Samstag, 22. Juli 2017

18. Juli 2016 00:34 Uhr

Freizeit

Spaß für Radler ärgert Autofahrer

Die erste Augsburger Radlnacht war für etwa 3500 Teilnehmer ein gelungener Abend. Der Ansturm war weit größer als erwartet. Doch die Aktion sorgt auch für Kritik Von Eva Maria Knab

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Das gab es in Augsburg noch nie: Am Samstagabend hatten Radfahrer in der Innenstadt rund zwei Stunden lang freie Fahrt auf den großen Verkehrsadern. Sogar der Tunnel an der Schleifenstraße war für den Autoverkehr gesperrt. Anlass war die erste Augsburger Radlnacht, zu der die Stadt aufgerufen hatte. Rund 3500 Teilnehmer machten mit, deutlich mehr als erwartet. Die Veranstalter sprachen von einem gelungenen Abend. Doch nicht alle Verkehrsteilnehmer waren begeistert.

Schon rund eine Stunde vor dem Start gab es am Königsplatz kaum noch ein Durchkommen. Als die ersten Radler gegen 21 Uhr starteten, dauerte es 26 Minuten, bis sich der letzte Teil der Gruppe in Bewegung setzen konnte. Der gesamte Fahrradkorso war mehr als sieben Kilometer lang. Auf der Wegstrecke von insgesamt elf Kilometern kam es damit fast zu einer Endlosrunde von Radfahrern.

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Wegen der unerwartet hohen Teilnehmerzahl und der Länge des Fahrradzuges mussten einige Straßenbahn- und Buslinien länger eingestellt werden als zunächst geplant. Der motorisierte Verkehr wurde in weiten Teilen der Innenstadt ausgebremst. Erst kurz vor 23 Uhr wurden die Straßen wieder freigegeben. Nach Angaben der Polizei kam es aufgrund der Straßensperrungen und Umleitungen zu nicht unerheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen für Autofahrer.

Die Streifen vor Ort hatten einiges zu tun, um Autofahrern im Stau alternative Routen zu weisen. Im Bereich der Gärtnerstraße suchten mehrere Passanten nach ihren Wagen, die falsch geparkt waren und deshalb abgeschleppt wurden. Zahlreiche erboste Autofahrer machten wegen der Behinderungen ihrem Ärger auf Facebook Luft.

Auf der Rundtour für die Radler war die Stimmung dagegen fröhlich und sehr entspannt. Ein Höhepunkt war die Fahrt durch den Schleifenstraßentunnel. Sonst sind dort täglich Tausende von Autos unterwegs, für Radler ist er tabu. Am Samstagabend war alles ganz anders: Der Tunnel war bunt beleuchtet. Der Hall vieler Fahrradklingeln und Jubelrufe der Teilnehmer verbreiteten eine ganz besondere Stimmung. Ein Stück weiter standen Feuerwehrkräfte am Straßenrand und feuerten die Radler mit einer La-Ola-Welle an. Stellenweise begleiteten Musikgruppen das Geschehen. Unter den Radlern waren alle Altersgruppen vertreten, darunter sehr viele Familien mit Kindern. Was die Räder angeht, sorgten ungewöhnliche Modelle für Aufsehen – vom historischen Hochrad bis zu Bikes im Harley-Davidson-Stil war alles dabei. Der Club „Kettenkreuzer“ war damit aus München angereist.

Richtig gut war die Stimmung auch auf dem Königsplatz. Beim Rahmenprogramm zur Radlnacht trafen sich vor dem Start etwa 800 Besucher bei Musik und Infoständen. Man konnte sich über die Selbsthilfe-Reparaturwerkstatt der „Bikekitchen“ informieren, über den Verleih von Fahrrädern bei den Stadtwerken oder von Lastenrädern beim ADFC. Wer Lust hatte, ließ sich einen Smoothie im Mixer anrühren, der per Rad angetrieben wurde, oder probierte Radhelme aus.

Oberbürgermeister Kurt Gribl bekräftigte bei der Radlnacht das Ziel der Stadt, bis zum Jahr 2020 den Anteil der Radfahrer in Augsburg auf 25 Prozent zu steigern. Baureferent Gerd Merkle kündigte an, man werde die Radwege so ausbauen, „dass Radfahren Spaß macht“. Auch die Kommunikation und Information zum Thema Radverkehr werde weiter verbessert. Bislang ist es aber noch ein weiter Weg zur „Fahrradstadt 2020“. Das sehen auch Teilnehmer der Radlnacht so. Es sei in den vergangenen Jahren zwar einiges verbessert worden, sagt beispielsweise die Augsburgerin Martina Welz. „Trotzdem sollte es noch mehr Radstreifen auf den Straßen geben.“

Die Premiere der Augsburger Radlnacht kam bei den Teilnehmern aber sehr gut an. „Das Wetter war toll, wir hatten freie Bahn und besonders der Tunnel war toll“, sagten Maria und Johann Menzinger aus Derching. Gut fanden die Aktion auch Jaschar und Emre (beide 17). Das begleitete Autofahren macht junge Leute nur faul, finden sie. „Mit dem Rad bewegt man sich, man kommt überall hin und es ist umweltfreundlich.“ Die Familie Dambacher wollte bei der Radlnacht nicht nur Spaß haben. Sie wollte mit ihrer Teilnahme auch ein politisches Signal setzen. „Besonders Kinder und alte Menschen leiden sehr unter Autoverkehr“, sagt Vater Johannes Dambacher. „Wie schön wäre eine Innenstadt ohne Autos.“ Erst einmal stellt sich aber die Frage, ob es im kommenden Jahr wieder eine Augsburger Radlnacht geben wird.

„Ich finde, man muss es wiederholen“, sagt Mitorganisatorin Katja Mayer. »Kommentar und Seite 33

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Viele Fotos von der Radlnacht unter

augsburger-allgemeine.de/bilder

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