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18. September 2011 14:40 Uhr

Konzert

SOS auf der MS Chris de Burgh

Die fetten Jahre sind noch nicht vorbei. Seit 36 Jahren schon macht der Ire überaus erfolgreich Musik. Zumindest seine 2500 Zuschauer in der Schwabenhalle überzeugt er. Von Jenifer Witte

Die Irish Times wählte ihn unlängst unter die Top Five der Musiker, die man zu hassen liebt, zusammen mit Phil Collins und James Blunt. Und tatsächlich – auch abseits von Listen machender Gehässigkeit – passt Chris de Burgh ausgezeichnet zu den andern beiden. Denn wie sie darf auch er sich über eine treuherzige Fangemeinde freuen, die ihm nach 36 Musikerjahren noch die Hallen füllt, während der Rest der Welt verächtlich die Nase rümpft. Chris de Burgh? Das ist doch dieser Schmalzschwenker, der über eine „Lady in Red“ ins Schluchzen geraten ist.

Wohl wahr, der Ruf des Iren ist nachgerade unschön. Aber mit satten 45 Millionen Alben und ausverkauften Tourneen auf dem europäischen Festland kann einem der Ruf wurscht sein. Meint man. De Burgh aber stößt Kritik an seinem Schaffen sauer auf, wie er 2009 in einer Stellungnahme zu einer Zeitungskritik offenbarte. Da beschimpfte er den Kritiker (übrigens ebenfalls von der Irish Times), ein verbitterter Mensch zu sein, der wohl in der Schule einmal zu oft gehänselt wurde, weil jener schrieb, so manch ein Zehennagel würde sich nach dem Konzert vorerst nicht zurückrollen.

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Seeleute, Schmuggler und Skorbut

Man mag diesen bissigen Protest sympathisch finden oder nicht, neidlos aber muss man anerkennen, dass die Karriere des gebürtigen Argentiniers erstaunlich verlaufen ist und die fetten Jahre wohl noch lange nicht vorbei sind für ihn. 2500 Leute sind am Freitagabend in die bestuhlte Schwabenhalle gekommen.

Hohe Wellen schlägt die Vorfreude im Saal. Man spricht über das letzte Konzert auf der Freilichtbühne vor wenigen Jahren („ganz fantastisch“) und blättert ungeduldig in Broschüren, die eine Kreuzfahrt mit Chris de Burgh auf die Malediven für 1700 Euro bewerben. Wie passend zum neuen Album: „Moonfleet & Other Stories“ ist randvoll mit Seeleuten, Schmugglern und Skorbut, die Bühne dementsprechend eingetaucht in giftgrünes Licht und Nebelschwaden. Hinten zwei Schiffwracks, auf denen Schlagzeug und Keyboard thronen. Vom Verstärker prangt der Totenkopf. Wen kümmert da schon, dass die Malediven allmählich absaufen, wenn man mit seiner Musikikone in Seemannsmythen schwelgen kann.

Vorerst aber Augsburg. Die Nebelschwaden verdichten sich und unter den Klängen hymnischer Streicher, irgendwo zwischen Herr der Ringe und Titanic, schreitet unter tosendem Applaus (leider aber ohne Augenklappe) der Captain auf die Bühne, die MS de Burgh legt ab.

Für „Lady in Red“ herzt er die Damen im Publikum

In den folgenden drei Stunden mischt er Songs aus dem aktuellen Album mit Oldies wie „High on Emotion“ und einigen Vorgriffen auf sein kommendes Album „Footsteps 2“, das ausschließlich Coverversionen ihn prägender Songs enthält. Totos „Africa“ gehört hierzu genauso wie „SOS“ von Abba.

Was Abba allerdings perfekt beherrschten, die eingängigen Pophymnchen und die ideal inszenierte Illusion, das gerät unter seiner Hand zum seichten Liedlein ohne Schmiss. Der Vater der Miss Universe 2003 versucht, das Gefühl von Echtheit zu vermitteln – und scheitert, weil er betulich jede waghalsige Tiefe meidet, um stattdessen lieber die abgestandenen Fahrwasser musikalischer Klischees zu befahren. Vor Gartenlaubenaufstellern besingt er efeuberankte Fenster, vor Bildern von Straßenkrawallen und Unterdrückung schluchzt er – das Victoryzeichen machend –, dass der Krieg sein Herz zerbreche, für „Lady in Red“ kommt er von der Bühne und schmust Wange an Wange mit den Damen. Es könnten sich einem die Zehennägel aufrollen.

Und doch: Sein Publikum liebt ihn hingebungsvoll, schenkt ihm stehend dargebrachte Ovationen und Blumensträuße mit dem Vermerk „Für den sexiest man alive“. Ihnen verschafft er anstatt schmerzender Füße Wonneschauer – da soll er doch noch weitere 36 Jahre Musik machen.

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Augsburg | Chris de Burgh | Konzert

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