Wetter
Mo.
21°C
Wetter
Di.
20°C

25. Februar 2011 00:00 Uhr

Kurzfilm

Nicht immer nur vernünftig sein

Zwischen Idealismus und Zwängen, zwischen Schule und Beruf: In ihrem Debüt thematisiert die Studentin Juliane Schopf die Lebensphase, in der sie sich selbst befindet Von Kathrin Löther

Juliane Schopf, 21-jährige Augsburgerin, hat einen bedrückenden Kurzfilm über junge Lehrer gemacht. Die gesamte Ausstattung, wie diese Spiegelreflexkamera, war entweder geliehen oder gehört einem Mitglied ihres jungen Teams.
Foto: Fred Schöllhorn

Erst hat sie sich vorgenommen, etwas Vernünftiges zu machen, und schrieb sich in Geoökologie ein. Ihre Mitschüler haben schließlich auch ein BWL-Studium begonnen oder sind ins Ausland gegangen; klar, der Lebenslauf. Dann wechselte Juliane Schopf, 21-jährige Augsburgerin, trotzdem schon nach ein paar Wochen in die Theater- und Medienfakultät, von der Natur- in die Geisteswissenschaft. Zu oft hatte sie in den Mathevorlesungen gefehlt, zu oft saß sie in den unieigenen Fernsehstudios. Es war die richtige Entscheidung, sagt sie. Vielleicht nicht für immer, aber fürs Erste.

Am morgigen Samstag stellt Juliane Schopf im Kino Cinemaxx ihren Kurzfilm „Die Hölle, das sind die anderen“ vor. Es ist der erste große Streifen einer jungen Regisseurin, die man als Multitalent bezeichnen könnte, vielfältig interessiert und begabt. 2009 hat sie am Gymnasium bei St. Anna Abitur gemacht, seit Herbst studiert sie in Bayreuth. Schon als Jugendliche waren Schopfs Vorlieben sehr unterschiedlich. In derselben Zeit, in der sie für „Jugend forscht“ testete, ob Tetra-Paks Vitamine schützen, stand sie im Augsburger Theater auf der Bühne. Während sie ihre Bio-Facharbeit schrieb, drehte sie eine Doku über Öko-Lebensmittel.

ANZEIGE

In der Schulzeit spielte Juliane Schopf für das Junge Theater Team (jtt) in einem Stück über Juden genauso wie in Musicals und griechischen Tragödien. Dreimal assistierte die 21-Jährige auch in der Regie des Augsburger Theaters. Das Studium beendete diese Zeit auf und hinter der Bühne zunächst. „Es fehlt mir total“, sagt sie, „nicht immer nur vernünftig sein zu müssen“.

Die Arbeiten an dem Kurzfilm, der morgen Premiere feiert, haben kurz nach ihren Abiturprüfungen begonnen. Er spielt in eben dieser Zwischenzeit des Erwachsenwerdens, in der sich Juliane Schopf selbst befindet: in der Zeit der Hoffnungen und Zweifel, der Entscheidungen und Pläne, der Zeit der Zwänge und der Freiheiten.

Der rund 30-minütige Film handelt von einem jungen Lehrer, der an sich und seiner Berufswahl (ver)zweifelt. Von Mobbing, Homosexualität, Einsamkeit, Gruppenzwang, Feigheit und Depression. „Es war schon lange an der Zeit, dass man Themen zeigt, über die man hinter der verschlossenen Tür redet“, sagt Juliane Schopf. Und darzustellen, dass Beruf nicht alles ist, dass sich junge Menschen nicht nur auf Karriere fixieren sollten.

Die Erzählungen der Referendare waren zu krass für die Fiktion

Ihren Streifen bezeichnet sie letztlich als „Psychoanalyse“. Es hätte nichts anderes werden können. So emotional, so schockierend seien die Gespräche mit angehenden Lehrern gewesen, die sie zur Vorbereitung des Drehbuchs geführt hat. Die Realität, sagt Juliane Schopf, sei letztlich sogar zu krass für die Fiktion gewesen. Manche Referendare erzählten ihr, sie hätten gleich in ihrer ersten Klasse einen Burn-out bekommen. Andere weinten vor ihr, sagten, sie hielten das alles nicht mehr aus.

Juliane Schopfs Kurzfilm, der mit einem jungen Team und ohne jegliche Filmförderung entstanden ist, hat ein offenes Ende. Die Regisseurin verrät nicht, wie es weitergehen könnte mit ihrem Protagonisten. Das sei ihr auch nicht so wichtig, auch in ihrem eigenen Leben. Hauptsache, sagt die 21-Jährige, man mache sein Lebensglück nicht vom Beruf abhängig.

Premiere am Samstag, 26. Februar, um 11 Uhr im Cinemaxx Augsburg, Willy-Brandt-Platz 2.

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren

Schlagworte

Augsburg

Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Finden Sie Nachrichten aus Ihrem Ort
Anzeige

Neu in den Foren
Frage der Woche
Maxstraße: Soll es eine Sperrstunde geben?



Neu in den Leserblogs

Partnersuche