Thomas Sames, Jugendpastor der Landeskirchlichen Gemeinschaft Augsburg, hatte im Leben reichlich Pech und zugleich Glück. Er selbst nennt es "Gottes drastische Art, mir den Weg zu weisen". Mit 17 fuhr er mit dem Fahrrad über einen Kieshügel, der Boden gab nach, er überschlug sich und landete so unglücklich auf dem Kopf, dass es ihn fast das Leben gekostet hätte. Eine Narbe davon sieht man noch heute auf seiner Stirn.

Mit 18 hatte er mit seinem Auto einen Totalschaden. "Zum Glück kam niemand zu Schaden. Einen knappen Meter weiter rechts und ich wäre mit 120 Kilometern gegen einen Baum gefahren." Dankbar ist der heute 30-Jährige, der aus einem christlichen Elternhaus stammt, dafür, dass Gott sein Leben "bewahrt" habe.
Schmerzhaft verlief auch ein Boxkampf im Sommer diesen Jahres, als das Mitglied des TSV Schwaben gegen einen deutlich stärkeren Gegner antrat. Zwar gewann er den Kampf, erlitt aber trotz Kopfschutz in der ersten Runde schwere Verletzungen. Sein Jochbein splitterte an einer, die Augenhöhle an zwei Stellen. "Boxen ist ein Sport bei dem eigentlich wenig passiert. Das war der schlimmste Unfall im Bayerischen Boxverband in den vergangenen 25 Jahren. Es war einfach ein total blöder Abwehrfehler von mir", sagt Sames zerknirscht.
Auf Bitten seiner brasilianischen Frau, die er während seiner Arbeit in einer Mission in Brasilien kennenlernte, wird er zwar nicht mehr in den Ring steigen, aber weiterhin mittrainieren und auch Sparring machen. Das Bearbeiten des Sandsackes oder der Konditionslauf durch den Siebentischwald seien für ihn wichtig, so der gebürtige Gießener. "Man kommt mal raus aus dem Alltag und kann seine Gedanken sortieren." Seit er vor zwei Jahren aus beruflichen Gründen nach Augsburg zog, ist er auch Mitglied beim TSV Schwaben. Welchen Stellenwert das Boxen in seinem Leben hat, merkt man auch, wenn das Gespräch auf Vorbilder kommt. Neben Jesus nennt er die Boxikone George Foreman. Dessen Biografie "Mit Gott im Ring" habe ihn sehr beeindruckt und aus der Seele gesprochen. Foreman arbeitet inzwischen auch als Pastor.
Sames selber hat auch schon andere Kampfsportarten, wie zum Beispiel das aus Brasilien stammende Capoeira ausprobiert. Der Mix aus Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Koordination habe ihm aber beim Boxen am besten gefallen, so der Pastor. Seine Sportlichkeit versteht er auch als Ausdruck der Dankbarkeit. "Ich will mich für Gott fit halten. Dazu gehören auch eine entsprechende Ernährung und ausreichend Schlaf."
Wichtig ist ihm auch der Kontakt zu den Menschen. Das spürt man, wenn er über die freundschaftlichen und persönlichen Gespräche im Boxverein spricht oder über die Herzlichkeit der Brasilianer. "Da haben sich drei Leute getroffen, sich an den Straßenrand gesetzt und sehr lange miteinander geredet. Diese Offenheit hat mich beeindruckt, ebenso wie die Frömmigkeit der Menschen." Probleme hat er aber damit, dass die Südamerikaner Volksheilige anbeten. Der Mensch sollte nur Gott anbeten und keine Heiligen, die zu Götzen werden, findet Sames.
Engen Kontakt pflegt er auch zu den Jugendlichen, die er in seiner Gemeinde betreut. Es sei ein "schöner und schwieriger Job". Die Verantwortung, die auf ihm laste, sei ihm erst bei der Beauftragung durch Regionalbischof Michael Grabow richtig bewusst geworden, so Sames.
Die Jugendlichen beschäftigen laut Jugendpastor vor allem Fragen zum Spannungsfeld zwischen Evolution und Schöpfung sowie die Frage, warum sie Gott nicht fühlen können. "Es geht dabei nicht um Gefühl, sondern um Gewissheit. Es ist wie in der Ehe. Da geht es auch nicht nur um Liebe, sondern darum auch stets füreinander da zu sein. Genauso ist auch Gott für die Menschen immer da", ist sich Sames sicher.
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