Daran hätte Brecht seine Freude gehabt: Menschen erzählen vor der Kamera über traurige Verlusterfahrungen ihres Lebens. Aber sie sind nicht wirklich traurig, sondern versuchen sich in die Stimmung hineinzuversetzen - mit stockender Sprache, mit Befeuchten der Augen aus dem Wasserglas, mit provoziertem Tränenfluss durch ein "Zwiebli". Von Alois Knoller
"Emozioniere" heißt der Kurzfilm der beiden jungen Schweizer Dokumentarfilmer Simon Baumann und Andreas Pfiffner, der im Wettbewerb "Kino mit Distanz", ausgeschrieben vom Kulturamt Augsburg zum Brecht Festival 2010, am Sonntagabend im Thalia Kino den ersten Preis (1000 Euro) erhalten hat.
Die medienkritische Entlarvung der angeblich dokumentarischen Situation und die (Selbst-)Ironie des Films hatten die Jury, u.a. mit Prof. Robert Rose (Hochschule Augsburg), dem kanadischen Regisseur Larry Weinstein und Festivalleiter Joachim Lang überzeugt. "Die Idee ist sehr stark", lobte Weinstein.
Auf Platz 2 unter insgesamt 120 eingereichten Kurzfilmen ("Es waren ziemlich gute dabei", berichtete Augsburgs Popkultur-Beauftragter Richard Goerlich) kam Arne Bunk mit "bühne: Wolfsburg". Ein ästhetisch anspruchsvolles Werk, das ruhige schwarz-weiße Stadtbilder der niedersächsischen Autostadt mit gewichtigen Reflexionen von Architekten unterlegte.
Ins Finale gelangten außerdem zwei Kurzfilme tschechischer Autoren. "Domestic violence" (häusliche Gewalt) experimentiert in einem kargen Studio, ausgestattet nur mit Tisch, Stühlen, Blumenstrauß und Bett, mit erotischer Spannung und konstruierter Künstlichkeit. Immer wieder unterbricht der Filmer die Szene von Mann und Frau und modelliert das weibliche Sexobjekt auf dem Tisch mit den Blumen. Peter Bichsels augenzwinkernd-absurde Geschichte "Der Mann, der nicht mehr wissen wollte" wiederum ist als schwarz-weißes Kammerspiel inszeniert: Ein Mann verschließt sich seiner Außenwelt und beschließt, Chinesisch zu lernen.
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