Die Augsburger Kongresshalle wird für 21 Millionen Euro komplett saniert. Im Mai ist Eröffnung. Doch die private Garage nebenan ist so marode, dass sie bald gesperrt werden muss. Von Jörg Heinzle

Im Mai wird die Kongresshalle wiedereröffnet. Zwei Jahre lange wurde der Betonbau am Wittelsbacher Park komplett saniert, mehr als 20 Millionen Euro kostet das. Die Stadt setzt darauf, künftig viele Kongresse nach Augsburg zu locken. Man will mithalten im bundesweiten Wettbewerb. Doch es gibt ein großes Manko: Es fehlen Parkplätze. Das benachbarte Parkhaus, das eigentlich ebenfalls saniert werden sollte, ist baufällig. Es droht die Schließung.
Die Situation sei „mehr als ärgerlich“, sagt Augsburgs Tourismusdirektor Götz Beck. Er ist zuständig für die Vermarktung der Kongresshalle. Künftig soll der Gebäudekomplex „Kongress am Park“ heißen. Das Halle ist bereits gut gebucht. Beck fürchtet auch nicht, dass Veranstalter abspringen, die schon fest gebucht haben. „Aber natürlich ist der miserable Zustand dieses Parkhauses für uns ein enormes Image- und Qualitätsproblem“, sagt der Tourismuschef.
Parken können Gäste zwar auf dem einige hundert Meter entfernten Parkplatz der Sporthalle am Wittelsbacher Park. Geplant ist auch ein Shuttleservice. Doch das ist kein gleichwertiger Ersatz.
Götz Beck kann an dem Zustand nichts ändern. Das Parkhaus gehört nicht der Stadt, es ist in privater Hand. Es gehört einer zersplitterten Eigentümergemeinschaft. Und bisher konnten sich die Besitzer nicht auf eine Sanierung einigen. Angeblich gibt es nicht einmal einheitliche Verträge, die regeln, wer welchen Anteil an der Renovierung zahlen müsste. Die Folge: Die Bausubstanz der Parkgarage mit fast 600 Stellplätzen wird immer maroder. Drei Gutachten zum Bauzustand wurden inzwischen verfasst. Das Letzte ist gerade zwei Monate alt, es liegt unserer Zeitung vor. Der Sachverständige kommt darin zu einem verheerenden Ergebnis. Hinsichtlich „Standsicherheit, Brandschutz und Verkehrssicherheit“ lägen „gravierende Mängel“ vor, heißt es darin. Der weitere Betrieb sei „äußerst fragwürdig, wenn nicht sogar unverantwortbar“. Unter anderem seien Betondecken und fast alle Stützpfeiler angegriffen.
Auch die Stadt schlägt deshalb jetzt Alarm. Ende Januar verschickte die Verwaltung einen Bescheid, in dem die Parkhauseigner ultimativ aufgefordert werden, mit der Sanierung zu beginnen. Andernfalls, so droht die Stadt, werde im Juli nahezu das komplette Parkhaus aus Sicherheitsgründen gesperrt. Bis auf Weiteres dürften dann nur noch die beiden unteren Etagen genutzt werden; diese Stockwerke dienen als Stellplätze für die Gäste des Dorint-Hotels im Hotelturm. Sie wurden provisorisch hergerichtet. Weshalb sie nicht gefährdet sein sollen, ist dem städtischen Bescheid nicht zu entnehmen. Das Vier-Sterne-Hotel ist auf überdachte Parkplätze unbedingt angewiesen.
Unklar ist, was die Sanierung kosten würde. In der Vergangenheit war von rund 500000 Euro die Rede. Der Immobilienunternehmer Bernhard Spielberger schätzt die Kosten deutlich höher, er rechnet mit drei bis vier Millionen Euro. Spielberger hat sich die Rechte für das Projekt „Semiramis“ gesichert. Unter diesem Namen sollten auf dem Dach der Parkgarage Eigentumswohnungen entstehen. Doch das Vorhaben ging pleite, die Käufer verloren teils ihr ganzes Vermögen, der Geschäftsführer wurde wegen Betrugs verurteilt.
Spielberger ist im Herbst vorigen Jahres neu in das Bauprojekt eingestiegen und will es nun zu einem guten Ende bringen. Er setzt auch darauf, sich mit den anderen Parkgaragen-Eignern auf eine Sanierung zu einigen. Eine schnelle Lösung ist aus seiner Sicht aber in weiter Ferne: „Es kann noch Jahre dauern, bis sich was bewegt.“
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