Dienstag, 25. April 2017

24. Oktober 2016 16:11 Uhr

Natur

Musterstrecke für Fische - sie sollen wieder flussaufwärts wandern können

Wasserkraftwerke versperren Fischen den Weg zu den Laichplätzen. Sind naturnahe Umgehungsbäche eine Alternative zu technische Bauwerken? Eine Musterstrecke soll das beweisen.

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Beim Wasserkraftwerk Feldheim entstand eine Musterstrecke für Fische. Das rechte Ufer wurde abgeflacht und aufgeweitet. 
Foto: Michael Hochgemuth, LEW

Es ist für alle was geboten: für strömungsliebende Fische wie Nase, Barbe, Nerfling. Für Arten wie Äsche, Bachforelle und Huchen, die im Kies ablaichen.

Am „Samerwasser“ entstand bei der Staustufe Feldheim (Kreis Donau-Ries) eine Musterstrecke der Bayerischen Elektrizitätswerke (BEW). Es war jede Menge Sediment ausgebaggert worden, bevor 100 Tonnen Wasserbausteine und 450 Tonnen Kies in den 85 Meter langen Abschnitt des künftigen Umgehungsbachs eingebaut wurden.

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Wurzelstöcke und totes Holz schaffen Struktur im Bachbett

Um Strukturreichtum zu schaffen, wurden Wurzelstöcke und weiteres totes Holz ins Bachbett gelegt. Auf einer Seite des Gewässers wurde das Ufer abgeflacht und aufgeweitet von vier Meter auf zehn Meter an der Oberkante, sagt Ralf Klocke, Leiter Wasserbau bei BEW.

An dieser Musterstrecke möchte BEW vor allem Erkenntnisse für ein naturnahes Umgehungsgewässer sammeln, das in den nächsten Jahren bei Feldheim entstehen soll. Während einer zweijährigen Testphase sollen ab Frühjahr zusätzlich zur vorhandenen Wassermenge 500 bis 1000 Liter pro Sekunde aus dem Lech in das neu gestaltete Gewässer eingeleitet werden.

Über ein modernes Messstellennetz mit elektronischen Sensoren können die Fachleute nachvollziehen, wie sich die Wasserzugabe auf den Grundwasserspiegel auswirkt. Denn keiner will, dass Keller im nahen Niederschönenfeld nass werden.

„Wir werden mit dem Grundwasser kein Risiko eingehen,“ sagt BEW-Geschäftsführer Frank Pöhler. „Deshalb brauchen wir diese Teststrecke.“ Sie gehöre zur Strategie der kleinen Schritte. Im Endausbau könnte der Umgehungsbach auf 2,3 Kilometern vitalisiert werden.

Bürger, Waldbesitzer und Naturschutz sollen in den Dialog eingebunden werden

Der Wasserkraftbetreiber setzt auf einen intensiven Dialog mit den Bürgern und möchte Befürchtungen von vorneherein begegnen. Es wurde ein Gremium von Gemeinderäten mit technischem Sachverstand gebildet. Es hat Zugriff auf alle Messdaten.

„Wir haben nichts zu verbergen“, unterstreicht Klocke. Ziel sei es, gemeinsam eine Lösung für diesen Naturraum zu entwickeln. BEW möchte auch alle anderen Beteiligten ins Boot holen, Waldbesitzer und vor allem den Naturschutz.

Die Bemühungen der BEW für ökologisch aufgewertete und strukturreiche Gewässer seien kein Selbstzweck. Dahinter steht die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Sie schreibt vor, dass alle Fließgewässer durchgängig gemacht werden müssen.

Fakt ist, dass Fische die Staustufen auf dem Weg zu ihren Laichplätzen flussaufwärts nicht passieren können. Das sollen sie über das geplante naturnahe Umgehungsgewässer entlang des Stauraums tun, das dann zu einem Gewässersystem im Auwald gehört, das aktiviert werden könnte.

Ein kniffliger Punkt: Die Fische, die von der 1,4 Kilometer entfernten Donaumündung den Lech hochwandern, müssen in den Umgehungsbach hineinfinden. „Man muss sie direkt unter dem Kraftwerk abholen,“ sagt Oliver Born, Fischereifachberater des Bezirks Schwaben. Deshalb soll dort mit einem kurzen technischen Bauwerk nachgeholfen werden, das den Höhenunterschied zwischen Kraftwerk und Umgehungsbach ausgleicht.

Fische finden in begradigten Flüssen keinen Lebensraum mehr

Wenn während der Versuchsphase alles wie geplant läuft, könnten die Erkenntnisse der Feldheimer Musterstrecke in die Umsetzung weiterer Umgehungsgewässer an Kraftwerken am unteren Lech einfließen: Rain, Oberpeiching (beide Kreis Donau-Ries) und Ellgau (Kreis Augsburg).

Diese Umgehungsgewässer sind eine Alternative zu technischen Bauwerken wie Fischtreppen aus Beton. An der Iller bei Legau und Lautrach (Unterallgäu) – hier gibt es keine Bebauung – wurden in kürzester Zeit gute Erfahrungen gemacht.

In den strukturreichen Umgehungsgewässern wären tausende von Brütlingen und Jungfischen zu finden, sagt Born. Die Fische nutzen sie nicht nur zum Wandern, sondern auch als Lebensraum, den sie in den begradigten Flüssen nicht mehr finden.

Die Fischer sind von der Musterstrecke begeistert. Manfred Kratzer von der Fischereigenossenschaft Unterer Lech legt großen Wert darauf, dass mit der Renaturierung nicht nur seiner Klientel geholfen wird. Profitieren werden auch Amphibien und Libellen. Und die Bürger, für die naturnah gestaltete Gewässer zum Erlebnis werden.

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Ein Artikel von
Dorothea Schuster

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt


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