Donnerstag, 20. Juni 2013

09. Januar 2012 23:00 Uhr

Lieder jenseits der Prüderie

Paryla im Hempels

„Die einen verführen und lassen sitzen; die anderen heiraten und lassen liegen. Diese sind die Gewissenloseren“, schrieb der österreichische Schriftsteller Karl Krauss zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dieses Zitat war auch für den Liederabend in „Hur und Moll“ des ebenfalls aus Österreich kommenden Schauspielers Stephan Paryla prägend. Sein Publikum im ausverkauften Hempels riss er mit einem Programm mit, das sich dem horizontalen Gewerbe widmete.

Der Schauspieler, Rezitator und Musiker trug mit seiner Kontragitarre alte Wiener Lieder vor. Lieder, die wegen ihres pornografischen Inhalts lange nur unter der Hand weitergegeben worden waren; Hurenlieder, die in den Amüsiervierteln Wiens gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden sind.

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Zudem illustrierte er drastisch die sozialen Verhältnisse damals

Stellenweise waren die Inhalte der Lieder schamlos vulgär. Sie erzählten vom Buhlen und vom Beischlaf, von Freud und Leid eines Freiers. Der Vortrag der Spittelberglieder und anderer „sexueller Minenfelder am Rande der Sprachlosigkeit“, wie Paryla die Lieder der Fräulein Nothelferinnen betitelte, nahm einen ein. Zudem illustrierte Paryla drastisch die sozialen Verhältnisse der Prostituierten in der damaligen Zeit.

Bei aller Ernsthaftigkeit überwog aber die Unterhaltung. Der Liederabend um Liebesdienerinnen und Lustseuchen zielte unter die Gürtellinie. Und Paryla kamen bei den musikalischen Interpretationen auch sein schauspielerisches Talent zugute. Ein Erlebnis jenseits der Prüderie. (eric)

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