Mittwoch, 16. August 2017

27. Juli 2017 07:50 Uhr

Augsburg

Neue Technik warnt schneller vor Hochwasser

Die Wasserwirtschaftsämter testen moderne Messboote in Augsburg. Wie sie dabei helfen sollen, schneller vor Hochwasser zu warnen. Von Eva Maria Knab

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So sehen die modernen Messboote mit Ultraschall aus, die gestern in Augsburg getestet wurden.
Foto: Michael Hochgemuth

Dauerregen hat in Teilen Deutschlands schwere Überschwemmungen ausgelöst. Auch in Bayern gingen am Mittwoch die Pegel in einigen Flüssen stark nach oben. Für Donnerstag rechnete Bayerische Landesamt für Umwelt mit fallenden Pegeln, weil die Niederschläge nachlassen. In Stadt und Landkreis Augsburg gibt es eine Vorwarnung vor Hochwasser. Damit gibt es derzeit keine Gefahr vor einer größeren Überschwemmung. Vor diesem Hintergrund lief am Augsburger Eiskanal ein großer Test mit modernen Messbooten. Der Freistaat setzt sie ein, um die Abflussmengen in Flüssen schneller zu ermitteln. Davon profitiert vor allem der Hochwassernachrichtendienst.

An dem großen Ringversuch in Augsburg beteiligten sich fast alle bayerischen Wasserwirtschaftsämter. Sie sind zuständig, um an allen mittleren und größeren Flüssen im Freistaat regelmäßig den Wasserstand zu messen und die Abflussmengen zu ermitteln, und zwar an rund 560 Messstellen. Aktuelle Daten seien vor allem auch für die Warndienste wichtig, sagt der Präsident des Landesamtes für Umwelt (Lfu), Claus Kumutat. „Wir sind dabei, immer bessere Daten zu gewinnen.“ Deshalb sei den vergangenen Jahren über eine Million Euro in moderne Messtechnik investiert worden.

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Alte Technik war langsam

Viele Jahre setzten die Wasserwirtschaftsämter mechanische Technik ein, sogenannte Messflügelgeräte. Das Problem: „Mit ihnen dauert es relativ lange, bis Ergebnisse vorliegen“, sagt Mario Knott vom Lfu. Für eine Messung seien bis zu fünf Stunden nötig und für die Auswertung der Daten noch einmal 30 Minuten. Damit vergeht sehr viel wertvolle Zeit, wenn eine Überschwemmung droht.

Seit dem Hochwasser 2013 schaffte der Freistaat verstärkt moderne Messboote (Moving Boats) an, die mit Ultraschall arbeiten. Mit dieser Technik liegen Informationen bereits in 30 Minuten vor. „Wir können die Ergebnisse auch sofort vor Ort an die Hochwasservorhersagezentrale durchgeben“, sagt Knott. Ein weiterer Vorteil der Messboote ist, dass sie sogar bei extremsten Bedingungen eingesetzt werden können. Inzwischen ist die Flotte soweit aufgerüstet, dass fast die Hälfte aller ermittelten Abflussmengen in Bayerns Flüssen von solchen Spezialbooten kommen. Laut Kumutat geht es um 3000 Messungen pro Jahr.

In Augsburg ging es am Mittwoch um einen großen Vergleichstest. Er soll die Qualität der Messungen sicherstellen. Bei dem Ringversuch, der alle zwei Jahre stattfindet, erheben alle Wasserwirtschaftsämter zur selben Zeit an der selben Stelle ihre Daten, um danach die Ergebnisse abzugleichen.

Mehr Hochwasser

Der Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser war immer schon wichtig. Doch Kumutat verweist darauf, dass durch den Klimawandel extreme Wetterereignisse auch in Bayern zunehmen. Dazu zählt Starkregen und damit die Hochwassergefahr. „Es ist mit mehr und anderen Hochwasserereignissen zu rechnen“, sagt Kumutat. Nach den Prognosen der Fachleute werden auch die statistisch hundertjährlichen Hochwasser noch größere Wassermassen haben. Deshalb plant der Freistaat inzwischen bei allen neuen Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz einen zusätzlichen „Klimazuschlag“ ein. Auch beim Umbau der Augsburger Wertach wurden die neuen Deiche höher ausgelegt, um auf der sicheren Seite sein. Beim geplanten Projekt „Licca liber“, dem naturnaheren Umbau des Lechs, werden die Planer den Klimawandel ebenfalls im Blick haben.

Aktuell sind die Informationen des Hochwassernachrichtendienstes im Internet bei der breiten Bevölkerung sehr gefragt. „Insbesondere bei Hochwasserereignissen wird das Internetangebot stark frequentiert,“ sagt Lfu-Sprecher Claus Hensold. Doch auch wenn die Messungen des Freistaats in den Flüssen immer exakter werden. Ein Problem haben die Experten nach wie vor. Die Wetterdienste können im Vorfeld von Regenfällen nicht ganz genau vorhersagen, wie welche Wassermengen tatsächlich vom Himmel fallen werden. Das macht auch längerfristige Prognosen des Hochwassernachrichtendienstes schwierig.

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