Neue Vorwürfe gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa: Er soll nicht nur Antiquitäten mit Stiftungsgeldern bezahlt haben. Mixa hat inzwischen Fehler eingeräumt. Von Daniel Wirsching

Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat einen "Fehler" im Umgang mit Geldern der Katholischen Waisenhausstiftung Schrobenhausen eingeräumt.
Die Stiftung ist Träger des Kinder- und Jugendhilfezentrums St. Josef, Mixa war in seiner Zeit als Stadtpfarrer (1975 bis 1996) Stiftungsratsvorsitzender. Der Stiftungsrat, der umgangssprachlich "Kuratorium" genannt wird, verantwortete Haushalt und Rechnungslegung der Stiftung unter der Kontrolle der Regierung von Oberbayern - Mixa zufolge als "Kollektivorgan".
Mixa schrieb am Montag in einer Stellungnahme, die das Bischöfliche Ordinariat verbreitete: "Ich war immer in erster Linie Seelsorger und Priester. Dabei kann es schon sein, dass ich mich nicht akribisch um finanztechnische Fragen gekümmert habe. Das habe ich immer anderen überlassen, die mehr davon verstanden. Das war wahrscheinlich ein Fehler, den ich einräume und im Nachhinein auch bedauere." Die Unklarheiten seien aber im Jahr 2000 bereinigt worden.
Nach Informationen unserer Zeitung hat Mixa unter anderem Antiquitäten im Wert von 70.000 Mark "nicht satzungsgemäß" angeschafft, darunter einen Bücherschrank, einen Sekretär und einen Kupferstich, der allein 43.000 Mark kostete. Wie der Donaukurier berichtete, soll es sich dabei um ein Werk aus dem Jahr 1707 handeln - "(aus der Zeit) von G. B. Piranesi". Da Giovanni Battista Piranesi erst 13 Jahre später geboren wurde, könne es kein Original sein.
Noch am Sonntag bezeichnete Dirk Hermann Voß, Medienkoordinator der Diözese Augsburg, die neuen Vorwürfe als "sehr nebulös". Am Montagmorgen hieß es dann in der Stellungnahme des Ordinariats: "Tatsächlich ist es wohl mehrfach zu finanztechnisch unklaren Zuordnungen von Ausstattungsgegenständen zwischen der Waisenhausstiftung und der Pfarrkirchenstiftung gekommen." Dabei sei es nicht um private Anschaffungen des Pfarrers (Mixa, die Red.), sondern um antiquarische Möbel und Ausstattungsgegenstände für die Kirche und den historischen Pfarrhof gegangen. Mixa selbst wird in dem Text wie folgt zitiert: "Bei den Möbeln, Ausstattungsgegenständen und liturgischen Gegenständen handelte es sich nicht um private Dinge, sondern jeweils um Gegenstände, die in der Pfarrei eingesetzt wurden."
Mixa bestreitet demnach eine absichtliche Zweckentfremdung. Zudem wurde betont: "Dem Stiftungsratsvorsitzenden oblag nicht die laufende Verwaltung. Der Heimleiter des St.-Josef-Kinderheimes erledigte innerhalb des Waisenhauses das Tagesgeschäft." Die Informanten unserer Zeitung blieben unterdessen bei ihrer Darstellung, dass Mixa wiederholt Stiftungsgelder "veruntreut" habe.
Und sie führen ein weiteres Beispiel an: Mixa habe Mitte der 90er Jahre bei einem "Haustürgeschäft" einen "liturgischen" Teppich für 18.000 Mark gekauft. Als der Pfarrgemeinderat diesen Kauf nachträglich nicht abgesegnet und die Kostenübernahme verweigert habe, soll Mixa den Teppich kurzerhand aus Geldern der Waisenhausstiftung bezahlt haben. Später soll der Pfarrgemeinderat den Teppich für 12 000 Mark der Stiftung abgekauft haben. Ihr sei also ein Schaden von 6000 Mark entstanden.
Es gibt angeblich "Dutzende" ähnlicher Fälle. Da Mixa in seiner Stellungnahme auch "liturgische Gegenstände" erwähnte, könnte er damit auch den Teppich und dessen Anschaffung gemeint haben. Möglicherweise wird der vom Kuratorium eingesetzte Sonderermittler, der Ingolstädter Rechtsanwalt Sebastian Knott, in wenigen Tagen deutlicher. Er äußert sich vermutlich am Freitag zum Stand seiner Nachforschungen bezüglich der finanziellen Unregelmäßigkeiten sowie der von ehemaligen Heimkindern gegen Mixa und Mallersdorfer Schwestern erhobenen Misshandlungsvorwürfe.
Laut Regierung von Oberbayern hat seit den 80er Jahren eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Auftrag der Waisenhausstiftung den Jahresabschluss vorgenommen und ihn der Regierung vorgelegt. Sprecher Heinrich Schuster sagte: "Wir haben in den Abschlüssen nichts gefunden, was zu beanstanden wäre." Von Daniel Wirsching
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