Die Sanierung des Klinikums, die in den kommenden Jahren 350 Millionen Euro kosten wird, ist seit einigen Wochen im Inneren des Hauptgebäudes angelaufen. Der zentrale OP-Trakt, in dem bisher 19 Säle für alle möglichen chirurgischen Eingriffe zur Verfügung standen, wird bei laufendem Betrieb saniert. „Es ist eine Operation am offenen Herzen des Krankenhauses“, sagt Klaus Beekmann, Leiter des Facility Managements. Rund 33000 Operationen finden am Klinikum pro Jahr statt – sie müssen auch während der Sanierung möglich sein.
Bereits vergangenes Jahr hat das Klinikum deshalb sechs neue Operationssäle, die in Fertigmodulen auf dem Dach des Vorgebäudes untergebracht sind, in Betrieb genommen. Sie sollen die Kapazitäten ersetzen, die während der Sanierung des Zentralbereichs wegfallen. Dieser ist momentan zweigeteilt: In der einen Hälfte wird gehämmert und geschraubt, in der anderen operiert. Dazwischen wurde eine Wand hochgezogen. „Beide Bereiche sind hermetisch getrennt“, sagt Beekmann. Die Baustelle wird später unter Unterdruck gesetzt, um auszuschließen, dass staubige Luft durch winzige Löcher in den OP-Bereich gelangt.
„Das Einzige, was man mitbekommt, sind ab und zu Geräusche von nebenan“, sagt Prof. Helmuth Forst, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin. Um während der Umbauphase, in der im ersten Abschnitt zehn Säle vorübergehend wegfallen, das gleiche Programm bieten zu können, sind die OP-Zeitpläne verlängert worden. Morgens geht es früher los, abends wird länger operiert.
In knapp eineinhalb Jahren soll der erste Abschnitt fertig sein, dann wird die andere Hälfte des OP-Trakts in Angriff genommen. „Die Bauzeit allein liegt bei nur 15 Monaten, aber wir haben für die Inbetriebnahme drei Monate eingeplant. Das Personal muss erst mit den neuen Sälen zurechtkommen“, so Beekmann. 31 Millionen Euro sind für die neuen Operationssäle vorgesehen, zwölf Millionen kommen für neue Technik hinzu. „Es wird künftig auch sogenannte Hybrid-OPs geben, in denen ein Patient operiert werden kann und wo man – etwa mit einem Computertomografen – sofort noch mal gezielt nachschauen kann, wie es in dem operierten Bereich aussieht“, so Forst. Bisher mussten bestimmte Patienten, bei denen Ärzte während des Eingriffs Röntgenaufnahmen aus dem Körper benötigten, aus dem Operationssaal zu einem entsprechenden Gerät gebracht werden.
lOperationssäle Weil die neuen Operationssäle mehr Platz brauchen, wird es im Zentralbereich künftig einen weniger geben als bisher. Allerdings werden langfristig genug OPs zur Verfügung stehen, weil auch die sechs Dach-Operationssäle weitergenutzt werden.
l Mutter-Kind-Zentrum Für Besucher und Patienten des Klinikums am augenfälligsten ist momentan aber die Baustelle für das neue Mutter-Kind-Zentrum/Kinderklinik direkt neben dem Klinikum. Über den Winter wurden die Kellergeschosse gebaut, inzwischen ziehen die Bauarbeiter die Mauern des Gebäudes hoch. 2014 soll der Komp-lex, der das Kinderkrankenhaus und die Entbindungsstation der Frauenklinik gemeinsam beherbergen soll, bezugsfertig sein. „Auch hier veranschlagen wir ein Vierteljahr für die Inbetriebnahme, damit alles klappt, wenn die Patienten da sind“, so Beekmann. Drei große Kräne stehen wegen dieser Baustellen aktuell.
lTiefgarage Die dritte momentan laufende Baustelle ist die Tiefgarage. Die Sanierung hatte sich jahrelang hingezogen. Die 400 Plätze, ein Teil davon auch für die Öffentlichkeit, sollen ab dem Sommer zur Verfügung stehen.
lHubschrauberplattform Die nächste Baustelle dürfte dann der Bau der Hubschrauberplattform mit eigenem Helikopter auf dem Dach des Klinikums sein. Sie soll 2013 in Betrieb gehen. Momentan läuft das Genehmigungsverfahren beim Luftamt Südbayern. Die Augsburger Stadtverwaltung sieht keine Probleme. Die Stadt Neusäß hat signalisiert, dass sie mit den An- und Abflugrouten nicht gänzlich einverstanden ist, weil das Ruhebedürfnis der Anwohner zu kurz komme. Das Klinikum betont, dass der Landeplatz auf dem Dach in 60 Meter Höhe für geringe Lärmwerte am Boden sorgt. Von 22 bis 6 Uhr wird der Hubschrauber nicht fliegen.
Ein Gutachten geht für das erste Jahr von vier Starts bzw. Landungen pro Tag aus. In den nächsten zehn Jahren könnte sich diese Zahl aber verdoppeln, so der TÜV. Inzwischen wurden vier An- und Abflugrouten ausgearbeitet. Die meisten Flüge sollen Richtung Süden starten, was mit dem Wind zu tun hat. Überflogen werden voraussichtlich vor allem Westheim (Neusäß) sowie die frühere Flak-Kaserne und Teile von Kriegshaber auf Augsburger Stadtgebiet.