Samstag, 18. November 2017

06. November 2015 15:21 Uhr

Kreis Augsburg

So soll der Lech aus seinem engen Kanalkorsett befreit werden

Für den Lechabschnitt südlich von Augsburg liegen jetzt erste Ideen vor, wie der Fluss aus seinem engen Kanalkorsett befreit werden könnte. Allerdings ist noch viel Geduld gefragt. Von Eva Maria Knab

i

An den Schwellen südlich von Augsburg sieht der Lech wild aus, aber meist fließt er nur träge dahin, das Flussbett tieft sich immer weiter ein – mit negativen Folgen für Grund- und Trinkwasser.
Foto: Silvio Wyszengrad

Als einer der letzten Wildflüsse Europas wird der Lech bezeichnet, sagt Günther Groß, Sprecher der Lechallianz, und fügt gleich an, dass dies aber nur von der Quelle bis kurz hinter die österreichische Grenze gelte. Bei Füssen sei dann Schluss mit dem ungezähmten Charakter des Flusses, der in den Alpen ein wichtiges Brutgebiet für viele Vögel und Lebensraum für Fische, Pflanzen und vieles mehr ist. Ab Füssen fließt er meist träge dahin – kanalisiert, von Staustufe zu Staustufe. „Ein Drama, was dem Lech angetan wurde“, formuliert es Groß. Doch jetzt soll sich am Lech allmählich vieles wieder zum Positiven verändern: Licca liber heißt das Konzept. Übersetzt: der freie Lech.

Vor rund 30 Besuchern skizzierte Groß auf Gut Morhard, dem Hof des Tierschutzvereins Augsburg im Süden von Königsbrunn, wie die Flussregulierung den Lech seit 1910 drastisch verändert hat. Staustufen und Kraftwerke wurden gebaut, Dämme an seinen Ufern errichtet. So wurde ökologisch viel Schaden angerichtet, betont Groß. Ob dieser im Verhältnis zum Nutzen steht, bezweifeln er und seine Mitstreiter.

ANZEIGE

Dem Lech fehlt Dynamik

Groß hat alte und neue Fotos, auf denen die Veränderungen zu sehen sind. Zum Beispiel, dass sich der Lech in 40 Jahren an einzelnen Stellen mehr als zwei Meter eingetieft hat. Dem Lech fehlt deshalb Dynamik. Früher habe er bei Hochwasser Kiesel flussabwärts gespült und so die Flusssohle selbst reguliert. Seit Jahrzehnten verhindern die Staustufen den Nachschub aus den Alpen, deshalb werde das Flussbett immer tiefer. „Das ist ein Gau!“, sagt Groß.

Wenn die Kiesauflage sehr dünn wird, könnte der unter dem Kies liegende Sand (der sogenannte Flinz) weggeschwemmt werden – und dann würde die Eintiefung noch mehr beschleunigt. Als Folge würde das Grundwasser absinken, die Trinkwasserversorgung sowie die Stabilität der Brücken am Lech wären erheblich beeinträchtigt.

Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth hat als Reaktion auf diese kritische Entwicklung das Projekt „Licca liber“ ins Leben gerufen und als ersten Schritt Anfang 2014 einen „Flussdialog“ mit Fachleuten und Anwohnern angestoßen. Eine Online-Befragung hat erste Ideen und Wünsche zutage gefördert. Die Lechallianz, eine Kooperation von sieben Vereinen und Organisationen, ist eingebunden. Nun liegt ein erster Konzeptentwurf vor, den Lech südlich von Augsburg zu renaturieren. Ziel ist, den Lech soweit umzugestalten, dass Wasserlebewesen und Fische sowie Tiere und Pflanzen an seinen Ufern möglichst gute Lebensbedingungen finden.

Zudem soll als Abhilfe gegen die fortschreitende Eintiefung die Flusssohle mit großen Steinen rasterförmig belegt und die Zwischenräume mit Kies aufgefüllt werden. An einzelnen Abschnitten soll auf einer Seite der bestehende Uferverbau entfernt werden. Mit einem klaren Ziel: Der Fluss könnte dort in der Zukunft aus eigener Kraft das Ufer abgraben und sein Bett verbreitern. So würden neue Auen entstehen, die bei Hochwasser überschwemmt werden, erläuterte Groß. Sie könnten den dringend nötigen Kies liefern, ohne den aktuellen Hochwasserschutz zu gefährden. Diese Entwicklung des Lechs werde aber nur ermöglicht, wenn dadurch keine Verschlechterung der Grundwasserverhältnisse für Bebauungen und die Trinkwasserversorgungen zu befürchten sei. Die Badeseen am Lech seien davon nicht betroffen.

Für Fische, die sich flussaufwärts bewegen, werden nahe der Kraftwerke Treppen geschaffen. Sie sollen den Fluss für Wasserlebewesen durchgängig machen und den Tod vieler Fische in den Turbinen reduzieren. An der Staustufe 23 hat der Bau bereits begonnen.

Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth rechnet damit, dass es mehr als ein Jahr dauern wird, bis alle Anregungen geprüft sind. Dann erst können die konkreten Pläne für Einzelmaßnahmen ausgearbeitet werden, die dann die Grundlage für das nötige Planfeststellungsverfahren sein werden. Auf die Frage eines Zuhörers, wie lange die Maßnahmen dauern werden, antwortete Groß so: „Das, was in rund 100 Jahren zusammengebaut wurde, wieder einigermaßen naturverträglich zu gestalten, wird einige Zeit in Anspruch nehmen.“

i

Ihr Wetter in Augsburg-Stadt
17.11.1717.11.1718.11.1719.11.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                Regen
	                                            Wetter
	                                            bedeckt
                                                Wetter
                                                Schneeschauer
Unwetter1 C | 2 C
2 C | 6 C
1 C | 5 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Ein Artikel von
Eva-Maria Knab

Augsburger Allgemeine
Ressort: Lokalnachrichten Augsburg


Augsburger Geschichte

Jobs in Augsburg



Alle Infos zum Messenger-Dienst
Beilage: Ferien Journal

Bauen + Wohnen

Unternehmen aus der Region