Die Augsburger Bewerbungsschrift für den Unesco-Titel wird teurer. Gleichzeitig wächst die Zuversicht, dass die Stadt ihn bekommen kann. Jetzt soll intensiv Werbung gemacht werden. Von Nicole Prestle

Wer den Titel „Welterbe“ haben möchte, der muss sich ins Zeug legen. Und so steht Augsburg, das sich mit dem Thema „Wasser und Wasserversorgung“ bewirbt, das Wasser derzeit bis zum Hals: 13 Wochen bleiben, um in Berlin eine „erweiterte Interessensbekundung“ abzugeben. Nur ist daraus inzwischen eine „Deluxe-Interessensbekundung“ (Regio-Chef Götz Beck) geworden.
130 Seiten stark wird das Buch sein, dass der Context-Verlag von Martin Kluger vorbereitet. Es geht darin um die Bedeutung der Wasserwirtschaft, um ihr Einzugsgebiet und um die Denkmäler, die Augsburg zu bieten hat. Die Texte verfasst Kluger selbst, basierend auf Gesprächen mit Experten wie Sebastian Gairhos von der Stadtarchäologie, Christoph Emmendörffer vom Maximilianmuseum oder Prof. Karl Ganser, einem Kenner der Industriekultur. „Es geht darum, die Kultusministerkonferenz mit einer wissenschaftlich fundierten, aber auch sinnlich aufbereiteten Bewerbung zu überzeugen“, sagt Kluger.
Selbstredend kostet ein solches Buch Geld, rund 35000 Euro – eine Summe, die vorher nicht annähernd im Raum stand. Würde noch ein Film gedreht, kämen weitere 12000 Euro dazu. Der Kulturausschuss, dem hohe Geldforderungen normalerweise das Wasser in die Augen treiben, reagierte am Montag jedoch gelassen, eher sogar begeistert: Eine solche Publikation könnte verkauft werden und somit dazu beitragen, dass sich auch die Bürger stärker mit ihrer Stadt identifizieren.
Eine Einschätzung, die Regio-Chef Götz Beck teilt: „Keine Stadt außer Augsburg hat dieses Thema über so viele Jahrhunderte hinweg auf so hohem Niveau besetzt“, betont er und stellt den Vergleich nicht deutschland-, sondern weltweit an. Beck ist deshalb auch zuversichtlich, dass Augsburg beim Rennen um den Titel „Welterbe“ kein anderer Bewerber das Wasser reichen kann: „Ich bin mir sehr sicher, dass wir ihn bekommen.“
Wie berichtet, treten für Bayern außer Augsburg drei weitere Bewerber an: die Wiesenlandschaften Werdenfelser Land, Ammergau, Staffelseegebiet und Murnauer Moos, der Saal 600, in dem die Nürnberger Prozesse stattfanden, und Schloss Neuschwanstein. Auch alle anderen Bundesländer haben Vorschläge eingereicht. Im Sommer entscheidet die Kultusministerkonferenz, welche Bewerber auf die Welterbe-Liste kommen, die dann ab 2017 abgearbeitet wird. „Es geht darum, möglichst oben zu landen. Dann geht die Bewerbung erst richtig los“, sagt Beck.
Der Kulturausschuss sitzt spätestens seit Montag mit im Boot: Die Politiker wollen das Projekt bestmöglich unterstützen. Unter anderem soll es eine Benefizveranstaltung im Goldenen Saal geben, in deren Rahmen die Bewerbungsschrift vorgestellt wird.
Kulturreferent Peter Grab sucht derweil nach Sponsoren für das Buch und für zusätzliche Werbemaßnahmen. „Aus dem Bereich der Wasserwirtschaft gibt es bereits Interessenten. Ich glaube, dass wir so die ganze Summe zusammenbekommen können.“
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.|
|
Artikel kommentieren