Montag, 11. Dezember 2017

12. Oktober 2017 14:54 Uhr

Augsburg

Pfand-Kaffeebecher vor dem Scheitern

Augsburg wollte ein Mehrweg-System für Kaffee-Becher einführen. Bäckereien und Cafébetreiber sind aber nicht begeistert. Was die Stadt nun plant.

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In Freuburg gibt es Pfandbecher für den Kaffee zum Mitnehmen. In Augsburg wird es absehbare Zeit kein ähnliches System geben.
Foto: Patrick Seeger, dpa

Die Bemühungen der Stadt, die Zahl der Einweg-Kaffeebecher zu reduzieren, haben einen herben Dämpfer erlitten. Die Einführung eines Pfandsystems mit Mehrwegbechern in Bäckereien und Cafés, wie es etwa in Freiburg schon vorhanden ist, scheint in nächster Zeit nicht umsetzbar.

Die Stadt hatte das Start-Up-Unternehmen Recup, das in Rosenheim ein Pfandsystem eingeführt hat und in München gerade ebenfalls Fuß fasst, zu einem Gespräch mit Augsburger Bäckereien eingeladen. Laut Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) hätten sich die Betriebe interessiert gezeigt, waren aber nicht bereit, dem Pfandsystem beizutreten. Grund: Recup verwendet Becher mit eigener Kennzeichnung, die Gastro-Betriebe wollten aber am eigenen Werbeaufdruck auf dem Becher festhalten. Gespräche mit einem anderen Start-Up-Unternehmen, das eine Lösung anbieten möchte, kamen erst gar nicht zustande.

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Bei einem Mehrwegbecher-Pfandsystem verkaufen die teilnehmenden Betriebe den Kaffee in recycelbaren Kunststoffbechern gegen ein Pfand von einem Euro. Diese Becher können danach bei jedem Unternehmen, das bei dem System mitmacht, wieder zurückgegeben werden. Der Pfandsystem-Betreiber organisiert den Bechernachschub und auf Wunsch auch das Spülen. In Augsburg war beabsichtigt, mit der Uni zusammen zu erforschen, wie Mehrweg-Plastikbecher im Vergleich zu den Pappe-einwegbechern ökologisch abschneiden. Studien gibt es dazu bislang wenige, die Deutsche Umwelthilfe geht davon aus, dass sich der Mehrwegbecher schon nach fünfmaligem Gebrauch ökologisch gelohnt hat.

Zahl der Becher nimmt zu

Hintergrund der Problematik ist, dass die Zahl der Einweg-Becher in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Die auf der Innenseite beschichteten Pappbecher – häufig mit einem Trinkaufsatz aus Plastik versehen – werden im Schnitt gerade einmal 15 Minuten benutzt, bevor sie im Müll landen. Das in der lokalen Agenda 21 organisierte „Forum plastikfreies Augsburg“ schätzt, dass in der Stadt täglich um die 27000 Einwegbecher ausgegeben und kurz darauf wieder weggeworfen werden. Sie landen im günstigsten Fall in Abfalleimern auf der Straße, im ungünstigsten Fall auf der Straße selbst. Zuletzt hatten Grüne und SPD in Anträgen die Stadt aufgefordert, etwas gegen die Pappbecher zu unternehmen.

Doch ohne rechtliche Handhabe, die es nicht gibt, sei das nicht so einfach, sagt Umweltreferent Erben. Es gebe weder eine Grundlage für ein Verbot von Einwegbechern noch die Möglichkeit, eine örtliche Zusatzsteuer zu erheben. Versucht werden soll nun, die Firmen zum unverbindlichen Beitritt zu einem Pfandsystem zu bewegen. Zudem haben mehrere Augsburger Unternehmen schon angekündigt, selbst nach einer eigenen Lösung zu suchen. McDonald’s schenkt beispielsweise schon Kaffee in mitgebrachte Tassen ein. Aus hygienischen Gründen wird der Kaffee in einem Stahlkännchen ausgeschenkt, sodass die mitgebrachte Tasse nicht hinter die Theke wandert. Auch andere Cafés und Bäcker in Augsburg bieten diesen Service – teils sogar gegen Rabatt – an.

Das Umwelt- und Verbraucherschutzministerium sieht darin kein Problem, rät Betrieben aber, den Kaffeebecher nach Möglichkeit mit einem separaten Kännchen auf der Theke zu befüllen, sodass dieser nicht mit der Kaffeemaschine in Berührung kommt. Eine Selbstverständlichkeit sei, dass nur saubere Tassen oder Becher in Frage kommen.

Stadt plant Verbote

Das „Forum plastikfreies Augsburg“ bündelt diese Aktivitäten unter dem Motto „Bring your own cup“. Der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb unterstützt die Aktion. Allerdings dürfte diese Lösung nicht die große Masse an Müll einsparen. Schließlich kommt sie nur für Stammkunden in Frage, die sich beispielsweise jeden Tag einen Kaffee vom Bäcker ins Büro holen. Spontan-Kunden, so das Umweltreferat, würden kaum in weiser Voraussicht ständig eine Tasse in der Tasche haben.

Immerhin will die Stadt nun versuchen, bei Gastronomie in eigenen Einrichtungen und städtischen Immobilien im Zuge von neuen Miet- und Pachtverträgen die Verwendung von To-Go-Bechern zu verbieten. Momentan läuft auch eine Erhebung darüber, in welchen städtischen Ämtern Getränkeautomaten mit Einwegbechern stehen.

Info Eine Übersicht des Umweltministeriums zu Cafés, die Kaffeetassen zur Befüllung annehmen, gibt es unter hier. Auch unter Plastikfreies Augsburg gibt es eine Liste mit Betrieben.

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Ein Artikel von
Stefan Krog

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