Beim "Christopher Street Day" in Augsburg, dem Straßenfest für Schwule, ist Bayerns CSU-Fraktionschef Georg Schmid politisch in die Schusslinie geraten. Abgeordnete von SPD, Grünen und FDP kritisierten, Schmid habe sich öffentlich diskriminierend über Schwule geäußert und Homosexualität in die Nähe von Perversion gerückt. Schmid wies die Vorwürfe gestern auf AZ-Anfrage zurück. Er habe in diesem Zusammenhang nie von Perversion gesprochen.
Auslöser des Streits sind Pläne von SPD-Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare auszuweiten. Schmid habe sich bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Schwaben am 24. Juli zu Wort gemeldet und sinngemäß geäußert, dass man diese Perversion nicht unterstützen dürfe, so Abgeordneter Linus Förster (SPD).
"Schädliche Hirngespinste"
Schmid bestreitet, etwas in diesem Sinn gesagt zu haben. "Das ist dummes Gerede." Dass er allerdings ein volles Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften ablehne, sei bekannt. Die Zypries-Pläne hat Schmid in einer schriftlichen Stellungnahme als "schädliche Hirngespinste" bezeichnet. Für die Entwicklung von Kindern sei es das Beste, mit Vater und Mutter, Frau und Mann aufzuwachsen, so der CSU-Politiker. "Dazu stehe ich."
Der SPD-Abgeordnete Harald Güller forderte beim Christopher Street Day, die CSU müsse abfälligen Äußerungen über Schwule Einhalt gebieten. Miriam Gruß (FDP) sprach sich dafür aus, die Angelegenheit zum Thema in der Koalition zu machen. Grünen-Chefin Claudia Roth forderte am Rande der Veranstaltung, Schmid solle sich entschuldigen. Gleichzeitig wurde OB Kurt Gribl (CSU) gelobt, der die Schirmherrschaft für das Straßenfest der Schwulen übernommen hatte.
Schmid fühlt sich unterdessen zu Unrecht gescholten. Es sei auch sehr verwunderlich, warum die Kritik erst eine Woche nach der Veranstaltung auf den Tisch komme. Er spricht von einem "durchsichtigen Spiel" in Wahlkampfzeiten. (eva)
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