Sonntag, 26. Juni 2016

28. Januar 2016 10:28 Uhr

Augsburg

Pole-Dance: Fitness von der Stange

Poledance ist eine Mischung aus Sport, Tanz und Akrobatik.  Eine Geschichte über Muskelkater und Vorurteile. Von Michael Eichhammer

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Jessica Schweigert war schon Bayerische Meisterin im Poledance. Sie leitet eines von mehreren Studios, die den Fitness-Sport anbieten.
Foto: Michael Eichhamer

Dass manche Laien beim Stichwort Poledance falsche Assoziationen haben, ist Jessy Schweigert gewohnt. Doch mit einem Verweis auf die Entstehungsgeschichte dieses besonderen Fitnessprogramms kann und will die Poledance-Trainerin Vorurteile entkräften: „Die Wurzeln liegen nicht in schmuddeligen Striptease-Klubs, sondern in der chinesischen Mastakrobatik“, erklärt die 31-Jährige.

Während Poledance hierzulande vor allem ein Fitness-Training für Frauen ist, war die ursprüngliche Stangentanzkunst reine Männersache. Daran erinnern noch heute die Darbietungen des Chinesischen Staatszirkus.

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In Augsburg hat Jessica Schweigert ihren eigenen kleinen Mastakrobatik-Zirkus eröffnet: Pole Circus nennt sich das Pole-Fitness-Studio. Im Augsburger Gewerbehof hält die 31-Jährige ihre Kundinnen bei der Stange. Wer nun erwartet, die Motivation der Teilnehmerinnen sei vornehmlich, den Partner zu Hause mit einem professionell dargebotenen Stangentanz zu überraschen, liegt falsch: Die meisten Stangentanz-Azubis landen bei der Suche nach einem originellen Fitness-Training beim Poledance. Der Nischensport ist in den USA längst Trend und hat mittlerweile auch bei uns so viele Interessentinnen gefunden, dass es in Augsburg mehrere Anbieter gibt. Selbst manche Fitnessstudios haben diesen Sport im Programm.

Training mit der Bayerischen Meisterin

Die Gründerin von Pole Circus allerdings wartet mit einer besonderen Referenz auf: Hier trainiert man mit einer Bayerischen Meisterin. 2012 holte die ehemalige Mode-Designerin den Poledance-Titel nach Augsburg. „Ich habe eigentlich nur aus Spaß mitgemacht und gleich gewonnen.“

Wenn sie Anfängerinnen etwas beibringt, ist Jessy die Sicherheit am wichtigsten. Denn Hochmut kommt in luftiger Höhe vor dem Fall. Dass die Frauen beim Poledance im Studio spärlich bekleidet sind, hat vor allem pragmatische Gründe: Die Haut hat einen besseren „Grip“ an der Stange als der Stoff von Kleidungsstücken. Gegen die Gefahr, abzurutschen, sorgen außerdem ein auf Körper und Hände aufgetragenes Grip-Mittel, der Anpressdruck der Oberschenkel sowie die Handmuskulatur. Häufigster Anfängerfehler: Aus Angst vor einem Sturz wird zu fest geklammert und die Handgelenke werden falsch belastet. Unter der Anleitung von Jessy und ihren drei Kolleginnen werden solche Urängste überwunden. „Mit Anfängern machen wir nichts Gefährliches und bleiben nah am Boden“, erklärt die Trainerin.

Einstieg mit Schnupperkurs

Auch andere Berührungsängste kann Jessy den Interessentinnen für einen Schnupperkurs nehmen: „Manche haben Bedenken, ob sie zu unsportlich, zu alt oder zu übergewichtig seien“, verrät Jessy. All diese Sorgen sind unnötig, wie die bunte Mischung an Teilnehmerinnen beweist. Sämtliche Fitnesslevel und Gewichtsklassen sind unter den Anfängerinnen vertreten. Die älteste Kundin ist fast 50 Jahre alt. Unterschätzen sollte man den Kraftaufwand allerdings nicht. Nach der ersten Schnupperstunde seien die meisten erst mal überrascht, verrät die quirlige Frau mit der bunt gefärbten Kurzhaarfrisur. „Sie haben den Muskelkater ihres Lebens.“ Deshalb steigert die Trainerin das Niveau langsam.

Das Konzept sorgt nicht nur dafür, dass die Teilnehmerinnen immer fitter werden, sondern wirkt sich laut Jessy positiv aufs Selbstbewusstsein aus. „Die kommen mit eingezogenen Schultern zur Schnupperstunde“, berichtet die ehemalige Bayerische Poledance-Meisterin. „Es macht uns als Trainern Spaß, zu beobachten, wie sie von Stunde zu Stunde immer entspannter werden.“ Poledance helfe den Frauen, sich weiblich und stark zu fühlen. Gerade junge Frauen bräuchten dieses aufmunternde Aha-Erlebnis, beobachtet Jessy. Das neue Credo der weiblichen Fitnessszene lautet: „Strong is the new thin“. Übersetzt bedeutet das: Die moderne Idealvorstellung von sportlicher Weiblichkeit ersetzt also den Magerwahn durch den Stolz auf die eigene Kraft. Poledance trifft in dieser Hinsicht den Nerv der Zeit.

Um ein letztes Klischee zu entlarven, erzählt Jessy noch das: Highheels sind bei ihr nicht Teil der üblichen Trainingsbekleidung. Wenn hochhackige Schuhe zum Einsatz kommen, dann unter dem Aspekt einer sportlichen Herausforderung, da sie das Üben der Figuren an der Stange erschweren.

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