Dienstag, 12. Dezember 2017

20. Februar 2015 06:45 Uhr

Theater Augsburg

Nicht umsetzbar: Stadträte kritisieren Pläne für 235-Millionen-Projekt

Das 235-Millionen-Projekt wird im geplanten Umfang erstmals infrage gestellt. Das Regierungslager will die Bürger aber für das Projekt begeistern.

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Diesen Blick haben normalerweise die Künstler des Theaters Augsburg. Die Aufnahme zeigt Parkett und Ränge. Dort würde sich zumindest optisch am wenigsten verändern.
Foto: Norbert Steffan

Die Zahl von 235 Millionen Euro versetzte Augsburgs Kommunalpolitiker anfangs geradezu in eine Schockstarre: So teuer soll die Sanierung des Theaters werden. Was folgte, war ein tagelanges Schweigen. Die Pläne für den Umbau wurden zur Kenntnis genommen. Die Frage der Finanzierbarkeit blieb zunächst außen vor. Nun nimmt die politische Debatte über die Finanzierung an Fahrt auf. Erste Stimmen aus dem Stadtrat halten das Projekt für nicht umsetzbar. Die Rathaus-Opposition nimmt die Stadtregierung immer stärker unter Beschuss.

"Es fehlt die Orientierung"

Vermisst wird ein überzeugendes Theaterkonzept, an das sich dann ein Finanzierungskonzept anschließen müsse. „Ich sage es mal deutlich, es fehlt die Orientierung“, schätzt Volker Schafitel (Freie Wähler) die Situation ein. „Die Summe von 235 Millionen Euro kann die Stadt nicht aufbringen, selbst wenn der Staat etwa 45 Prozent zuschießt“, sagt Rudolf Holzapfel (Pro Augsburg). „Aus meiner Sicht ist keine Luft für eine Theatersanierung in diesem Umfang“, sagt Christian Pettinger (ÖDP). Er hält es nicht für abwegig, dass sich Augsburg von einem Theater verabschieden muss: „Vielleicht sollten wir uns auf die Freilichtbühne beschränken.“ Damit hätte Augsburg ein Alleinstellungsmerkmal. Oliver Nowak (Polit-WG) sagt: „Ein Theater, das seiner Struktur und Inhalte nach dem 19. Jahrhundert entspringt, ist nicht nur nicht mehr zeitgemäß, sondern überflüssig.“ Linken-Stadtrat Otto Hutter meint: „Der Preis, der bezahlt werden muss, besteht in all dem, was dann auf Jahre hinaus nicht gemacht werden kann: Römermuseum, Brecht-Literaturhaus, Gedenkstätte in der Halle 116, Wiederbelebung der Kreßlesmühle, Gaswerk-Areal.“

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Hutter, Nowak, Schafitel, Holzapfel und Pettinger sitzen in der Opposition. Das tut auch die CSM-Fraktion. Deren Fraktionsvorsitzende Claudia Eberle will sich zum jetzigen Zeitpunkt keineswegs vom Theater verabschieden. Sie glaubt allerdings, dass diese Begeisterung in Teilen der Bevölkerung bei Weitem nicht so ausgeprägt ist, zumal die Kosten von 235 Millionen Euro stehen. Die CSM plädiert daher für ein „Akzeptanzpapier“, wie sie es nennt. Dieses Papier sei Dreh- und Angelpunkt für die Überzeugungsarbeit: „Eine Viertelmilliarde Euro liegt nicht einfach so da und wartet auf das Theater in Augsburg.“

Der Ruf nach einem Staatstheater

Wenn es um die Zukunft des Theaters geht, taucht in den politischen Überlegungen der Ruf nach einem Staatstheater auf. Der frühere Kulturreferent Peter Grab (WSA) verweist auf die Situation in Nürnberg, als der Freistaat zum Retter in der finanziellen Not wurde. In der fränkischen Stadt gibt es jetzt ein Staatstheater. „Ohne einen Eigenanteil unserer Stadt wird es jedoch nicht gehen – hier darf man keine falschen Hoffnungen machen“, sagt Grab. FDP-Stadtrat Markus Arnold erwartet zunächst „ein tragbares Konzept hinsichtlich Sanierung und laufendem Betrieb“. Optimistisch beurteilt die AfD die Ausgangslage der Stadt für die anstehenden Verhandlungen und Gespräche. „Die Stadt Augsburg ist unserer Ansicht durchaus in der Lage, ihren Kostenanteil an der Theatersanierung zu tragen. Dazu bedarf es aber eines langfristigen und sehr zinsgünstigen Kredites, der dann über 25 bis 30 Jahre zurückgeführt werden kann“, sagt Fraktionschef Thomas Lis.

Das Regierungsbündnis von CSU, SPD und Grünen bekennt sich zum Theaterstandort Augsburg. Das tat es auch bereits, als die Kosten der Sanierung auf 235 Millionen Euro beziffert wurden. Freistaat und Landkreise seien stärker einzubinden, lautet der Appell. Wobei zwischenzeitlich aus dem Umland bereits abgewunken wird, Geld in Richtung des Augsburger Theaters zu transferieren. Die Grünen wollen die Bürger stärker in das Bauprojekt einbinden: „Vor einer so großen und kostenintensiven Baumaßnahme brauchen wir in der Stadtgesellschaft einen Konsens darüber, was uns unser Theater wert ist und wie die inhaltlichen Anforderungen, die aus dem im März stattfindenden Hearing zur Zukunft des Theaters Augsburg resultieren, mit den baulichen Notwendigkeiten sowie mit der finanziellen Situation der Stadt in Einklang gebracht werden.“ Die SPD fordert eine „Grundsatzdiskussion über Funktionalität und Stellenwert des Theaters in der Stadtgesellschaft.“ Dass das Projekt zügig durchgezogen wird, ist bei der CSU wegen der Finanzierung keineswegs beschlossene Sache: „Möglicherweise könnte die Aufteilung in separate Bauabschnitte Teil einer Lösung sein, die nacheinander und je nach Ressourcen angegangen werden.“ »Kommentar, Seite 34

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Ein Artikel von
Michael Hörmann

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