Es war am Donnerstagvormittag, als in Augsburg und in Friedberg die Handschellen klickten. Schwer bewaffnete SEK-Beamte schlugen zeitgleich in beiden Städten zu, nahmen die zwei Verdächtigen fest. Die waren offensichtlich völlig überrascht. "Sie leisteten keinen Widerstand", berichtete Manfred Gottschalk vom Polizeipräsidium Schwaben-Nord in Augsburg.
Die Männer, beide schon länger wegen verschiedener Delikte polizeibekannt, hatten offenbar schon länger im Visier der Soko "Spickel" gestanden. Zivilbeamte hatten den Augsburger und den Friedberger über Tage hinweg beobachtet, bis nun der Zugriff erfolgte.
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Der Augsburger Polizist Mathias Vieth war in der Nacht des 28. Oktober im Augsburger Siebentischwald erschossen worden. Der Beamte wollte mit seiner Kollegin auf einem Parkplatz am Augsburger Kuhsee zwei verdächtige Männer kontrollieren. Doch die rasten sofort auf einem Motorrad davon. Nach einer kurzen Verfolgungsfahrt stürzten die Flüchtigen auf einem Waldweg. Als die Streifenbeamten ankamen, eröffneten die Verdächtigen das Feuer auf die Polizisten.
Vieth, ein Familienvater mit zwei Kindern, wurde mehrfach getroffen. Er trug eine Schutzweste, die den Schüssen standhielt. Die tödlichen Schüsse trafen den 41-Jährigen aber dort, wo die Weste nichts abdeckt – angeblich am Hals und am Kopf. Seine Kollegin wurde durch einen Streifschuss verletzt. Unklar blieb bislang, ob nur einer oder beide Täter geschossen haben. Die Männer hatten eine größere, schwarze Tasche bei sich und konnten unerkannt flüchten, obwohl beide Polizisten noch zurück feuerten.
Über 700 Hinweise nach dem Polizistenmord
Seitdem läuft die Großfahndung nach den Mördern. In den vergangenen Wochen gingen bei der Augsburger Soko "Spickel" über 700 Hinweise ein, die nach und nach abgearbeitet wurden. Der Schwerpunkt der Ermittlungen konzentrierte sich unter anderem auf Augsburg und Ingolstadt, wo die Täter ihr Motorrad gestohlen hatten. Ob unter den Hinweisen auch der entschiedende Tipp war, der nun zur Festnahme führte, ist nicht bekannt.
Die Hintergründe des Verbrechens an dem Augsburger Polizisten sind bislang völlig unklar. Spekuliert wurde, dass Vieth und seine Kollegin möglicherweise in ein Drogen- oder Waffengeschäft platzten. Denkbar sei auch, dass die Verdächtigen eine größere Straftat vorbereiteten, als sie von den Streifenbeamten gestört wurden. Die Augsburger Polizei will am Freitag weitere Details bekanntgeben.
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Der Augsburger Polizeibeamte Mathias Vieth wird am frühen Morgen des 28. Oktober 2011 im Augsburger Siebentischwald von unbekannten Tätern erschossen.
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Der Streifenbeamte und seine Kollegin wollen an diesem Freitagmorgen gegen drei Uhr auf einem Parkplatz am Augsburger Kuhsee ein Motorrad mit zwei Männern kontrollieren. Die beiden Verdächtigen flüchten sofort in den nahen Siebentischwald, die Beamten nehmen mit ihrem Streifenwagen die Verfolgung auf.
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Im Wald stürzen die Motorradfahrer. Dann kommt es zu einem Schusswechsel zwischen Beamten und Tätern. Der 41-jährige Polizeibeamte wird trotz Schutzweste tödlich am Hals getroffen, seine Kollegin durch einen Schuss an der Hüfte verletzt. Die Täter flüchten. Ihr Motorrad lassen sie am Tatort zurück.
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Eine anschließende Großfahndung, an der sich im Lauf des Freitags mehrere hundert Polizeibeamte beteiligen, bleibt ohne Erfolg.
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"Wir werden alles tun, um diese Mörder, die vermutlich der schwerkriminellen Szene zuzuordnen sind, so schnell wie möglich dingfest zu machen", kündigt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei einer Pressekonferenz nach der Tat an.
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Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Polizeibeamten die Täter bei einem kriminellen Geschäft oder Vorhaben gestört hatten. "Irgendetwas war da auf dem Parkplatz", sagt Oberstaatsanwalt Günther Zechmann.
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Die Augsburger Polizei richtet noch am gleichen Tag eine Sonderkommission ein. Der Soko "Spickel", benannt nach dem Augsburger Stadtteil, in dem die Tat geschah, gehören zunächst 40 Beamte an.
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Am 30. Oktober bestätigt die Polizei, dass sowohl der 41-jährige Polizist als auch seine Kollegin noch mehrere Schüsse auf die Täter abgeben hatten. Die Ermittler schließen nicht aus, dass einer der beiden Täter verletzt wurde.
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Zwei Tage nach dem Polizistenmord geben die Ermittler bekannt, dass das Motorrad der beiden Täter in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2011 im Stadtgebiet von Ingolstadt gestohlen worden war. Dabei wurde die rund 15 Jahre alte Honda kurzgeschlossen.
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Drei Tage nach dem tödlichen Schusswechsel rückt die Polizei erneut mit einem Großaufgebot im Augsburger Spickel an. Taucher von Polizei und Feuerwehr suchen in den Kanustrecken des Eiskanals nach Gegenständen.
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Am 3. November wird Mathias Vieth bestattet. Obwohl die Beisetzung im engsten Familienkreis stattfinden sollte, kommen rund 300 Menschen, um von dem getöteten Familienvater Abschied zu nehmen.
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Am gleichen Tag stockt die Augsburger Polizei die Soko "Spickel" um weitere 10 auf nun 50 Beamte auf. Zugleich wird die Belohnung, die zur Aufklärung des Polizistenmordes ausgesetzt ist, auf 10.000 Euro erhöht.
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Ein Abgleich von DNA-Spuren, die am Tatort gesichert werden konnten, mit der bundesweiten DNA-Datenbank ergibt laut Polizei keinen Treffer.
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Am 7. November findet im Augsburger Dom die offizielle Trauerfeier für Mathias Vieth statt. Auch Bayerns Innenminister nimmt daran teilt. Die Polizei erhöht an diesem Tag die ausgesetzte Belohnung. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Polizistenmörder führen, sind nun insgesamt 55.000 Euro ausgelobt.
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Zehn Tage nach dem Augsburger Polizistenmord greift die Sendung "Aktenzeichen XY" den Fall auf. Zwar gehen daraufhin mehrere Hinweise ein, eine heiße Spur ist aber nicht darunter.
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Zwei Wochen nach dem Verbrechen werden weitere Details des Tatablaufs bekannt. Demnach wurden Mathias Vieth und seine Kollegin im Siebentischwald aus der Dunkelheit heraus mit mehreren Waffen beschossen, zuerst wohl mit einer Pistole, dann offensichtlich mit einer größeren Waffe – mit größerer Durchschlagskraft. Vieth wurde dabei von mehreren Schüssen getroffen und tödlich verletzt.
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Dezember 2011: Die Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, wird auf insgesamt 100.000 Euro erhöht.
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Am 29. Dezember 2011 nimmt die Polizei in Augsburg und Friedberg zwei Verdächtige fest. Es handelt sich um zwei Brüder. Einer von ihnen hatte bereits 1975 einen Augsburger Polizisten erschossen.
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Nach der Festnahme der beiden Männer entdecken die Fahnder etliche Waffen und auch Sprengstoff. Belastet wird einer der Verdächtigen durch DNA-Spuren, die am Tatort gefunden wurden.
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Auf die Spur der beiden Männer kamen die Ermittler letztlich über ein Fahrzeug. Der Wagen war in Tatortnähe beobachtet worden. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die beiden Brüder des Öfteren mit diesem Wagen unterwegs waren.
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Mitte Januar ergeht auch Haftbefehl gegen die Tochter eines der Verdächtigen. Bei ihr waren Anfang Januar drei Kalaschnikow-Schnellfeuergewehre und acht scharfe Handgranaten gefunden worden, die ihr Vater und dessen Bruder Rudi R. versteckt haben.
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Mathias Vieth ist der dritte Augsburger Polizeibeamte, der seit dem Zweiten Weltkrieg im Dienst sein Leben lässt.
Die Belohnung für Hinweise zum Augsburger Polizistenmord war zuletzt auf 100.000 Euro erhöht worden.
Horst Seehofer erfreut über Fahndungserfolg
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) äußerte in einer ersten Redaktion seine Genugtuung über den Fahndungserfolg: «Das freut mich ganz besonders», sagte er.

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Viele Menschen besuchen den Tatort, an dem der Polizist Mathias Vieth erschossen wurde.
Foto: Anne Wall

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Einige von ihnen lassen Blumen und Kerzen ...
Foto: Anne Wall

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... zum Gedenken an den 41-Jährigen zurück.
Foto: Anne Wall
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