Personalrekrutierung Immer mehr Firmen in der Region nutzen Headhunter, um ihren Bedarf an Fach- und Führungskräften zu decken. Großbetriebe heuern die Experten oft an, wenn sie Manager suchen

Sie sind Mangelware und deswegen heiß begehrt: gut ausgebildete, junge Fachkräfte, möglichst aus dem technischen Bereich, idealerweise mit Ingenieurabschluss. Um genau diese Kandidaten zu finden, reichen oftmals die üblichen Mittel wie eine Stellenausschreibung oder der Stand auf der Jobmesse alleine nicht aus. Viele Unternehmen in der Region setzen auf Profis, die in ihrem Namen die schlauen Köpfe finden sollen. Gemeint sind Headhunter – zu Deutsch: Kopfjäger. Ivan Balasko ist einer von ihnen.
Balasko ist Geschäftsführer des Augsburger Personalvermittlers SAM. Die international tätige Firma, die in Augsburg acht Mitarbeiter beschäftigt, hat im vergangenen Jahr 1300 Personen vermittelt. Wie sie an das Spitzenpersonal kommt, darüber verrät der Geschäftsführer nicht viel. Bei der Suche helfe ihm das internationale Netzwerk und eine Datenbank seines Unternehmens. Immer wieder bekomme man Tipps von Leuten, die bereits vermittelt wurden. Balasko knüpft auf Messen und Tagungen Kontakte und ruft frühere Chefs der Kandidaten an. Alles unter dem Mantel der Vertraulichkeit.
Die Geschäfte liefen gut. Längst sind es nicht mehr nur Großunternehmen, die ihre Vorstandsposten mit Hilfe von Headhuntern besetzen. Im Mittelstand sind Leute wie Balasko inzwischen ebenfalls gefragt. Auch Renate Sieber hat die Personalvermittler von SAM, die ihr Büro auf dem Sheridan-Areal haben, gebucht. Die gebürtige Augsburgerin ist Geschäftsführerin der acht bayerischen Niederlassungen der IT-Firma Addison. Sieber hat Verantwortung für 50 Leute. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Personalsuche. „Ich könnte die Arbeit selber erledigen“, sagt Sieber, „aber sie ist mühselig und zeitaufwendig.“
Die Headhunter nehmen ihr den Job ab. Manchmal dauere eine Suche nur zwei Wochen, manchmal aber auch Monate, sagt Balasko. Im Idealfall ist sie nach sechs Wochen abgeschlossen. Dann stellt Balasko den Auftraggebern meist drei Kandidaten vor. Je höher die vakante Position angesiedelt ist, desto länger dauere die Besetzung. Ganz billig ist der Einsatz nicht. Wie viel Balasko für eine erfolgreiche Vermittlung bekommt, verrät er nicht. In der Regel handle es sich um einen individuell ausgehandelten Prozentsatz vom Gehalt des künftigen Mitarbeiters. Von Provisionen von 25 Prozent des Jahresgehaltes ist in Industriekreisen hin und wieder die Rede.
In vielen Unternehmen halten sich die Personaler beim Thema Headhunter bedeckt. Bei MAN Diesel & Turbo in Augsburg geht man dagegen offen damit um. „Der Einsatz von Headhuntern ist in Großunternehmenmittlerweile normal“, sagt Sprecher Michael Melzer. Man arbeite mit mehreren Partnern zusammen, die im Auftrag des Motorenherstellers geeignetes Personal suchen. Allerdings nur für die höhere Managementebene. Auch bei Premium Aerotec greift man „in besonderen Fällen“ auf Headhunter zurück, sagt Sprecher Edmund Reitter. Auch hier holt man sich die externe Expertise vor allem bei der Suche nach hohen Führungskräften.
Renate Sieber hat für ihre IT-Firma keine Chefs gesucht, sondern Mitarbeiter für den Vertrieb. Für Headhunter ist das eher eine Ausnahme. Der klassische Kandidat, den die Firmen suchen, sei in technischen Berufen zu Hause, Akademiker und habe drei bis fünf Jahre Berufserfahrung, berichtet Balasko. In drei von vier Fällen handele es sich bei dem Gesuchten um einen Ingenieur. Stark gefragt seien inzwischen auch Controller.
Der Job für Headhunter sei in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden, berichtet Balasko. Der Grund: der Fachkräftemangel. Der Mangel an Arbeitskräften kurble den Markt für professionelle Rekrutierer zwar an, doch die Suche wird schwieriger. Zum Teil fehle es grundsätzlich an qualifiziertem Personal – vor allem in Spezialgebieten wie Carbon. „Das ist in der Region Augsburg ein großes Thema“, sagt Balasko. „Der relativ junge Markt explodiert, aber es gibt fast keine Fachkräfte, die sich durch ein entsprechendes Studium auskennen.“
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