Fußgänger und Radler müssen seit Samstag auf dem Willy-Brandt-Platz einen anderen Weg zur City-Galerie nehmen. Der Hauseigentümer macht sein Recht geltend und sperrt den Zugang. Von Michael Hörmann

Es handelt sich um eine Nacht-und-Nebel-Aktion, die seit Samstagvormittag in Augsburg die Wellen hoch schlagen lässt: Fußgänger und Radler, die von der Innenstadt her kommen, werden am üblichen direkten Zugang zur City-Galerie von Sicherheitsleuten abgewiesen. „Zur City-Galerie einmal bitte den Fußweg benutzen“, sagt ein freundlicher Sicherheitsmann, der eine orangefarbene Jacke trägt.
Der vertraute Zugang entlang eines großen Gebäudes, in dem auch die Volkshochschule untergebracht ist, wird durch eine Schranke gezielt verhindert. Rund um dieses Haus ist sogar ein großer abgetrennter Bereich markiert. Stahlseile und rot-weiße Absperrbänder signalisieren, dass Unbefugten das Betreten nicht erlaubt ist.
Passanten, die über den Willy-Brandt-Platz zur City-Galerie wollen, folgen den Anweisungen der Sicherheitskräfte zumeist kommentarlos. „Schwachsinn“, sagt einer, als er sich auf den gerade mal einen Meter breiten Fußweg begibt, den er sich auch mit Radlern teilen soll. Dieser Fußweg ist wegen der laufenden Straßenbauarbeiten ohnehin nur eingeschränkt nutzbar.
Es gibt auch Passanten, die nachfragen, warum über Nacht eine solche Absperrung angebracht worden sei. „Das ist eine Anweisung des Hauseigentümers“, sagt der Sicherheitsmann, „über die näheren Umstände kann ich nichts sagen.“ Die Reaktionen fallen dementsprechend aus. „Solche Witzbolde gibt es wohl nur in Augsburg“, sagt einer. „Nur blöd“, kommentiert eine Frau die Vorgänge.
Hauseigentümer lässt Absperrung vornehmen
In der Mittagszeit kommt Anton Lotter zum Forsterpark. Er ist der Hauseigentümer und verantwortlich für die Absperrung. Gegenüber unserer Zeitung äußert er sich exklusiv zu den Hintergründen der spektakulären Aktion, die Lotter selbst „als Überraschungscoup“ bezeichnet. Er verweist darauf, dass sich zuletzt wiederholt Mieter seines Hauses darüber beklagt hätten, dass ihre Besucher durch die Radler und den Autoverkehr auf dem mittlerweile abgesperrten Areal gefährdet worden seien.



Darauf habe er reagiert. Reagieren müssen. Lotter teilte seine Lösung den Mietern auch in einem Schreiben mit. Darin heißt es: „Alle Versuche unsererseits, gemeinsam mit der Stadt Augsburg, den Willy-Brandt-Platz zu gestalten und zu ordnen, stießen auf taube Ohren. Deshalb haben wir zum Schutz für unser Gebäude, unsere Mieter und deren Besucher Fakten geschaffen. Es ist erforderlich, den Fußgänger- und Radfahrerstrom zu und von der City-Galerie und dem Cinemaxx, der bisher über Grundstück und die von uns betreute Feuerwehr-Zu- und -abfahrt zu unterbinden.“
Im Clinch mit der Stadt Augsburg
Dass es aber nicht nur um Sicherheitsbelange geht, bestätigt Immobilienbesitzer Lotter auf Nachfrage. Lotter liegt mit der Stadt Augsburg im Clinch, seit sie im vergangenen Jahr die Eislaufanlage „Winterland“ auf dem Willy-Brandt-Platz genehmigt hatte. Gegen das mehrwöchige bunte Treiben vor seinem Haus hatte sich Lotter massiv beschwert. Auch Juristen wurden eingeschaltet, unterm Strich gab es für Lotter keinen Erfolg. „Winterland“ kam.
Und „Winterland“ wird auch in diesem Jahr wohl wieder kommen. Der Antrag auf eine Genehmigung liegt bei der Stadt. Lotter wehrt sich wieder. Er sagt aber, dass es bislang von seiten der Stadt überhaupt keine Reaktion gegeben habe. Er hätte sich bereits in der Vergangenheit dafür stark gemacht, eine städtebaulich vernünftige Lösung für den Willy-Brandt-Platz hinzubekommen. Doch die Stadt gehe darauf überhaupt nicht ein. „Ja, ich gebe offen zu“, sagt Lotter, „die jetzt vorgenommene Absperrung ist eine Retourkutsche gegen Winterland“.
Das Ausmaß der Behinderungen dürfte am Sonntagnachmittag besonders gravierend sein. In Augsburg ist Marktsonntag. Von 13 bis 18 Uhr hat auch die City-Galerie geöffnet.
Die Sicherheitskräfte sind auch für Sonntag bestellt. „Ewig“ soll die Absperrung dauern, sagt Lotter.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren