Mittwoch, 22. Mai 2013

02. Mai 2012 13:22 Uhr

„Ich hätte sie umbringen können“

Prozess zeigt erschreckende Parallelen zum Fall Nora

Weil er 20 Frauen sexuell belästigt haben soll, steht ein Lehrling in Augsburg vor Gericht. Bei einem Opfer sagt der Angeklagte sogar: „Ich hätte sie umbringen können“. Von Klaus Utzni

Der Fall, den das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Hartmut Wätzel zu verhandeln hat, weist erschreckende Parallelen zum Mord an der 18-jährigen Nora im Dezember 2007 auf.
Foto: Kaya, Symbolbild

Der Fall, den das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Hartmut Wätzel zu verhandeln hat, weist erschreckende Parallelen zum Mord an der 18-jährigen Nora im Dezember 2007 auf. Damals hatte ein Lehrling, 17, die junge Frau nachts verfolgt und sie dann mitten in einem Haunstetter Wohnviertel überfallen, getreten, missbraucht und erwürgt. Er wurde später zu zehn Jahren Jugendhaft verurteilt.

Überfall auf 18-Jährige: „Ich hätte sie umbringen können“

Der 20 Jahre alte Lehrling Alexander (Name geändert), der nun auf der Anklagebank sitzt, hat nach eigenem Geständnis nicht nur rund 20 Frauen im Raum Königsbrunn/Haunstetten vom Radl aus angegrapscht. Er hat am 17. Januar spätabends ebenfalls eine 18-Jährige verfolgt, zuerst im Bus, dann zu Fuß bis in eine dunkle Wohnstraße, sie angegriffen, zu Boden gerissen, mit dem Hinterkopf auf den Bordstein geschlagen, ihr den Mund zugehalten und versucht, sie zu missbrauchen.

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Zum Äußersten war es nur deshalb nicht gekommen, weil ein Autofahrer, 22, anhielt und der jungen Frau zu Hilfe kam. „Ich danke Ihnen, dass Sie gekommen sind. Sie haben was Schlimmes verhindert“, sagt der Angeklagte zu dem Zeugen im Gerichtssaal. Ein ungewöhnliches Dankeschön.

Als er heimkam, warten bereits zwei Polizisten auf ihn

Alexander, der seit dieser Tat in Untersuchungshaft sitzt, weiß selbst nicht, warum er dies getan hat. „Ich kann dieses Gefühl nicht beschreiben, was in mir vorging. Ich wollte sie einfach packen“, sagt er. Und: „Ich hätte weiter gemacht, wenn der Autofahrer nicht gekommen wäre. Ich hätte sie umbringen können.“

Alexander war damals geflüchtet. Als er nach Hause kam, warteten schon zwei Polizisten auf ihn. Der über 1,90 Meter große, 90 Kilo schwere Lehrling war als Verdächtiger schnell ausgemacht. Er hatte in den Monaten zuvor bereits zahlreiche Frauen sexuell angegriffen, ihnen stets einen kräftigen Schlag mit der Hand auf den Hintern versetzt. Deshalb hatte die Polizei bereits gegen ihn ermittelt.

Seine Opfer waren Frauen mit langen Haaren

Die Opfer waren Frauen mit langen braunen oder blonden Haaren. „Das war mein Typ“, erklärt der Angeklagte. Auf Nachfragen von Richter Wätzel räumt er weit mehr als die neun Grapschereien ein, die Staatsanwalt Ivo Holzinger angeklagt hat. „Es waren vielleicht zehn Fälle mehr“, erinnert er sich – Frauen, die offenbar keine Anzeige erstatteten.

Etliche der Opfer, die nun als Zeugen aussagen, berichten, dass sie seither ihr Verhalten geändert haben. Eine joggt nicht mehr allein, eine andere geht vom Bus nicht mehr allein nach Hause. Und die 18-Jährige, die der Angeklagte vergewaltigen wollte, erzählt unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Begleitung ihrer Anwältin Marion Zech von ihren Todesängsten, unter denen sie gelitten habe, als sie sich verzweifelt wehrte.

Jugendhaft und Sexualtherapie verordnet

Der Angeklagte (Verteidiger: Christian Stöffgen) weiß selbst, dass er allein sein abnormes Sexualverhalten, wie es ein Gutachter festgestellt hat, nicht in den Griff bekommen wird. „Ich möchte, dass mir geholfen wird.“ Dem folgt das Gericht nach eintägigem Prozess. Es verurteilt Alexander wegen sexueller Nötigung, versuchter Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und neun Monaten Jugendhaft. In dieser Zeit soll er sich einer mindestens zweijährigen Sexualtherapie unterziehen.

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