"Sex sells" - diese stehende Redewendung galt auch für den 118. Poetry Slam in der Kresslesmühle. Die derben erotischen Beiträge erhielten neben der schließlich triumphierenden Geschichte "Depression" den größten Beifall.
Die Ausbeute unterm Strich lag vergleichsweise im Mittelfeld. Seit Jahren zum ersten Mal traten aber statt acht nur sieben Teilnehmer an. Zwei kurzfristige Absagen machten Horst Thieme sein Organisatoren-Dasein schwer, bis Lasse Samström alias Albrecht Bertoltson kurz vor Beginn als Einspringer eine Lücke füllte. Der deutsche Poetry-Slam-Meister wurde dann auch für seine "Jungslyrik" von Feigenblatt-bemantelt bis unverblümt zum besten Augsburger Poet gekürt.
Seine lokalen Mitstreiter waren ebenfalls alte Bekannte auf der Lauschangriff-Bühne: Mit sachlich-minimalistischem Philosophenblick auf ein 23 Wochen altes Baby trat Michael Friedrichs in den Ring. Peter Knuhr erzählte in Ich-Form von der Entdeckung der Scham als erstes Zeichen des Erwach(s)ens.
Auch der erst 16-jährige Thomas Laschyk gehörte zu den Wieder-Comern, riss aber mit seiner couragierten Zirkusdirektor-Performance als Sir Miro von Mustard und mit seinem findigen Wortspiel-Bandwurm à la Kreisler nicht recht mit. Dagegen feierten Daniel Gruber und sein nachdenklich-romantischer Text "Das alte Opernhaus" ihre herzlich beklatschte Poetry-Slam-Premiere.
So richtig drehten die überwiegend jugendlichen Zuhörer allerdings erst bei Gast Nico Semsrott auf, dem 23-jährigen "Lebensqualitäter" und Slam-Poeten aus Hamburg. Seine mit harmlos getarnter Stimme gelesenen, kabarettistisch-satirischen Verdrehungen über das Scheitern, dem deprimierenden "In-Thema unserer Tage", und die Quallen, dem "größten Problem der Menschheit", behielten schließlich die Oberhand.
Nämlich über den zweiten Finalisten, den Nürnberger Gast und Testosteron-Getriebenen Michel Jakob, der seine geistreich, humorig und saftig gedichteten Männermühen, "unentwegt Weibern ihre Lücken (zu) füllen", auswendig und ungehemmt gestenreich vortrug.
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