Montag, 24. April 2017

20. April 2017 19:59 Uhr

Augsburg

Pferseer Archiv macht es Forschern leichter

Besucher können Dokumente aus der Zeit der Selbstverwaltung bald am Computer suchen. Georg Feuerer stellt die Neuerung vor.

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Von 1818 bis zur Eingemeindung am 1. Januar 1911 verwaltete sich Pfersee selbst, zunächst unter der Regie eines ehrenamtlichen Gemeindeführers, später durch einen Bürgermeister. Es liegt auf der Hand, dass in diesem knappen Jahrhundert in den Amtsstuben eine Menge Papier anfiel. Ein Gutteil davon lagert in einem klimatisierten Raum des Stadtarchivs. 116 Kartons voller Dokumente umfasst das Gemeindearchiv Pfersee – alles Unterlagen, die mit der Eingemeindung an die Stadt Augsburg und damit das Stadtarchiv übergingen. Wie schwer diese sind, vermag Archivar Georg Feuerer nur zu schätzen: Eine halbe Tonne dürften die Aktenberge aus der Pferseer Vergangenheit schon wiegen.

Feuerer gewährt einen Blick in den Raum, den normalerweise nur die Mitarbeiter betreten, um aus den Kartons angeforderte Unterlagen herauszusuchen. Eigentlich hat Feuerer auch zu einem Termin in seinem Büro eingeladen. Darin steht ein moderner PC, an dem der Archivar eine der neuesten Errungenschaften seines Hauses präsentiert. Das Pferseer Gemeindearchiv ist das erste Stadtteilarchiv, das in den vergangenen Monaten komplett digital erschlossen wurde.

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Pferde als Motoren des Nahverkehrs

Was ausgedruckt rund 400 DIN-A4-Seiten umfasst, ist jetzt per Mausklick abrufbar. Feuerer tippt beispielsweise den Begriff „Pferde-Eisenbahn“ ein. Und schon tauchen die Hinweise auf eine Reihe von Unterlagen – datiert zwischen 1879 und 1896 – aus der Ära auf, als in Pfersee Pferde die Motoren des öffentlichen Nahverkehrs waren.

Voraussichtlich ab 1. Juli können auch Besucher im Stadtarchiv bequem am Computer in Pfersees Vergangenheit forschen. Wenn sie das Gewünschte – beispielsweise die Verträge über die Pferde-Eisenbahn – gefunden haben, kann ein Mitarbeiter über die Bestandsnummer die Unterlagen aus dem Magazin holen und sie dem Kunden zur Lektüre im Lesesaal zur Verfügung stellen.

Zuzügler brauchten Genehmigung

Feuerer ist überzeugt, dass das Angebot eine Reihe von Hobby- oder Profi-Historikern ins neue Stadtarchiv neben dem Textilmuseum locken wird. Denn in den 116 Kartons lagern neben allerhand Rechnungen und Protokollen auch viele interessante Zeugnisse aus dem Leben in der selbstständigen Gemeinde Pfersee. Da sind etwa „Anträge auf Ansässigmachung“ zu finden. Denn Zuzügler brauchten damals ebenso eine Genehmigung wie Heiratswillige oder Personen, die ein Geschäft oder eine Gastwirtschaft eröffnen wollten.

Diese Gesuche waren keineswegs nur eine Formalie: „Es gab damals mehr Widersagungen als Genehmigungen“, weiß Georg Feuerer. Besonders schwer hätten sich finanziell schlecht gestellte Ansiedlungswillige getan. „Man wollte nicht zu viele Arme, weil die Gemeinde sie durchfüttern musste.“ Die Kinder aus sozial schwachen Familien nahmen damals am Tisch der reicheren Pferseer Platz. Davon zeugen Listen von „Kostkindern“, die ebenfalls im Gemeindearchiv zu finden sind.

Dass ein Mann, der 1899 einen Ertrinkenden aus der Wertach rettete, eine Belohnung bekam, lässt sich ebenso per Mausklick in Erfahrung bringen wie die Arbeitszeitregelung der Firma Eberle. Während das Unternehmen noch heute in der gleichnamigen Straße in Pfersee Nord ansässig ist, befindet sich die Feuerwehrfabrik Sauer mittlerweile in Gersthofen. Ihre Ursprünge anno 1909 liegen am Rosenauberg, wie das Gemeindearchiv verrät. Die Rosenau zählte damals noch zu Pfersee, heute beginnt der Stadtteil erst stadtauswärts nach der Wertach – in Höhe der Luitpoldbrücke. Auf eines legt Feuerer Wert: Das Pferseer Gemeindearchiv ist mit „enormer ehrenamtlicher Unterstützung“ digitalisiert worden. Namentlich erwähnt er Günter Manz, der als Nachfahre des Eigentümers des Pferseer Schlössles sehr viele Stunden in das Projekt investiert hat.

Andere Stadtteile kommen auch dran

Auch bei der Erfassung der Daten des ebenfalls 1911 eingemeindeten Oberhausens engagierte sich Manz. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Laut Feuerer ist darüber hinaus die Digitalisierung der Gemeindearchive von Kriegshaber, Lechhausen und Hochzoll im Gange. Auch die Archivalien von Göggingen, Bergheim, Inningen und Haunstetten – alle 1972 eingemeindet – sollen erfasst werden. Derzeit gibt es die Inhaltsverzeichnisse analog auf Listen – sogenannten Findbüchern. Bis wann alle Gemeindearchive digitalisiert sind, kann Feuerer noch nicht sagen. Interessierte können sich aber am Beispiel Pfersees bereits in einer Woche mit dem Verfahren vertraut machen.

Termin Unter dem Titel „Bausteine einer modernen Großstadt“ stellt Georg Feuerer am Donnerstag, 27. April, das Gemeindearchiv Pfersee und seine Erschließung vor. Beginn ist um 19 Uhr im Seminarraum des Stadtarchivs, Zur Kammgarnspinnerei 11 (Eintritt frei).

Öffnungszeiten Der Lesesaal ist Mittwoch und Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr sowie Freitag von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Das Stadtarchiv empfiehlt Besuchern eine vorherige Anmeldung unter Telefon 0821/324-34152 oder per E-Mail an stadtarchiv@augsburg.de.

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Ein Artikel von
Andrea Baumann

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Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


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