Sonntag, 19. November 2017

19. Oktober 2010 06:41 Uhr

Schau, was guckt da unten raus?

Der Kleine ist noch gar nicht sichtbar, da hat Hugo Suarez mit ihm schon den Dialog eröffnet. Er ist wohl ein bisschen schüchtern und traut sich hinter dem schwarz gekleideten Puppenspieler nicht heraus. Dann stolziert ein handschuhgroßes Wesen um die Ecke im himmelblau-weiß gestreiften Anzug. Es mag mit dem Ball spielen, aber das geht nicht lange gut. Der Kleine rumpelt immer wieder mit dem großen Schwarzen zusammen, wird ermahnt, ausgeschimpft, zur Brust genommen, getröstet, abgelenkt. Überhaupt kein Zweifel besteht, dass der Kleine sein eigenes kindliches Leben hat. Aber es ist nur eine bekleidete Hand des meisterhaften peruanischen Puppenspielers Hugo Suarez. Zum Abschluss des klapps-Festivals zog er alle Register seiner Kunst und riss im abraxas das Publikum mit.

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In seinem Spiel gibt es nur wenige Requisiten, aber keine Puppen. Eine rote Nase, ein Hemdchen, vielleicht noch ein Mützchen - das genügt für den großen Auftritt der Figur, die er aus seinem Finger, seiner Hand, seinem Knie entstehen lässt. Die Verkleidung geschieht auf offener Bühne und trotzdem schlägt die Illusion alsbald perfekt in Bann. Das hängt wesentlich an der Kommunikation, die Suarez mit seinem imaginären Spielpartner pflegt. Immer stehen zwei Personen auf der Bühne, auf die Spitze getrieben sogar drei. Nämlich der Spieler, seine Figur und noch eine simple Marionette, derer sich die Figur - zwei Beine, zwei Hände, ein Hemd - bemächtigt.

Was soll man an dem Peruaner mehr bewundern: sein subtiles Figurentheater oder seine überragende Pantomime? Magische Welten eröffnet sie: Der Hut des Spielers wird plötzlich bleischwer wie eine Hantel oder zieht wie ein Luftballon hinauf. Er steht wie ein Poller im Weg oder wirkt wie ein Magnet. Verschwunden ist die Schwerkraft. Selbst der Kopf von Suarez rollt wie eine Kugel in den Schultern hin und her. Am meisten lachen sich die Leute schief über sein Bauchgesicht mit Brille, Nase und Mundfalte, die allerlei verzehrt und dann so herrlich schmollt, wenn die Waage hinaufschnellt. Das Gesicht rümpft die Nase, schimpft, greint und schmollt.

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Nach 45 Minuten hat Hugo Suarez bereits seine Zugabe gegeben, die Vorstellung ist aus und glückliche Zuschauer träumen in seinen Welten, ohne weitere Darbietungen zu fordern. Sie ahnten, wie dicht, wie konzentriert alle seine Nummern waren, sodass die Zeit doppelt zählt, die man mit Schauen und Staunen zubrachte. Dabei kann sich Hugo Suarez stets selbst überbieten. Dem Beatles-Song "Yesterday" lauscht ein melancholischer Freak im roten Umhang mit steil aufgegelten Haaren. Was er im Sinn hat, wird klar, als der Umhang sich zur Revue-Vorstellung aufplustert und - aus zwei Händen grazil-verführerisch geformt - eine nackte Schöne sich darin rekelt. Jeder Dialog erübrigt sich. Alles ist Verzauberung.

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Ein Artikel von
Alois Knoller

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