Für keine Bühne würde sich der Stoff besser eignen als für die magische Welt des Puppenspiels. Schwerelos schweben die Elfen der Königin Titania heran. Wie ein Troll huscht und hüpft Puck durch den Märchenwald, um mit den Verliebten Schabernack zu treiben. Dabei wechselt die Beleuchtung psychedelisch ins Pink, ins Hellbau, ins Grün und ins Rot, wie es keine Tageszeit vermöchte. Mühelos gelingt es der Puppenkiste, dem einfältigen Zettel den Eselskopf aufzusetzen, dessen lange Ohren so lustig wackeln, dass er Publikumsliebling wird.
Klassizistische Kostüme
Dennoch ist der Zuschauer am Anfang verblüfft, dass die strengen, klassischen Jamben der Übersetzungen von August Wilhelm Schlegel und Christoph Martin Wieland erklingen und kein lockeres Marionettenspiel geboten wird. Bestens passen dazu die klassizistischen Kostüme im Stil von Empire und Biedermeier (Mareike Wittner) und das Bühnenbild mit Anklängen an griechische Säulen und südliche Gärten (Hans Kautzmann). An die gehobene Sprache gewöhnt man sich dann doch recht bald, zumal die Marionetten ein lebhaftes Körperspiel zeigen, sodass die Akteure stets klar zu erkennen sind.
Aus der Stimme des Puck wird man bald eine gewisse typische Rauheit heraushören; es ist der Bass von Ben Becker, der hier zwischen scherzendem Schelm und übel gesinntem Schadgeist die Figur führen kann. Auffallend neu klingt im Puppenkiste-Soundrepertoire auch die Hermia, der die junge Synchronsprecherin Annina Braunmiller, die deutsche Stimme der Bella in den "Twilight"-Filmen, ihren sympathischen Charakter verleiht.
Nach der Pause setzt Regisseur Peter Scheerbaum einen drauf und entzückt die Zuschauer mit einem komödiantischen Spiel im Spiel. Der Theaterkarren wird hereingeschoben und zur Erheiterung des höfischen Hochzeitsfests, das nach Auflösung der Liebeswirren stattfinden kann, hebt ein Handpuppenspiel von derb-naivem Charme an: Die unglücklich verliebten Pyramus und Thisbe schmachten sich durch eine lebende Wand an - nicht ohne zotige Anspielungen. Mondschein und Löwe gehören ebenfalls zur Truppe, die mit hohlem Pathos und grimmigen Konsequenzen das Gelächter provoziert. Am Ende des "greiflich dummen Spiels" (Theseus) haben sich beide Liebende mit jämmerlicher Ansage ihres Weltenschmerzes in die scharfe Klinge gestürzt. Puppenspiel der schönsten Art! Bravo!
Nochmals am 5., 12., 13., 17., 19., 20., 21. November; 1., 3., 4., 8., 10., 11. Dezember. Restkarten: Tel. 0821/ 45 03 45 40, www.puppenkiste.com