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27. September 2011 00:10 Uhr

Schönheit im Schwitzkasten

Wiederaufführung von Mozarts „Figaro“ Von Manfred Engelhardt

Eine Produktion des Musiktheaters, die diesen Vorzugstermin für eine Wiederaufnahme absolut verdient hat, eröffnete am Sonntag die Saison am Kennedy-Platz: Mozarts Oper „Le nozze di Figaro“ in der Inszenierung von Jan Philipp Gloger. Der vom Geheimtipp zum gefragten Top-Künstler mit Spitzenangeboten (Bayreuth, Semper-Oper) aufgestiegene Regisseur hat sich mit seinem „Figaro“ in die große Musiktheaterszene katapultiert.

Gloger bringt die unglaublichen psychologisch-musikalischen Verdichtungen dieses Spiels zwischen erotischen und hierarchischen Abhängigkeiten, Kalkül und Triebauslieferung auf einen modernen Punkt. Und man erkennt: Ob Graf oder Diener, Angestellter oder Gräfin, Chef oder Putze, Jüngling oder Alte – wenn sich Hormone und Hirn in die Quere kommen, dann sind sie alle gleich. So begeben sich Gloger und sein Ausstatter Ben Baur hinab in den nüchternen Betriebsraum eines imaginären Herrschaftshauses.

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Dort, wo das Leben des Volkes ehrlich schwitzt, werden auch Graf und Gräfin Almaviva vorgeführt. Und siehe da: Das präzise, das schillernde Wunderwerk von Mozarts Musik darf auch hier seine Raffinements, Schönheiten und subtil-farbigen Anspielungen wirksam ausbreiten. Die Egos der handelnden Personen, die wie in einem von höherer Hand geschüttelten Kaleidoskop Amok laufen, werden von Mozart und Librettist da Ponte zur einsichtsvollen Ruhe zurückgeführt.

Kapellmeisterin Nordmeyer setzt die Partitur unter Starkstrom

Neu am Pult setzte Kapellmeisterin Carolin Nordmeyer die Partitur unter Starkstrom, ließ auch im turbulentesten Metrikwirbel Übersicht walten, sodass Akzente und Ruhepunkte in der atemlosen Jagd sinnvollen Platz fanden. Die Rezitative mit Hammerklavier sollten mit ihrer gestischen Geschmeidigkeit herausgestellt werden. Neu im Ensemble: Giulio Alvise Casellis Graf Almaviva mit intelligent geführtem Bariton überzeugte ebenso wie der sehr präsente Figaro von Dong-Hwan Lee.

Als Gast verströmte Victoria Granlund in der Rolle der Gräfin elegante Koloraturschönheiten; mit Carolin Nordmeyer können die letzten lyrischen Tiefen noch nachdrücklicher herausgearbeitet werden. Als Dreh- und Angelpunkt wieder hinreißend: Cathrin Langes sängerisch-psychologisch glänzende Susanne und Stephanie Hampls hormonvibrierender Cherubino.

(Wieder am 16., 28. Oktober).

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