Martin Herrmann hat schon in seinem Namen "die Weiblichkeit doppelt ausgegrenzt" (Herr-Mann) - kein Wunder, dass das andere Geschlecht nicht immer gut wegkommt in seinem, wie er es selbst nennt, "satirischen Salonkabarett". Von Lena Bauer
Auf der Bühne der Kresslesmühle bewundert Herrmann zwar alle, die sich vor den Altar trauen, aber bei einer Scheidungsquote von 50 Prozent in den Städten scheint ihm selbst das Risiko doch zu hoch zu sein. Und weil er so seinen favorisierten Status des Witwers leider nicht erreicht, befindet er sich weiterhin in einer "partnerschaftlich singulären Situation". Auf dem Land ist die Scheidungsquote zwar niedriger, aber dort gibt es eben keine Frauen mehr. Da nützt es auch nichts, wenn er mit Karohemd und Alpenhut auf seiner tibetanischen Taschenharfe den "Wiedergeburtssong" spielt.
"Keine Frau sucht Bauer" heißt das aktuelle Bühnenprogramm des schwäbischen Kabarettisten. Darin erforscht Martin Herrmann mit viel Ironie bis hin zu bitterbösem Sarkasmus "google-earth-mäßig" die Unterschiede zwischen Stadt und Land, Mann und Frau und alles, was dazwischen liegt. Tiefsinniger Wortwitz wechselt sich ab mit zynischen Liedern, begleitet von kleinen Zweizeilern und Lebensweisheiten wie "Besser Gras rauchen als Heu schnupfen." Vom Organspender-Blues über Zeckengefahr und den Menschen als lebendem Endlager lässt er kaum ein aktuelles Thema aus und würzt seine Ausführungen mit überraschenden Pointen und kritischen Untertönen.
Das Publikum in der ausverkauften Mühle taute von Lied zu Lied mehr auf und konnte am Ende gar nicht mehr genug bekommen. Ob vom "String-Kopftuch" die Rede war oder von der "Nie-mehr-allein-Partnergeräusche-CD": Martin Herrmann traf mit seinem Charme und seiner unaufdringlichen Art durchwegs ins Schwarze.
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