Es ist eine Diagnose, die schockiert und Angst macht: Brustkrebs. 57 000 Frauen bekommen sie jedes Jahr in Deutschland gestellt. Was sie danach brauchen, ist kompetenter Rat. In Augsburg bekamen sie ihn bei mammaNetz: Die Begleitstelle für Frauen mit Brustkrebs betreute jedes Jahr über 200 Patientinnen - zwölf Monate lang, von der Diagnose bis zur Nachsorge. Ende 2010 ist nun Schluss: mammaNetz muss die Arbeit einstellen, weil Geld fehlt. Von Nicole Prestle
Finanziert wird die Begleitstelle von den Krankenkassen, die für die Betreuung "ihrer" Patientinnen bezahlen. Doch seit eineinhalb Jahren ist mammaNetz ein Zuschussbetrieb. Damals stiegen DAK und AOK aus. "Der Verlust der beiden Kassen machte schon fast 50 Prozent der Patientinnen aus, da diese Kassen einen enorm hohen Versichertenanteil in unserer Region haben", sagt Horst Erhardt, Geschäftsführer des beta Instituts, dem Träger von mammaNetz. Auch wenn kleinere Kassen nachkamen: Mit ihnen seien die notwendigen Fallzahlen nicht zu erreichen, die für eine qualitativ hochwertige Betreuung notwendig sind.
Erhardt kann den Rückzug der Kassen nicht ganz nachvollziehen. Wissenschaftliche Studien belegten, dass Patientinnen, die bei mammaNetz betreut wurden, weniger häufig an Depressionen leiden und damit auch seltener zum Psychotherapeuten müssten. "Dies und die Tatsache, dass sie früher wieder in den Beruf einsteigen als andere Patientinnen, reduziert den finanziellen Aufwand der Krankenkassen unter dem Strich um einiges."
Andere Städte setzen auf das Augsburger Modell
MammaNetz setzte bei der Betreuung der Frauen auf das sogenannte Case-Management (vom englischen "Case" = Fall): Eine Beraterin kümmert sich um alles, was die Patientin gerade braucht. "Unser Netzwerk reicht von Beratungsstellen über Physiotherapeuten bis hin zu Perückenmachern", sagt Erhardt. Keine Stelle in Augsburg könne den Frauen ein so umfassendes Angebot stellen. In anderen Städten findet diese Vorgehensweise Anklang: Das Klinikum Coburg und eine Klinik in Norddeutschland haben Case-Managerinnen angestellt. Auch Ingolstadt erwägt derzeit, auf die Augsburger Erfahrungen zurückzugreifen und ein mammaNetz zu gründen. In Augsburg, wo 2002 alles begann, funktioniert dies nicht.
Rund 120 Frauen werden aktuell bei mammaNetz begleitet. Für sie ist bis zum Ende ihrer Betreuungszeit gesorgt. Neue Patientinnen werden nicht mehr angenommen. "Wir haben Kooperationspartner wie Kliniken und Frauenarzt-Praxen davon informiert", sagt Erhardt.
Auch künftig wird es aber Anlaufstellen für Patientinnen geben: Eine Case-Managerin von mammaNetz wird dem Vernehmen nach im Josefinum angestellt. Dort sollen Frauen mit Brustkrebs künftig nach der mammaNetz-Methode betreut werden. Frauen, die mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert werden, können sich auch an die Bayerische Krebsgesellschaft wenden. Zu erreichen ist sie unter der Telefonnummer 08 21/907 91 90. Die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen gibt unter der Telefonnummer 08 21/324-20 16 Auskunft über entsprechende Angebote.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: