Die Stadtverwaltung von Augsburg ist ein typisches Beispiel. Von mehreren Tausend Mitarbeitern haben sieben Prozent einen ausländischen Pass. Mit dieser Zahl eröffnete der städtische Integrationsbeauftragte Robert Vogl gestern eine Pressekonferenz im Rathaus, bei der es um die Notwendigkeit ging, Migranten besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, und zwar aus dem pragmatischen Grund, dass ansonsten angesichts des demografischen Wandels bald die Arbeitskräfte ausgehen. Von Ute Krogull
Von Ute Krogull
Die Stadtverwaltung von Augsburg ist ein typisches Beispiel. Von mehreren Tausend Mitarbeitern haben sieben Prozent einen ausländischen Pass. Dabei liegt der Anteil der Ausländer in Augsburg mindestens doppelt so hoch, Migranten mit deutscher Staatsangehörigkeit gibt es noch mehr.
Viele ausländische Mitarbeiter der Stadt sind Arbeiter, kein einziger ist in einer Führungsposition, bestimmte Sparten wie das Theater würden ohne Migranten gar nicht funktionieren. Mit diesen Zahlen eröffnete der städtische Integrationsbeauftragte Robert Vogl gestern eine Pressekonferenz im Rathaus, bei der es um die Notwendigkeit ging, Migranten besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, und zwar aus dem pragmatischen Grund, dass ansonsten angesichts des demografischen Wandels bald die Arbeitskräfte ausgehen.
Dieses Jahr konnten im schwäbischen Handwerk zum Beispiel erstmals nicht alle Ausbildungsstellen adäquat besetzt werden, wie Markus Bottlang, Geschäftsbereichsleiter Bildung der Handwerkskammer, berichtete. Man steuere auf einen Fachkräftemangel zu, doch: "Es gelingt uns nicht, Azubis mit Migrationshintergrund von den Möglichkeiten und Perspektiven einer handwerklichen Karriere zu überzeugen." Eine neue Studie zeigt: 17 Prozent der Azubis im Handwerk stammen aus Zuwandererfamilien, aber nur 4,6 Prozent der Meister. Unter anderem deshalb ist für die Kammer das Thema seit mehreren Jahren ein zentrales, seit über zwei Jahren arbeitet man eng mit der Organisation MigraNet zusammen.
Motto: "Mehr Diskussion über Potenziale als über Risiken." Oft wären Zuwanderer zur Weiterbildung bestens geeignet, wissen aber nicht um die Möglichkeiten, weil sie mit dem hiesigen Angebot nicht so vertraut sind wie Einheimische.
Gemeinsame Ziele von Kammer und MigraNet sind unter anderem Beratung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, Kompetenzfeststellung von Migranten, Angleichung der Qualifikation an den deutschen Arbeitsmarkt und Weiterentwicklung sowie Existenzgründungsberatung und Hilfe bei der Einrichtung von Ausbildungsplätzen (siehe "Migration und Ausbildung"). MigraNet will in den nächsten Jahren in Zusammenarbeit mit anderen Trägern ein Beratungs- und Integrationszentrum in Augsburg einrichten, das verschiedene Angebote bündelt und zentrale Anlaufstelle für Zuwanderer ist, die sich im deutschen Bildungs- und Arbeitsmarktsystem nur schwer zurechtfinden. Der Projektleiter Stephan Schiele (Tür an Tür) machte die Notwendigkeit deutlich: "Migranten sind doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen wie Deutsche."
Das liege oft nicht an fehlender Qualifikation, sondern daran, dass Fähigkeiten nicht bekannt oder anerkannt sind. Beispiel: Erfasse die Arbeitsagentur die Daten für ein Profil, gibt es zwar eine spezielle Rubrik "Qualifikation im Herkunftsland". Diese kann aber über den Computer nicht abgerufen werden. Chancen sind so für immer verbaut. »Wirtschaft
"Vielfalt ist Gewinn" lautet der Titel einer Tagung der HwK morgen (ab 10 Uhr, Siebentischstraße 54). Dabei erhält die Kammer die "Charta der Vielfalt".
|
|
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: