Kriegshaber Die Frühlingssonne hat an den Rosenstöcken vor dem unscheinbaren Gebäude in der Ulmer Straße bereits erste Knospen spießen lassen. Bald stehen die Dornengewächse wieder in schönster Blüte. Beim Haus dahinter ist es mit wärmenden Sonnenstrahlen nicht getan. Um es wieder erblühen zu lassen, sind umfangreiche Sanierungsarbeiten fällig: Rund 1,55 Millionen Euro soll die Instandsetzung der Synagoge Kriegshaber kosten. Die Zeit drängt aus Sicht der Baufachleute: Die lange Frostperiode hat die ohnehin schon gravierenden Schäden nochmals verschlimmert. Von Andrea Baumann



Ohne den Davidstern über dem Eingang und den kirchentypischen Fenstern im Obergeschoss käme kein Außenstehender auf die Idee, dass in dem Haus mit der weißen Fassade über Jahrhunderte jüdische Mitbürger ihre Religion ausübten. "Betreten dieses Grundstücks verboten", steht auf einer Tafel. Norbert Reinfuss, Vizechef des städtischen Hochbauamts, sperrt an diesem Nachmittag die Tür auf, um den Zutritt zu ermöglichen.
Über eine Treppe gelangen er und seine Kollegen vom Stadtplanungsamt in den ersten Stock, wo das Ausmaß der Schäden sofort sichtbar wird: überall durchfeuchtete Wände und bröckelnder Putz. Bauforscher haben die Schichten an den Wänden teilweise freigelegt und den Boden des Gebetsraums aufgegraben. "Hier geht es richtig zur Sache", sagt Reinfuss. Und er meint damit die Untersuchungen im Vorfeld der Sanierung. Die Boden-Buddeleien konnten erst begonnen werden, als die langjährigen Mieter 2009 die darunterliegende ehemalige Rabbiner-Wohnung verließen.
Dependance des Museums in der Halderstraße
Schon seit zehn Jahren befasst sich Norbert Reinfuss mit den Restaurierungsplänen für die Synagoge. Was er als Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes begann, hofft er nun im neuen Amt umsetzen zu können. "Wir sind ganz dicht dran. Die komplette Entwurfsplanung und die Kostenberechnung stehen." Die Gesamtkosten hat Architekt Matthias Paul mit rund 1,55 Millionen Euro veranschlagt. Ziel ist es laut Reinfuss, die Hälfte über Zuschüsse des Landesamts für Denkmalpflege und der Städtebauförderung zu finanzieren.
Nach den Plänen der Stiftung Jüdisches Kulturmuseum soll die Kriegshaber Synagoge als Dependance des Innenstadt-Museums dienen. Denkbar sind Ausstellungen. In der Wohnung finden Schulungsraum und Bibliothek Platz. Den Saal sollen Bürger und Vereine in Kriegshaber für Veranstaltungen, die der Würde des Ortes entsprechen, nutzen können. Schließlich bleiben religiöse Elemente wie der Thora-Schrein erhalten.
Oberste Priorität für Baureferent Merkle
Baureferent Gerd Merkle geht davon aus, dass die Sanierungsarbeiten ausgeschrieben werden, wenn der städtische Haushalt rechtskräftig wird. Für heuer seien 287 000 Euro vorgesehen, der Rest steht 2011 als Verpflichtungsermächtigung im Etat. Das heißt, eine Vergabe der Arbeiten ist noch 2010 möglich. Für Merkle genießt die Restaurierung der Synagoge nicht nur wegen des fortschreitenden Verfalls oberste Priorität.
Als erster Schritt der Instandsetzung des gesamten Areals werte das Gebäude auch die Ulmer Straße auf. So wie es bald die Rosen entlang der Fassade tun.
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