Dienstag, 17. Oktober 2017

08. Dezember 2011 23:00 Uhr

Ausstellung

Spiel mit ernstem Anliegen

Natalija Ribovic erzählt in der Neuen Galerie im Höhmannhaus die Geschichte von den sieben Hasen – ein künstlerisches Plädoyer für eine Energiewende

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Ihr Kleid knistert. Natalija Ribovic stört das nicht, auch wenn es während ihrer Performance in der Neuen Galerie im Höhmannhaus still ist. In ihrem Kostüm aus Silberfolie schaut sie aus wie eine Prinzessin auf dem Weg zum Kindergeburtstag. Sie ist konzentriert und wirkt gleichzeitig entspannt, während sie eine Geschichte in Bewegungen aufgehen lässt – mal wie ein Kommentar, mal wie eine Bebilderung, mal wie eine Beschwörung höherer Kräfte: Der schwarze Hase, ihr Symbol für die Technik, muss lernen, verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen. In diese Geschichte hat Ribovic seit Jahren schon all ihre Energie gesteckt.

Es ist eine Kindergeschichte, in der ihr Schaffen und das von ihrem künstlerischen Partner Toru Fujita zu großen Teilen aufgeht. Die Geschichte der „7 Nature Usagi“ (7 Natur Hasen) erzählt von einer Welt, in der die Technik nicht gegen die Natur gerichtet ist und zur Zerstörung beiträgt, sondern mit der Natur zusammen harmoniert. Damit haben beide Künstler in Japan – wo sie bis zum schweren Erdbeben gemeinsam lebten – für eine Energiewende geworben: in Ausstellungen, mit Performances, in Workshops mit Kindern.

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Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima wieder in Augsburg

Seit dem Erdbeben und der Reaktorkatastrophe in Fukushima arbeiten beide von verschiedenen Orten aus daran, die Geschichte weiterzuerzählen. Fujita ist in Tokio geblieben, Ribovic wohnt wieder in Augsburg, wo ihre Eltern ihre zweite Heimat gefunden haben.

In der Neuen Galerie im Höhmannhaus präsentiert Ribovic nun aus der Serie der sieben Hasen denjenigen, dessen Farbe Gelb ist. Er liegt wie ein Pin-up-Girl auf einer Couch, den Kopf auf die Hand gelehnt, die Füße kokett übereinandergeschlagen. Das wirkt wie ein Zitat auf Jeff Koons. Nur dass Ribovic und Fujita bei aller Liebe zum Spiel ihr Anliegen ernst meinen.

Der Hase wird von Zeichnungen umrahmt, die alle in den zurückliegenden Monaten in Deutschland entstanden sind. Die Farben hell, die Motive dem Leben zugewandt, entweder abstrakte, organisch anmutende Formen, dann wieder konkrete Gegenstände, die in der Leere zu schweben scheinen. Ribovic löst ihre Motive aus der Umgebung heraus. Es sind Zeichnungen, zu denen Kinder intuitiv Zugang haben.

Im hinteren Teil der Galerie stellt Ribovic, Augsburger Kunstförderpreisträgerin des Jahres 2007, zwei Videoarbeiten vor. Die eine erzählt in Bildern und mit Texten die Geschichte der sieben Hasen, die dazu da sind, mithilfe der Sonne, des Windes und des Wassers Energie zu erzeugen.

Die andere Arbeit zeigt Videomaterial, das im Zuge von Performances entstanden ist. Ribovic in ihrer Heimat, der Vojvodina, bei ihren Großeltern mit einem Hasen. Ribovic mit einem Hasen in Island auf einem Vulkan. Ribovic mit einem Hasen in Marokko in der Wüste. Immer trägt sie das Silberfolien-Glitzer-Kostüm. Eine Fee, die ihr Anliegen mit der eigenen Familiengeschichte verwebt, die auf dem Vulkan um den Hasen herumtanzt, die in der Wüste von dem Wunsch umgetrieben wird, mit zu einer grünen Energiewende beizutragen. Dass Ribovic diesen Wunsch einerseits so naiv und direkt, andererseits aber auch mit einem Augenzwinkern formuliert, macht den Charme ihrer Arbeiten aus.

Nichts steht für sich allein. Die Künstlerin, welche die Meisterschule für Mode- und Kommunikationsdesign in München besuchte, schafft ein Gewebe, das im Grunde auf das verweist, was dahintersteckt: eine Haltung, eine Überzeugung, im Letzten auch der Versuch, Kunst und Leben zusammenzuführen.

Ist sie ausgeflippt oder inszeniert sie sich so?

Den Ernst ihres Anliegens bricht sie aber mehrfach. Erstens, indem sie in der Kunst und nicht in anderen Bereichen nach Wegen sucht, Menschen zu überzeugen. Zweitens, indem sie Kindergeschichten und Märchen erzählt. Drittens, indem sie mit ihren Betrachtern spielt: Ist sie die verträumte, auch ausgeflippte Künstlerin oder inszeniert sie sich einfach als solche? Oder gilt bei Natalija Ribovic beides zugleich? Im Gespräch sagt sie zum Beispiel, dass sie eine kosmische Assistentin sei.

Ihre Energie müsse sie für ihre Performance zum Auftakt der Ausstellung sammeln, sagte sie vor dem Beginn. So ein sanftes Lächeln umspielt dann ihr Gesicht. Hier deutet es auf die Wissende, die Zugang zu geheimen Kraftquellen zu haben scheint, dort auf die Künstlerin, die ihr Spiel mit der Welt spielt. In diesem Lächeln steckt beides zugleich.

Laufzeit bis 15. Januar in der Neuen Galerie im Höhmannhaus. Dienstag 10 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.

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