Sonntag, 26. März 2017

21. Juli 2016 00:34 Uhr

Energiegeschichte

Probleme mit stillgelegtem Gaswerk

Beim Plärrergelände ist der Boden verseucht. Die Gasproduktion mit Steinkohle hinterließ Spuren. Jetzt soll das Areal bebaut werden Von Franz Häußler

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Am 15. Mai 1847 schloss die Stadt Augsburg mit August Freiherr von Eichthal einen 30-Jahres-Vertrag für die Gasfabrikation. Gaslicht sollte die damals 665 Öllampen der Straßenbeleuchtung ablösen. Das Gaswerk der „Gas-Beleuchtungs-Gesellschaft in Augsburg“ wurde zwischen der Lechhauser Straße und der Johannes-Haag-Straße errichtet. Auf diesem Areal befindet sich jetzt das Busdepot der Stadtwerke. Mit 335 Gaslaternen an Straßen und Plätzen gingen am 12. Dezember 1848 den Augsburgern viele Lichter auf. Im ersten Betriebsjahr wurden in vier Öfen aus 9000 Zentner Steinkohle 4,5 Millionen Kubikfuß (circa 112000 Kubikmeter) Gas erzeugt.

Ende 1849 brannten bereits 1000 Flammen in Privathäusern. Das Rathaus, das Kanzleigebäude und das Feuerwehrhaus wurden mit Gas beleuchtet. Industrie und Gewerbe schlossen sich an das Gasleitungsnetz an. Der Gasbedarf stieg und der Augsburger Multiunternehmer Ludwig August Riedinger klinkte sich in das lukrative Gasgeschäft ein. Er errichtete 1862/63 Augsburgs zweite Gasfabrik an der Badstraße beim Plärrer. Das ist jenes Gelände, das jetzt bebaut werden soll. Doch der Untergrund ist „kontaminiert“, wie im Fachjargon eine Bodenverschmutzung durch Öle, Chemikalien und Gifte genannt wird. Sie fielen bei der Gaserzeugung aus Steinkohle an und versickerten.

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Das Gaswerk am Plärrer wurde im 19. Jahrhundert als „Filialfabrik“ bezeichnet. Sie war nur eines von vielen Gaswerken, die Finanzrat L. A. Riedinger bis zu seinem Tod im Jahre 1879 in Europa erbaute. Allein in Bayern versah er 25 Städte mit Gasanstalten, außerhalb Bayerns weitere 42. Er hatte 1863 zusammen mit Augsburger Fabrikanten und Kaufleuten die „Gesellschaft für Gasindustrie“ mit einem Aktienkapital von zwei Millionen Gulden initiiert. Im Jahr 1890 gehörten ihr 19 Gasfabriken mit einer Gesamtjahresproduktion von 8,7 Millionen Kubikmetern.

Riedingers Heimatstadt Augsburg schloss komfortable Konzessionsverträge für Gas. Der erste von 1847 hatte eine Laufzeit von 30 Jahren. Bereits 1873 verfasste die Stadt den Verlängerungsvertrag, der am 4. Juni 1907 enden sollte. Eine solch langfristige Vereinbarung mit derart vielen zulasten der „Gas-Beleuchtungs-Gesellschaft“ gehenden Bedingungen würde heutzutage keine Firma mehr akzeptieren. Doch das Geschäft mit Gas muss derart gewinnträchtig gewesen sein, dass bis zum Ablauf 1907 alle Auflagen erfüllt wurden.

Die Stadt hatte sich 1873 ein Freigas-Kontingent bis maximal 18 Millionen Kubikfuß (447500 Kubikmeter) jährlich ausbedungen. Dieses unentgeltlich zu liefernde Gasquantum sei bestimmt für die Beleuchtung öffentlicher Straßen und Plätze (1873: 908 Leuchten) sowie „alle diejenigen Gebäude, deren Beleuchtung der Stadtkasse zur Last fällt“, heißt es im Vertrag von 1873. Aufgeführt sind „das Polizeigebäude, das Rathaus, das Feuerhaus, die städtische Armenpflege, der Viehmarkt, die städtischen Schullokalitäten und das Stadttheater mit Buffet“. Sollte die Stadt darüber hinaus Gas benötigen, waren Rabattstaffeln vereinbart.

Die letzten fünf Paragrafen des Vertrages von 1873 betrafen die Modalitäten bei Vertragsende am 4. Juni 1907: „Von diesem Tage an geht Besitz und Eigentum auf die Stadtgemeinde über“, lautet der entscheidende Satz. Es war detailliert festgelegt, wie die Ablösesumme zu ermitteln war. Sie betrug 1907, als die Stadt – Stadtwerke gab es damals noch nicht – davon Gebrauch machte. Beide Gaswerke sowie das gesamte Leitungsnetz gingen für zwei Millionen Goldmark in städtischen Besitz über.

Auf dem Areal an der Badstraße standen zu dieser Zeit vier Gasbehälter. Der erste von 1862 hatte nur 1000 Kubikmeter Fassungsvermögen, der 1896 erbaute letzte Rundspeicher mit 30 Metern Durchmesser konnte bis zu 9400 Kubikmeter bevorraten.

Eine Aufnahme von 1906, die das Gaswerk von oben zeigt, zählt zu Augsburgs fotografischen Raritäten: August Riedinger junior hatte sie im Ballonkorb mit einer Plattenkamera gemacht. Die Gaserzeugung am Plärrer wurde im Januar 1916 eingestellt, nachdem im Dezember 1915 das riesige neue Gaswerk in Oberhausen in Betrieb gegangen war. Werkstätten der Gas-Eichanstalt, für die Gasmesser-Reparatur sowie für die Straßenbeleuchtung verblieben noch einige Jahre auf dem Gelände. Mit dem Abbau der Öfen und der Rundbehälter schwand die Erinnerung an das „Gaswerk 2“, das vor nunmehr 100 Jahren stillgelegt wurde. Die Bodenprobleme zwingen zur Rückbesinnung: Das „Dekontaminieren“ des zur Bebauung vorgesehenen ehemaligen Gaswerksgeländes erweist sich als kostspielig!

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