Die Bundesregierung will Klagen gegen Kitas und Spielplätze verbieten. Auch in Augsburg gibt es Reibereien und Gerichtsverfahren wegen Kinderlärms.

Als „unzumutbare Lärmbelästigung“ bezeichnete der Chef der nordrhein-westfälischen Senioren-Union, Leonhard Kuckart, Kindergeschrei. Er forderte, Kindertagesstätten in Wohngebieten zu verbieten. Auch in Augsburg gibt es Anwohner, die sich von Spielplätzen und Kindergärten gestört fühlen. Um solchen Anliegen einen Riegel vorzuschieben, verabschiedete das Bundeskabinett nun einen Gesetzentwurf, der Klagen gegen Kitas und Spielplätze verbieten soll.
Seit Jahren gibt es in Augsburg immer wieder Probleme an neuralgischen Punkten. „Im Grunde sind es immer dieselben etwa 15 Spielplätze in Augsburg. Der Springpark in Haunstetten gehört dazu und der Spielplatz an der Waxensteiner Straße in Hochzoll“, sagt Umweltreferent Rainer Schaal, in dessen Ressort Grünanlagen und Spielplätze fallen. In Hochzoll ist sogar ein Gerichtsverfahren anhängig. Anwohner klagen seit mehreren Jahren, dass der Hartplatz auch außerhalb der Nutzungszeiten von Jugendlichen frequentiert werde.
Die gleiche Problematik lag auch in den Kitas Hessenbachstraße (Pfersee) und Ulrich-Schiegg-Straße (Univiertel) vor. „Wir haben einen Hartplatz hinter dem Haus, und wenn die Kinder oder später die Jugendlichen mit dem Ball spielen, wird es eben lauter. Das sorgte für Probleme und musste in vielen Gesprächen mit einzelnen Anwohnern geklärt werden“, berichtet Andrea Reinke, Einrichtungsleiterin im Univiertel. Aus der Welt sei die Thematik dennoch nicht. Nun fokussiere sich der Ärger auf vermeintlich mit dem Auto rasende Eltern sowie Feiern und Feste. „Beim vergangenen Martinsfest bekamen wir erst von der Feuerwehr und fünf Minuten darauf auch von der Polizei einen Anruf, weil es zu laut sei“. Reibereien bestünden mit einer Handvoll Anwohner, die sich in ihrer Ruhe gestört fühlen. Ein allgemeines Problem sehe sie aber nicht, so Reinke. „Insgesamt ist das Verhältnis zur Nachbarschaft gut. Einige haben sogar ein Auge auf unseren Garten, damit dort nichts zerstört wird.“
Schaal, in dessen Aufgabenbereich auch der Emissionsschutz fällt, begrüßt den Entwurf der Bundesregierung. Die rechtliche Regelung gehe „in die richtige Richtung“. Dies heiße aber noch lange nicht, dass sie die Probleme in der Wirklichkeit beseitige. „Kommt das Gesetz, erleichtert es uns die Arbeit. Wenn es laut ist, dann ist es aber laut und führt zu Beschwerden.“
Um dem Problem zu begegnen, hat die Stadt vor einiger Zeit einen Arbeitskreis gegründet, an dem alle Ämter beteiligt sind, und Nicole Vokrouhlik engagiert ist. Sie arbeitet bei der Förderagentur Augsburg als Konfliktmanagerin für den öffentlichen Raum. „Die Arbeit hat präventiven Charakter. Wir suchen das Gespräch und wollen vermitteln.“ Teil des Konzeptes sind die ehrenamtlichen Spielplatzpaten. Derzeit gibt es elf, weitere werden gesucht.
Sie findet ebenso wie Karin Schöllhorn, Vorsitzende des Kinderschutzbundes, dass zwischen Emissionen von Autos und Kindern eine Unterscheidung wichtig sei. „Manche Leute vergessen, dass sie auch mal jung waren. Vielleicht geht der Gesellschaft auch das Gespür verloren. Schließlich sind zwei Drittel der Deutschen über 50“, mutmaßt Schöllhorn. Verstehen kann sie es dennoch nicht. „Die Leute haben doch meist auch Kinder und vielleicht sogar Enkel.“
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