Die seit Monaten erkrankten Augsburger Referenten werden wohl nicht mehr ins Rathaus zurückkehren. Über Nachfolger will OB Gribl aber noch nicht sprechen. Von Michael Hörmann

Seit Monaten fallen Wirtschaftsreferent Andreas Bubmann (50 Jahre, parteilos) und Ordnungsreferent Walter Böhm (62, CSU) krankheitsbedingt aus. Jetzt hat Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) erstmals recht deutlich zu verstehen gegeben, dass auch er nicht mehr mit einer Rückkehr der beiden Referenten rechne: „Es ist sehr, sehr wahrscheinlich, dass sie nicht zurückkehren“, sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung.
Über den Zeitpunkt eines Ausscheidens lasse sich aber nach wie vor nichts Konkretes sagen, da weitere amtsärztliche Untersuchungen anstehen. Termine sind dem Vernehmen vereinbart, die Untersuchungen sind in der nächsten Zeit. „Es gibt insofern keinen Anhaltspunkt, wann die Referenten ausscheiden. Das bestimmt der Amtsarzt“, so Gribl.
Erst wenn definitiv feststehe, dass Bubmann und Böhm aufhören, könne über die Nachfolge gesprochen werden. Diese Position vertritt auch Bernd Kränzle, Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion: „In der Fraktion ist die Personalfrage daher auch nicht angesprochen worden.“
Nach Informationen unserer Zeitung deutet vieles darauf hin, dass es zwei Kandidaten gibt, denen in der Regierungskoalition gute Chancen eingeräumt werden, sollten beide Referentenposten neu besetzt werden: Eva Weber und Volker Ullrich – die eine ist Referatsleiterin im Wirtschaftsreferat, der andere ein ambitionierter CSU-Stadtrat.
„Diese Spekulationen sind nicht abwegig“, sagt ein hochrangiges Mitglied der CSU-Fraktion, „die engen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat lassen zumindest diesen Schluss zu.“
CSU und Pro Augsburg, gestützt vom fraktionslosen Stadtrat Karl Heinz Englet, haben 31 von 61 Stimmen im Stadtrat. Wollen sie folglich eigene Personalvorschläge durchsetzen, benötigt die Koalition jede Stimme. Daher spielt die Geschlossenheit bei der geheimen Referentenwahl eine entscheidende Rolle. Ullrich will Referent werden. So deutlich formuliert er es zwar selbst nicht, doch aus seinem Umfeld ist dies zu hören. Eng verbunden mit Ullrich sind die CSU-Stadträte Tobias Schley, Leo Dietz, Michael Gierl und auch Thorsten Große. Das Lager um Ullrich könnte somit bei der Wahl ein wichtiger Faktor sein. Käme Ullrich nicht zum Zug und würde möglicherweise ein anderer Bewerber vorgeschlagen, könnte die Gruppierung ihn ganz gezielt durchfallen lassen. Die Geschlossenheit der CSU wäre dahin. Andererseits ist bekannt, dass Ullrich längst nicht bei allen CSU-Stadträten besonders beliebt ist. Nicht gänzlich vergessen sind frühere Attacken des Stadtrats gegen die eigene Stadtregierung. Ullrich läuft insofern Gefahr, Gegenstimmen aus dem eigenen Lager zu erhalten, die seine Wahl scheitern lassen könnten. Auch in diesem Fall wäre die Geschlossenheit dahin.
Nur eine hauchdünne
Mehrheit im Stadtrat
Insofern bietet aus Sicht von Parteistrategen das Personalkonzept mit Weber und Ullrich eben doch die Möglichkeit, die hauchdünne Mehrheit bei der Stange zu halten. Das Ullrich-Lager ist für Weber, wenn der Rest der Fraktion für Ullrich ist, lautet die Rechnung.
Weber gilt als Wunschkandidatin von OB Gribl. Immerhin hatte er sie bereits zur Referatsleiterin ernannt, als Bubmann ausgefallen war.
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