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Augsburger Polizistenmord: Rudi R.: Ein Leben als Berufsverbrecher

Augsburger Polizistenmord

Rudi R.: Ein Leben als Berufsverbrecher

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    Diese Gedenktafel im Augsburger Polizeipräsidium erinnert an die drei im Dienst getöteten Polizeibeamten.
    Diese Gedenktafel im Augsburger Polizeipräsidium erinnert an die drei im Dienst getöteten Polizeibeamten. Foto: Schöllhorn

    Rudi R. ist Automechaniker, aber er hat sich früh zu einem kriminellen Leben entschlossen. Nach mehreren Diebstählen in jungen Jahren erschießt er in der Nacht zum 6. März 1975 den Augsburger Polizisten Bernd-Dieter Kraus. Und trotz des Urteils „zweimal lebenslänglich“ kommt R. wieder frei. Warum? Das Protokoll eines Lebens als Berufsverbrecher.

    Mordurteil Am 23. Juni 1976 wird Rudi R. von der Jugendkammer des Landgerichts Augsburg nach Erwachsenenstrafrecht zu „zweimal lebenslänglich“ für den Mord am Polizisten und den versuchten Mord an dessen Kollegen verurteilt. Zusätzlich bekommt er acht Jahre Freiheitsentzug wegen mehrerer Diebstähle, räuberischer Erpressung und Verabredung zu einem Verbrechen.

    Der Mord am Augsburger Polizisten Mathias Vieth

    Der Augsburger Polizeibeamte Mathias Vieth wird am frühen Morgen des 28. Oktober 2011 im Augsburger Siebentischwald von unbekannten Tätern erschossen.

    Der Streifenbeamte und seine Kollegin wollen an diesem Freitagmorgen gegen drei Uhr auf einem Parkplatz am Augsburger Kuhsee ein Motorrad mit zwei Männern kontrollieren.

    Die beiden Verdächtigen flüchten sofort in den nahen Siebentischwald, die Beamten nehmen mit ihrem Streifenwagen die Verfolgung auf.

    Im Wald stürzen die Motorradfahrer. Dann kommt es zu einem Schusswechsel zwischen Beamten und Tätern. Der 41-jährige Polizeibeamte wird trotz Schutzweste tödlich am Hals getroffen, seine Kollegin durch einen Schuss an der Hüfte verletzt.

    Die Täter flüchten. Eine anschließende Großfahndung, an der sich mehrere hundert Polizeibeamte beteiligen, bleibt ohne Erfolg.

    Die Augsburger Polizei richtet noch am gleichen Tag eine Sonderkommission ein. Der Soko "Spickel", benannt nach dem Augsburger Stadtteil, in dem die Tat geschah, gehören zunächst 40 Beamte an.

    Zwei Tage nach dem Polizistenmord geben die Ermittler bekannt, dass das Motorrad der beiden Täter in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2011 im Stadtgebiet von Ingolstadt gestohlen worden war. Dabei wurde die rund 15 Jahre alte Honda kurzgeschlossen.

    Drei Tage nach dem tödlichen Schusswechsel rückt die Polizei erneut mit einem Großaufgebot im Augsburger Spickel an. Taucher von Polizei und Feuerwehr suchen in den Kanustrecken des Eiskanals nach Gegenständen.

    Am 3. November wird Mathias Vieth bestattet. Am gleichen Tag stockt die Polizei die Soko "Spickel" auf 50 Beamte auf. Zugleich wird die Belohnung, die zur Aufklärung des Polizistenmordes ausgesetzt ist, auf 10.000 Euro erhöht.

    Ein Abgleich von DNA-Spuren, die am Tatort gesichert werden konnten, mit der bundesweiten DNA-Datenbank ergibt laut Polizei keinen Treffer.

    Am 7. November findet im Augsburger Dom die offizielle Trauerfeier für Mathias Vieth statt. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nimmt an ihr teilt.

    Zehn Tage nach dem Augsburger Polizistenmord greift die Sendung "Aktenzeichen XY" den Fall auf. Zwar gehen daraufhin mehrere Hinweise ein, eine heiße Spur ist aber nicht darunter.

    Dezember 2011: Die Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, wird auf insgesamt 100.000 Euro erhöht.

    Am 29. Dezember 2011 nimmt die Polizei in Augsburg und Friedberg zwei Verdächtige fest. Es handelt sich um die Brüder Rudi R. (56) und Raimund M. (58). Schnell wird bekannt: Der Jüngere hat bereits 1975 einen Augsburger Polizisten erschossen.

    Nach der Festnahme entdecken die Fahnder etliche Waffen und auch Sprengstoff. Belastet wird einer der Verdächtigen durch DNA-Spuren, die am Tatort gefunden wurden.

    Auf die Spur der beiden Männer kamen die Ermittler über ein Fahrzeug. Der Wagen war in Tatortnähe beobachtet worden. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die beiden Brüder des Öfteren mit diesem Wagen unterwegs waren.

    Mitte Januar ergeht auch Haftbefehl gegen die Tochter von Raimund M.. Bei ihr wurden Anfang Januar drei Schnellfeuergewehre und acht Handgranaten gefunden, die ihr Vater und dessen Bruder Rudi R. versteckt haben sollen.

    Im Juli 2012 wird die Tochter von Raimund M. verurteilt. Das Gericht spricht sie wegen Verstößen gegen das Waffen- und Kriegswaffengesetz, wegen Geldwäsche, Hehlerei und Diebstahl schuldig.

    August 2012 Die Augsburger Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen die Brüder Raimund M., 60, und Rudi R., 58, wegen Mordes am Polizisten Mathias Vieth. Außerdem listet die Anklage fünf Raubüberfälle auf.

    Es zeichnet sich ein Mammutprozess ab. Das Landgericht Augsburg setzt mehr als 49 Verhandlungstage an.

    21. Februar 2013: Der Mordprozess gegen die Brüder beginnt unter großen Sicherheitsvorkehrungen - und mit einem Eklat. Rudi R. beschimpft den Staatsanwalt als "Drecksack".

    August 2013: Das Gericht hat den Mordkomplex abgearbeitet und beginnt mit der Beweisaufnahme zu den Raubüberfällen. Viele Beobachter rechnen mit einem Mordurteil.

    September 2013: Ein Gutachter stellt fest, dass sich M.s Gesundheitszustand nach 15-monatiger Isolationshaft so verschlechtert hat, dass er verhandlungsunfähig ist.

    November 2013: Das Gericht setzt den Prozess gegen M. aus. Er bleibt vorerst in Haft. Gegen seinen Bruder Rudi R. wird normal weiterverhandelt.

    Februar 2014: Rudi R. wird zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht sieht bei ihm eine besondere Schwere der Schuld und ordnet die anschließende Sicherungsverwahrung an.

    September 2014: Der neue Prozess gegen Raimund M. beginnt.

    Februar 2015: Der Bundesgerichtshof bestätigt das Augsburger Urteil gegen Rudolf R.

    Freilassung Nach 19 Jahren und sieben Monaten wird R. auf freien Fuß gesetzt. Er war inzwischen ins Gefängnis nach Bruchsal verlegt worden. Das zuständige Landgericht Karlsruhe setzt den Rest der lebenslangen Strafe zur Bewährung aus mit der Begründung, dass von Rudi R. künftig ein straffreies Leben zu erwarten sei. Auf sieben Seiten begründet das Gericht die Entlassung. Nach Informationen unserer Zeitung hat sich der Augsburger im Gefängnis die ganze Zeit über nichts zuschulden kommen lassen. Ein halbes Jahr vor seiner Freilassung ist er bereits Freigänger. Auch da gibt es keine Probleme. Einem Antrag der Augsburger Staatsanwaltschaft auf ein spezielles Gutachten zur Frage, ob die Haftentlassung gewagt werden kann, kommt das Gericht nicht nach. Die Richter erteilen Rudi R. die Auflage, dass er sich in Augsburg einen Wohnsitz und einen Arbeitsplatz suchen muss.

    Bewährungszeit In der fünfjährigen Bewährungszeit gibt es einen kleineren Vorfall: Rudi R. tauscht in einem Laden an zwei Sektflaschen die Preisetiketten aus.

    Gewalttat 2003 will Rudi R. wieder in einem Laden klauen. Zwei Detektive erwischen ihn. Er wehrt sich heftig, auch mit Pfefferspray. Am 9. Dezember 2003 wird er zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Am 11. August 2006 wird er entlassen. Die maximale Dauer von fünf Jahren Führungsaufsicht wird verhängt. R. bekommt einen Bewährungshelfer, er muss sich ständig melden, darf das Stadtgebiet nicht ohne Erlaubnis verlassen, keine Waffen besitzen und muss ein Anti-Aggressions-Training absolvieren. Mit dem Gesetz kommt er seitdem nicht mehr in Konflikt.

    Polizistenmord Die Führungsaufsicht endet am 10. August 2011. Zweieinhalb Monate später wird der Augsburger Polizist Mathias Vieth erschossen. Wenn Rudi R. (56) erneut als Mörder verurteilt wird, ist lebenslange Haft mit Sicherungsverwahrung die einzig mögliche Entscheidung. Dann wird er das Gefängnis nie mehr verlassen.

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