Donnerstag, 20. Juni 2013

29. März 2012 18:15 Uhr

Augsburger Soko "Spickel"

Polizistenmord: Das Rätsel um die Tatwaffen

Seit drei Monaten sitzen die mutmaßlichen Polizistenmörder von Augsburg in Haft. Doch noch immer wissen die Ermittler nicht, ob sie die Waffen haben, aus denen gefeuert wurde.

Die mutmaßlichen Polizistenmörder von Augsburg hatten ein Waffenarsenal angesammelt, als ob sie in den Krieg ziehen wollten. Die Polizei fand in Verstecken der Brüder Rudi R., 56, und Raimund M., 58, rund drei Dutzend Waffen, darunter Sturmgewehre, Maschinenpistolen, Handgranaten. Doch eine wichtige Frage ist drei Monate nach der Verhaftung der Brüder weiter offen: Nach Informationen unserer Zeitung wissen die Ermittler nach wie vor nicht, ob sie auch die Tatwaffen entdeckt haben.

Frage der Tatwaffen

Die gefundenen Waffen werden seit Monaten von Spezialisten der Polizei untersucht. Doch die Untersuchung gestaltet sich offenbar sehr schwierig. Es liege noch immer kein abschließender Bericht der Experten vor, verlautet aus dem Umfeld der Soko „Spickel“. Die Augsburger Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass zur Frage der Tatwaffen derzeit noch nichts mitgeteilt werden könne.

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Einige der Fundstücke waren von Anfang an in der engeren Auswahl: Neun-Millimeter-Pistolen und Kalaschnikow-Sturmgewehre, Kaliber 7,62 Millimeter. Denn mit Munition, die zu diesen beiden Waffentypen passt, wurde der Polizist Mathias Vieth, 41, im Oktober vorigen Jahres erschossen. Das belegen Patronen, die von den Spurensicherern am Tatort im Augsburger Siebentischwald gefunden wurden. Doch die Patronen lassen sich offenbar nicht ganz eindeutig den Waffen zuordnen. Der Polizeihauptmeister Vieth, ein zweifacher Vater, starb nach einer Verfolgungsjagd im Kugelhagel. Seine Kollegin, 30, kam mit einem Streifschuss davon. Die Ermittler gehen noch immer davon aus, dass beide Brüder eine Waffe in der Hand hielten und auch beide auf den Beamten schossen. Raimund M. soll die Pistole bei sich gehabt haben, Rudi R. hätte demnach mit der Kalaschnikow gefeuert.

Nach wie vor geht die Polizei davon aus, dass die Brüder einen Raubüberfall geplant hatten und dabei von der Polizeistreife gestört wurden. Auch in der Vergangenheit sollen sie schon Überfalle begangen haben. Weiterhin sitzen auch drei Personen aus dem Umfeld der Brüder in Haft, weil sie Geld und Waffen versteckt haben sollen – darunter sind Raimund M.s Tochter und seine langjährige Geliebte.

Prozess gegen die Brüder könnte im Herbst beginnen

In Justizkreisen geht man davon aus, dass der Prozess gegen die Brüder im Herbst beginnen könnte. Die Tatwaffen werden dafür nicht zwingend gebraucht. Ein wichtiges Indiz ist unter anderem eine DNA-Spur von Raimund M., die am Tatort auf einem Handschuh gesichert wurde. Möglich ist, dass den drei Inhaftierten aus dem Umfeld der mutmaßlichen Mörder schon früher der Prozess gemacht wird. Ihnen wird keine direkte Beteiligung am Polizistenmord vorgeworfen. In dieser Woche tagte die Sonderkommission zwei Tage lang intensiv. Es wurde, wie es heißt, auch das weitere Vorgehen in dem Fall besprochen.

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