Martin Herrmann mit skurriler Weltsicht in der Kresslesmühle
Unsicher betrat er die Bühne, führte schüchtern durch den Abend und musste am Ende seines Programms in der Kresslesmühle doch Zugabe um Zugabe geben. Es war das wohltemperierte Understatement, das der im Augsburger Umland geborenen „Frauenflüsterer“ Martin Herrmann zur treffsicheren satirischen Waffe vervollkommnet hatte.
Vom Namen her sei er ja ein Östrogen-Seismograph, habe aber mit politischem Kabarett nichts am Hut, erklärte der grauhaarige Kabarettist zur Eröffnung seines Salonkabaretts für Neoromantiker. Tatsächlich war seine schräge Weltsicht wenig von der Politik, umso mehr aber von der Skurrilität des Alltags geprägt.
Es waren die stereotypen Unterschiede, die den geistreichen Entertainer interessierten: landgeprägte Singles, stadtgeplagte Ehen. Ihnen fühlte der wortgewandte Possenreißer mit beißendem Spott auf den Zahn. Das Motto „Kein Bauer sucht Frau“ diente als filigraner Faden.
Als anonymer Tempoholiker frönte er dem Leitspruch „turbo ergo sum“ (Ich gebe Gas, also bin ich), als bekennender Katholik wunderte er sich über die doppelte Schizophrenie seiner Kirche: „Alle sagen zum Pater Vater, nur die eigenen Kinder nennen ihn Onkel.“
Dass Herrmann sich als Liedermacher betätigt hatte, bevor er sich der kabarettistischen Zunft zuwandte, war seinen ins Programm eingeflochtenen, vom Reimzwang beherrschten, spöttischen Liedern anzumerken – und insbesondere seinem versierten Spiel auf der akustischen Gitarre. Selbst ein Eierschneider wandelte sich unter Herrmanns geübten Händen zur tibetanischen Tischharfe von transzendenter Harmonik.
Martin Herrmann blieb der Rolle des gehemmten Unterhalters konsequent treu, und es war dies zauberhafte Zaudern, das sein Publikum vom ersten bis zum letzten Moment führ ihn einnahm. (eric)
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