Am Nachmittag des Dreikönigstages waren Kinder in das Eis des Pferseer Sees eingebrochen. Sie hatten Glück. Trotz der frostigen Temperaturen kann der Gang aufs Eis immer noch zur Gefahr werden. Gründe dafür gibt es verschiedene. Von Jörg Heinzle

von Jörg Heinzle
Die Geschichte hätte schlimm ausgehen können. Doch die beiden Buben hatten viel Glück. Am Nachmittag des Dreikönigstages waren die Kinder in das Eis des Pferseer Sees an der Pearl-S.-Buck-Straße eingebrochen. Bis zum Bauch standen die zwei plötzlich im bitterkalten Wasser, schrien laut um Hilfe. Passanten eilten herbei; sie mussten aber nicht eingreifen, weil sich die Buben aus eigener Kraft befreien konnten.
"Das ist doch lebensgefährlich", sagt Hubert Mihats, der in der Nähe des kleinen Sees wohnt und die gefährliche Szene beobachtet hat. Besonders tückisch: An einer Stelle sprüht eine Fontäne ständig Wasser in den See, deshalb friert er nicht komplett zu. Es bleibt ein Loch in der Eisfläche. "Ständig sehe ich Kinder und Jugendliche, die bis an die Kante des Lochs herangehen", erzählt Mihats. "Manche hacken auch noch mit ihrem Schuh in das Eis und probieren, ob es bricht."
Risiko Eis: Der kleine Weiher auf dem ehemaligen Kasernenareal im Westen der Stadt ist nicht das einzige Gewässer, das in diesen kalten Tagen zur tückischen Falle werden kann. "Überall, wo sich das Wasser bewegt, ist es potenziell gefährlich", sagt Thomas Erhardt, der Chef der Augsburger Wasserwacht. In den zahlreichen Kanälen der Stadt zum Beispiel, an den Zu- und Abläufen der Seen und dort, wo Springbrunnen oder Fontänen in Betrieb sind.
"Man kann die Dicke des Eises in diesen Bereichen einfach nicht einschätzen, außerdem kann auch dickes Eis schneller brechen", warnt Erhardt. Er rät: Wer auf Kufen umherflitzen oder einfach nur übers Eis spazieren will, sollte das nur dort tun, wo Helfer der Wasserwacht erst kürzlich das Eis unter die Lupe genommen haben. Auf Teilen des Kuhsees, des Autobahnsees und des Bergheimer Sees ist das Eis derzeit dick genug, um Menschen zu tragen. Dort hat die Wasserwacht einen ehrenamtlichen Eiswachdienst eingerichtet - er ist an Wochenenden und Feiertagen ab mittags bis Sonnenuntergang im Einsatz.
Menschen, die im Eis eingebrochen sind, mussten die Wasserwachtler in diesem Winter noch keine retten. In den vergangenen Tagen kümmerten sie sich aber um zahlreiche Verletzte - ein Rentner stürzte beim Eislaufen und zog sich eine Gehirnerschütterung zu, ein junger Eishockeyspieler bekam den Puck mit voller Wucht aufs Auge. Erhardts Erfahrung: "Im Winter haben wir oft mehr zu tun als beim Badebetrieb im Sommer."
Auch die Berufsfeuerwehr hat sich auf eisige Unfälle vorbereitet. Gestern übten die Feuerwehrleute am Autobahnsee die Rettung eines eingebrochenen Menschen. Kritisch wird es vor allem dann, wenn die Temperaturen wieder ansteigen, sagt Feuerwehrsprecher Friedhelm Bechtel. "Oft gehen die Menschen dann leichtsinnigerweise trotzdem noch aufs Eis.
" Im vergangenen Winter etwa entdeckte die Feuerwehr einen Angler, der sich kurzerhand Skier an die Füße geschnallt hatte - um auf der viel zu dünnen Eisdecke nicht so schnell einzubrechen. Der Besitzer des Pferseeer Sees hat indessen reagiert: Bernhard Spielberger, Chef des Bauträgers BGS-Bau, hat gestern mehrere Schilder aufstellen lassen, die das Betreten der Eisfläche verbieten. Leichtsinnig verhalten sich auf dem Eis aber nicht nur die Kinder, meint Spielberger. "Ich habe auch Erwachsene gesehen, die sich bis an das Wasserloch vorgewagt haben."
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