde.

Für zwei junge Ledvance-Mitarbeiter, die ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, ist das Aus am Standort eine bittere Enttäuschung. „Wir sind im September als neue Azubis eingestellt worden“, erzählt ein junger Mann. „Da hat man noch damit geworben, dass das hier eine der besten Ausbildungsstellen zum Industriekaufmann sein soll. Und es gab den Slogan: Ausbildung sicher abschließen.“ Wie es für sie weitergeht, wissen sie nicht. Auf der Betriebsversammlung wurde nichts gesagt.

Ein Vorgehen, dass die IG Metall aufs Schärfste verurteilt. „Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie man so agieren kann. Das ist bodenlos“, sagt IG-Metallvertreterin Angela Steinecker. Die Menschen hätten nach all den Querelen um den Standort mehr verdient als die nackte Auskunft, dass Ende 2018 beziehungsweise 2019 Schluss sei. Abgesehen davon werde die IG Metall die Schließung nicht akzeptieren: „Die Menschen, die jetzt noch hier am Standort sind und seit Jahren für dessen Erhalt gekämpft haben, brauchen den Job und wollen arbeiten“, so Michael Leppek, erster Bevollmächtigter der IG Metall Augsburg. Andreas Jakob, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, ergänzt: „Wir würden den Wandel schaffen und haben die entsprechenden Produkte dafür.“ Eine Schließung des Werks als einzige Alternative sei inakzeptabel.

Wie es für die 650 Mitarbeiter nun weitergeht, bleibt ungewiss. Die IG Metall will Gespräche führen und Alternativkonzepte erarbeiten. OB Kurt Gribl hatte bereits am Freitag angekündigt, einen runden Tisch mit Arbeitsagentur, Wirtschaftskammern und Gewerkschaft einzuberufen. Klar ist auch, dass mancher Mitarbeiter bereits seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt sondiert. Ein Wechsel in ein anderes Ledvance-Werk scheint ausgeschlossen, denn auch in Eichstätt und Wipperfürth sollen rund 300 Arbeitsplätze abgebaut werden. Eine Rückkehrmöglichkeit zur früheren Konzernmutter Osram hält ein Kenner der Branche mangels Stellen und unterschiedlicher Anforderungen an die Qualifikation für wenig erfolgversprechend. Das hohe Niveau der Fachkräfte könnte jedoch dafür sorgen, dass diese bei anderen Unternehmen gute Chancen hätten. Auch die rund 200 ungelernten Mitarbeiter, die es laut AZ-Recherche bei Ledvance gibt, könnten angesichts der Wirtschaftslage wieder Arbeit finden. Die Leiterin der Arbeitsagentur für Augsburg, Elsa Koller-Knedlik, bot ihre Hilfe an.  »Kommentar u. Wirtschaft, S. 7

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Ein Artikel von
Andrea Wenzel

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Ressort: Lokale Wirtschaft


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