Oberbürgermeister Kurt Gribl hofft, dass nach dem Rücktritt von Bischof Mixa Friede einkehrt. Unter den Gläubigen in Augsburg wird das Thema heftig diskutiert.



"Ich bedaure die gesamte Entwicklung und hoffe, dass mit diesem Schritt jetzt Friede einkehrt": Mit diesen Worten reagierte gestern am späten Abend Oberbürgermeister Kurt Gribl auf Bischof Mixas Rücktritt. "Die Situation war sicherlich sehr belastend für ihn", sagte das Stadtoberhaupt über den Kirchenmann, mit dem ihn ein gutes Verhältnis verband. Die Vorwürfe gegen Mixa will der OB nicht kommentieren: "Ich maße mir kein Urteil an."
Gestern Abend, 22.10 Uhr: Im bischöflichen Palais brennt noch Licht. Davor, auf dem Domplatz, deutet nichts auf die dramatische Stunde hin. Auf dem Moritzplatz diskutieren dagegen Passanten über den für sie überraschenden Rücktritt des Augsburger Bischofs. "Er hatte keine andere Wahl mehr", sagt Melanie Fraaß. "Er hätte schon vor Wochen die Wahrheit sagen sollen", spielt sie auf Mixas spätes Eingeständnis an, Kindern in seiner Zeit als Schrobenhauser Stadtpfarrer Ohrfeigen verpasst zu haben.
"Die Kirche hat zu viel Schaden erlitten, deshalb musste er die Konsequenzen ziehen", meint Johann Schneider. Er bedauert die vielen Kirchenaustritte und sagt: "Ich selbst würde nie austreten." Benedikt Kappel zieht einen Vergleich mit der zurückgetretenen Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche Deutschlands, Margot Käßmann. Kappel: "Was bei Käßmann verfrüht war, war bei Mixa zu spät."
Mit dem Rücktritt hat ein wochenlanges Zittern und Bangen von Katholiken ein Ende. "Wir standen immer da und haben uns gefragt: Was kommt als Nächstes?", erzählt ein Pfarrgemeinderat.
Der Kolpingverband hatte das Thema aus Gründen der Dringlichkeit kurzerhand gestern Abend auf die Tagesordnung der Vorstandssitzung gesetzt. Kolpingvorsitzender und Diakon Michael Bopfinger: "Es geht ums Ansehen der Kirche. Die Gläubigen haben unter der Situation gelitten." Er hatte Mixas Rückzug bereits geahnt. "Manchmal dreht man sich so um die eigene Achse und wird derart beeinflusst, dass man nicht mehr aus und ein weiß."
Man wurde sogar auf der Straße angesprochen, erzählt Michael Grau, der als Laie in der City-Seelsorge-Anlaufstelle Moritzpunkt engagiert ist. Auch dort wurde teilweise heftig und emotional diskutiert, so mancher Besucher kündigte seinen Kirchenaustritt an. Der Rechtfertigungsdruck sei hoch, die Situation belastend gewesen, meint Grau.
Der Pfarrgemeinderat Klaus Vogelgsang sagt, Mixa hätte der Kirche einen besseren Dienst erwiesen, wenn er rechtzeitig Konsequenzen gezogen hätte. Vogelgsang ist Pfarrgemeinderatsvorsitzender in der Hochzoller Heilig-Geist-Gemeinde. Der dortige Pfarrer Albert L. Miorin hatte am Sonntag eine deutliche Stellungnahme zu Mixa abgegeben. "Dies hat der Gemeinde gut getan." Davon ist Vogelgsang überzeugt. Miorin habe Mut bewiesen, als er sich kritisch über den Bischof geäußert habe. Und Mut sei die Tugend, die einen Pfarrer auszeichnen sollte.
Georg Pabst, langjähriger Kirchenpfleger im Guten Hirten (Univiertel), hat in Gesprächen erfahren: Viele, auch Gläubige, forderten Mixas Rücktritt. Er selbst sei sich da nicht schlüssig gewesen, so der ehemalige Polizist.
Margarete Rohrhirsch-Schmid, die im Diözesanvorstand der Gemeinschaft Christlichen Lebens ist, hätte Chancen in einem Verbleib des Bischofs gesehen. "Gibt es nicht auch die Möglichkeit, nach der Aufarbeitung von persönlichem Scheitern und Schuld ein solches Amt in ganz anderer Weise zu führen und mit anderen Inhalten zu füllen?", fragt sie.
Auch im Religionsunterricht an Schulen sorgt der Wirbel um den Bischof für Diskussionsstoff. "Es ist Thema in der Oberstufe", sagt Peter Lochner, Religionslehrer am Maria-Ward-Gymnasium. Die Schülerinnen übten deutliche Kritik an Mixa. Auch am Jakob-Fugger- und am Holbein-Gymnasium haben die Schüler Redebedarf.
"Sie verstehen nicht, dass ein Oberhirte Unwahrheiten sagt", erklärt Religionslehrer Klaus Stief vom Holbein. Gerade in der Oberstufe würden Werte intensiv diskutiert. Ehrlichkeit und Geradlinigkeit stünden an oberster Stelle. "Die Schüler können schwer damit umgehen, dass der Bischof so widersprüchlich handelt."
Viele junge Leute, vor allem diejenigen, die Mixa schon begegnet sind, täten sich ohnehin schwer mit dem Oberhirten. Er wirke auf sie weltfremd. Für ihn sei es deshalb momentan schwer, junge Leute für den Glauben zu begeistern. "Die Jugend wendet sich sowieso schon von der Kirche ab", bedauert der Lehrer.
Anders sieht das Pfarrer Florian Geis, der Religion am Fugger-Gymnasium unterrichtet. "Ich finde, dass in unserer Gesellschaft in vielen Bereichen zu schnell der Rücktritt gefordert wird." Von S. Krog, U. Krogull, A. Schmidt und M. Zissler
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