Schwul sein in Augsburg? Für Maki und Chris ist das ein (fast) normales Leben. Die beiden sind 20 und 21 Jahre alt, sie gehen jeden Tag zur Arbeit und wohnen in einer WG, so wie viele andere junge Männer auch. Der Unterschied ist nur: Die beiden sind homosexuell. "Wir haben kein Problem damit, uns dazu zu bekennen", sagen sie.


Manchmal gibt es strenge Blicke
Die beiden jungen Augsburger (die übrigens kein Paar sind) fühlen sich wohl in ihrer Heimatstadt. Sie unternehmen viel zusammen. "Man kann sich hier ganz offen als Schwuler geben", sagt Maki. Wenn er seinen Freund auf der Straße küsst, spürt er zwar den einen oder anderen strengen Blick von Passanten. Manchmal gibt es auch Getuschel. Offene Diskriminierung erlebe man in Augsburg aber in der Regel nicht, sagen die beiden.
Nur beim Ausgehen gibt es manchmal Probleme. "Wenn wir abends unterwegs sind, werden wir von einigen Türstehern nicht in den Klub gelassen mit dem Argument, wir seien zu gestylt", erzählt Maki. Er hegt allerdings den Verdacht, dass nicht die Kleider unerwünscht sind, sondern Schwule.
In Augsburg vermissen Maki und Chris nur eines: mehr Großstadt-Angebote für Homosexuelle. Beim "Christopher Street Day", dem Straßenfest für Schwule am Samstag, machen sie und Hunderte andere gerne mit. In Berlin sei aber deutlich mehr geboten - vom Schwulen-Blumenladen bis zum Schwulen-Frisör. "Dort sind die Leute auch viel lockerer drauf", sagt Maki.
In der Gesellschaft sind die Heteros zwar die große Mehrheit. Schwule und Lesben sind aber auch keine ganz kleine Gruppe. Experte Christoph Gött zitiert Studien, wonach Homosexuelle rund fünf Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen. "Allein in Augsburg müssten es rund 15 000 sein", schätzt er. Genaue Zahlen gebe es allerdings nicht.
Mut zu öffentlichem Auftritt. Das brauchen bis heute Schwule, die Aids haben. Andreas (42) aus Rheinland-Pfalz hat ihn. Er trägt seit 1995 das HIV-Virus in sich und muss zusammen mit seinem langjährigen Lebenspartner Wolfgang (55) damit klarkommen. Das Paar hat sich dafür entschieden, nichts zu verheimlichen, sondern in die Offensive zu gehen.
Als ehrenamtliche Rollenmodels der Präventionskampagne der Deutschen Aids-Hilfe sind die beiden auf Info-Broschüren und Postkarten zu sehen. Dass sie inzwischen auf der Straße erkannt werden, stört sie nicht, im Gegenteil. "Wir wollen zeigen, dass ein Zusammenleben von schwulen Männern in jeder Form möglich ist, dass man aber auch Verantwortung füreinander hat."
Das Thema Aids wird in Beziehungen oft verdrängt
Beim Christopher Street Day in Augsburg sind Wolfgang und Andreas da, um Fragen von Besuchern zu beantworten. Nach ihrer Erfahrung gibt es ein großes Bedürfnis nach Erfahrungsaustausch bei schwulen Paaren, die mit Aids konfrontiert sind. "Innerhalb der Beziehung wird aus Angst oft nicht über Probleme gesprochen, um den anderen nicht zu verletzen", sagt Wolfgang. Dabei sei es ganz entscheidend, offen miteinander umzugehen.
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