Dienstag, 21. November 2017

07. Juli 2009 05:15 Uhr

Mausetot und unsterblich

Latein ist tot? Mausetot sogar, sagt der Münchner Latinist Wilfried Stroh. Gerade deshalb sei die Sprache unsterblich geworden. "Sie hat alle Tode siegreich überwunden", betonte er beim Vortrag im Garten von St. Stephan. Wie lebendig Latein ist, bewies der Schülerchor mit dem Gospel "Josua cum oppugnaret Jericho - conciderunt moenia".

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Latein hat es überstanden, dass es beim Aufstieg vom Provinzdialekt zur Weltsprache dank seiner großen Schriftsteller wie Cicero, Horaz und Vergil in der klassischen Form eingefroren wurde. Während auf den Gassen Genitiv und Ablativ verloren gingen, wachten Lehrer (grammatici) über die Tradition. Als in der Völkerwanderung ihr Regiment unterging, starb Latein den zweiten Tod. Aus dem Vulgärlatein entstanden die romanischen Sprachen.

Latein erhielt sich als Wissenschaftssprache

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Karl der Große als Bildungsreformer drehte um 800 den Spieß um, allerdings lernte Latein nun niemand mehr von der Mutter. Dummerweise geriet die Gelehrtensprache in die tödlichen Fänge der knochentrockenen Scholastik. Zum vierten Leben erweckte Petrarca das Latein, entriss es dem, wie er meinte, "finsteren Mittelalter", gab ihm Eleganz und Eloquenz zurück. Latein kam auf die Bühne, war Poesie.

Ab Shakespeares Zeit verlangten die Nationalsprachen ihr Recht auf Künstlertum; Latein erhielt sich als Wissenschaftssprache der Philosophen und Naturforscher noch ein Jahrhundert.

Eine neue Wertschätzung, wenn auch mit fataler Auswirkung, erhielt das Latein im 19. Jahrhundert als Mittel der Geistesschulung. Ihre Grammatik vollständig zu durchdringen trainiere den Verstand, dozierten die Gymnasialprofessoren. Und machten Latein zur verhassten Sprache, die im Ansturm der 68er zerbröselte. Zugleich wagte man dadurch, Latein lockerer zu lehren, mit Asterix, Liedern und Spielen. "Was zweifelsohne aufs Niveau schlug", merkte der Latinist streng an. Immerhin: Latein ist lebendiger denn je und wird eifrig gewählt. Vielleicht hilft es fürs Leben und darüber hinaus. Denn das wusste der heilige Augustinus: Im Himmel wird lateinisch gesprochen. (loi)

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St. Stephan | Jericho

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