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Schnappschüsse am Schlagwerk

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Schnappschüsse am Schlagwerk

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    Die acht "Schlagwerker" des Leopold-Mozart-Zentrums der Universität spielten als Uraufführung im Mesopotamien-Verein das Stück "Rissani", in Klang gefasste marokkanische Eindrücke. Dazu gehörten auch gleißende Töne, die mit Geigenbögen aus Metall gestrichen wurden. Foto: Wolfgang Diekamp
    Die acht "Schlagwerker" des Leopold-Mozart-Zentrums der Universität spielten als Uraufführung im Mesopotamien-Verein das Stück "Rissani", in Klang gefasste marokkanische Eindrücke. Dazu gehörten auch gleißende Töne, die mit Geigenbögen aus Metall gestrichen wurden. Foto: Wolfgang Diekamp Foto: Wolfgang Diekamp

    VOn Stephanie Knauer

    "Der Klang der Stadt II" hieß das zweistündige Programm, das hauptsächlich von Schlagwerk und Blockflöte bestritten wurde. Doch eintönig war diese konträre Kombination überhaupt nicht. Bereits "Snap Shot" (Schnappschuss) für zwei Perkussionisten (Florian Ress und Adrian Schmid) des laut der Projektleiterin Ute Legner "deutschen Komponisten mit türkischen Eltern" Ali N. Askin entwickelte sich zur faszinierenden Schlagstudie.

    Beginnend mit einem knallenden Impuls, dem ein dynamisches Crescendo aus der Stille folgte, entfaltete der zweiteilige Einsätzer in nahtlos verknüpften Abschnitten eine große Palette des Schlagwerkens und seiner Klangfarben: Von Polyrhythmik und Polyphonie bis zum groovigen Trommeln, das an japanische Taiko-Ensembles erinnerte, verlangte "Snap Shot", das zwischendurch namensgemäß "Schüsse" mit den Sticks abfeuerte, den beiden Studenten an den kleinen Trommeln eine bravourös bewältigte Vielseitigkeit und Reaktionsschnelle ab. Das Stück begann explosiv und endete implodierend: Vom metallischen Schimmern des Xylophons und der Crotales (Zimbeln), dem verspielten Ploppen aufprallender Tennisbälle bis zum Fingerschnippen als Schlusspunkt war Askins Schnappschuss ein schrittweises Leiserwerden.

    Im Gegensatz zu dieser konzertant gedachten Komposition waren "Ahìnnu" und "Li-Sabbrá" des palästinensisch-israelischen Künstlers Samir Odeh-Tamimi fast zu intim und existenziell-intensiv für eine Aufführung: "Angesichts" der verklanglichten, unendlich schmerzerfüllten Klage der Mütter Palästinas nach dem Massaker 1982, denen beide Werke gewidmet sind, wurde auch das regungslose Zuhören infrage gestellt. Durch das schluchzende Sich-Überschlagen der drei Blockflötenstimmen (Stefanie Pritzlaff, Sophia Rieth, Maria Wegner) und besonders durch die einzelne, von Perkussionsexplosionen (Stefan Blum) eingeschüchterte, schließlich verstummende Trauer (bewegend expressiv Iris Lichtinger an der Tenorblockflöte) wagte sich Samir Odeh-Tamimi mit beklemmender Deutlichkeit an die Darstellung äußerster Verzweiflung.

    Aus glühender Wüstenhitze zum kultischen Trommelfest

    Ganz anders Stefan Blums uraufgeführtes "Rissani", ein zweiteiliger Eindruck von Marokko für die acht "Schlagwerker", das Percussion-Ensemble des Leopold-Mozart-Zentrums der Uni. Klangmalerisch schilderte das Stück die orientalische Farbenpracht und Exotik mit breitem Instrumentensortiment. Die glühende Wüstenhitze etwa wurde durch das Gleißen an Metallstäbe gestrichener Kontrabassbögen anschaulich gemacht, das folgende, sich zum ekstatischen Unisono-Grooven anheizende Trommelfest entwickelte kultische Kraft: Der Schlussjubel war fast zwingend.

    Ebenso beim zweiten Teil, der aus drei Premieren bestand. Der sich überwiegend improvisierend entspinnende Trialog wurde unter der Regie des gesampelten Klangmaterials von Koryphäen der Augsburger Jazz- und Weltmusikszene geführt: Stephan Holstein an den Klarinetten, Walter Bittner am Schlagzeug und der iranische Musiker Darioush Shirvani an Santoor (Hackbrett) und Geige.

    Die im beständigen Mit- oder Nacheinander aufkeimenden, entstehenden, sich aufschaukelnden, wieder erschlaffenden oder zügig vorangehenden Klangszenarien ("Der kleine Fisch") und Motive waren mit Echoeffekt unterlegt oder mit Zutaten vom Band unterfüttert, basierten auf Folkloreklänge mit übermäßigem Sekundschritt als prägendes Merkmal ("Happy Birthday Fremder") und summierten sich zu farbiger, weltmusikalischer Weite à la Garbarek: stimmungsvoller und passender Ausklang eines gelungenen Abends im Augsburger Mesopotamien-Verein.

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