Freitag, 15. Dezember 2017

12. Dezember 2016 00:33 Uhr

So aufregend sind Fugen

Das Armida-Quartett reißt sein Publikum von den Sitzen Von Manfred Engelhardt

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Mit Mozarts „fröhlichster Sinfonie“, nämlich „Haffner“ KV 385, ging am Samstag die zweitägige musikalische Geburtstagsfeier für Heinz Schwamm zum Sechzigsten zu Ende. Vorher hatte sich Felix Schwamm, 20, als Solist mit einem nicht minder munteren Amadé präsentiert: Das Fagott-Konzert KV 191 formte er zum virtuos-kecken Juwel, begleitet vom Leopold-Mozart-Kammerorchester unter Leitung des Jubilars. Mit Violinmusik aus vier Jahrhunderten außerdem unterhielt die Schwamm’sche Familien-„Geigenbande“ das hochgestimmte Publikum im Kleinen Goldenen Saal aufs Beste.

Das große Ereignis war am Vorabend der Auftritt des Armida Quartetts mit Teresa Schwamm an der Bratsche. „Armida“ hat sich konsequent einem Thema gewidmet, um das viele Ensembles eher einen Bogen machen: die Fuge. Diese Musikform hat allgemein den Ruch, elitär, nicht so ausufernd unterhaltsam zu sein, den Hörer intellektuell-analytisch zu fordern, seine Aufnahmefähigkeit zu prüfen. Bach ist das Stichwort. Er stand an erster Stelle des Programms mit drei Stücken aus seiner „Kunst der Fuge“ – aufregend, teils mit seidig gewebten Mustern, teils in gehauchter Gamben-Noblesse, auch mit überraschend tänzerischem Charme oder in leidend passionierter Chromatik. Charakterbilder, die die hohe Kunst klar erkennbar machten, aber auch, ja, fantastisch unterhielten.

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Mozart näherte sich der Fugenkunst mit großem Respekt. Adagio und Fuge c-Moll KV 546 zeugen vom genial adaptierten Gestus der Bach-Hommage. Hier wurde durch „Armida“ eine opernhafte Szene lebendig. Was es in der monströsesten Fugen-Version der klassischen Musikgeschichte, Beethovens Großer Fuge B-Dur op. 133, zu hören gab, riss die Zuhörer von den Sitzen… nicht so bei der Uraufführung 1826, als ein Kritiker schrieb: „Unverständlich wie Chinesisch“. Das von Beethoven aus dem B-Dur-Quartett ausgekoppelte Stück wurde bei „Armida“ zum musikalischen Abenteuer: Töne wie auf der Flucht (Fuge – Flucht), Verirrung, Zusammenfindung.

Mozarts abschließend gespieltes Quintett C-Dur KV 515, mit Manuel Hofer an der 2. Viola, hörte man als Musiktheater mit köstlich korrespondierenden Paarungen.

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