Freitag, 20. Oktober 2017

27. Juni 2012 12:27 Uhr

Schauspiel

Spiele mit den Identitäten

Augsburg startet am Freitag das erste interkulturelle 24-Stunden-Theaterprojekt

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Der Countdown läuft, wenn Sebastian Seidel und Nora Schüssler am Freitagabend das interkulturelle 24-Stunden-Theaterprojekt im S’ensemble eröffnen. Bis Samstagabend werden vier Teams mit Schauspielern, Regisseuren und Autoren ein neues Stück inszenieren, frei nach Schiller: „Brütet Kolosse!“
Foto: S’ensemble

„Brütet Kolosse!“ Friedrich Schiller gibt das Motto aus für das interkulturelle 24-Stunden-Theater von Freitag auf Samstag im S’ensemble. Vier Teams werden sich finden, die zu einem aktuellen Stichwort innerhalb eines Tages jeweils ein kurzes Schauspiel entwickeln. Die Ergebnisse ihres kreativen Kraftakts kann das Publikum dann am fußballfreien Samstagabend auf der Bühne in der Kulturfabrik besichtigen.

Recht unterschiedlich werden die Inszenierungen ausfallen. Darüber sind sich Sebastian Seidel, Leiter des S’ensemble, und Nora Schüssler, die Chefin des Studententheaters Panoptikum, einig. Denn sie haben ganz verschiedene Autoren und Regisseure für den Theatermarathon eingeladen. „Bei der Darstellungsform sind wir offen, es muss kein klassisches Drama mit einheitlichem Handlungsbogen vom Anfang bis zum Ende sein“, meint Seidel. Auch eine körperbetonte Performance sei erlaubt oder – das andere Extrem – eine Textfläche wie bei Elfriede Jelinek. Improtheater scheidet allerdings aus: „Das Stück muss inszeniert sein, es hat Text und darf nicht einfach draufloslegen“, grenzt Seidel ein.

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Ausdrücklich erwünscht ist ein Spiel mit Identitäten, was sich durch die oft migrantische Herkunft aller 20 Beteiligten am 24-Stunden-Projekt fast von allein nahelegt. Seidel denkt an das Berliner Stück „Verrücktes Blut“ von Nurkan Erpulat, wo einer Lehrerin im Kampf mit einem Schüler eine Pistole in die Hand fällt und sie damit die Klasse in Schach hält; die Kinder halten sie für eine Deutsche – bis sie auf Türkisch losschimpft. Nora Schüssler erinnert sich an einen Festivalauftritt, bei dem sie im Stück Kroatisch sprechen musste: „Die Sprache hat einen ganz anderen Rhythmus.“

Zuerst müssen sich Freitagnacht mit Startschuss um 20 Uhr die vier Autoren die Köpfe zerbrechen. „Sie sind es gewohnt, zu später Stunde zu arbeiten“, weiß Nora Schüssler. Sebastian Seidel wird ihnen ein paar aktuelle Stichworte geben – „was die Woche so bringt“.

Zuvor haben sich bereits die Teams von je drei Schauspielern um einen Regisseur und ihren Autor gebildet. Die Darsteller wurden gebeten, sich in einer Szene selbst vorzustellen. „Wenn ich die Schauspieler auf der Bühne gesehen habe, und sei’s auch nur kurz, kann ich anders schreiben für sie“, erklärt Seidel, selbst ein erfahrener Theaterautor.

Zwei Stückeschreiber sind in der Stadt schon bekannt

Zu dem interkulturellen Theaterprojekt wurden Künstler aus ganz Deutschland eingeladen, vor allem aus dem S’ensemble-Theater (und seinem Umfeld) und aus migrantischen Theaternetzwerken wie dem Berliner Ballhaus Naunynstraße. So hat Paula Fünfeck schon für Augsburg gearbeitet; zum Mozartfest 2008 schrieb sie das Stück „Pfaffenschnitzel“ über das Bäsle von Wolfgang Amadé. Inzwischen arbeitet die Autorin viel an Theatern in Israel und Palästina. Den Innovationspreis des Heidelberger Stückemarkts hält sie genauso wie Bonn Park, ein Theaterautor mit koreanischen Wurzeln. Im Orient wurzelt Alexander Assisi. Ebenfalls bekannt in Augsburg ist Rolf Kemnitzer aus Berlin, der den Augsburger Dramatikerpreis 2011 für sein Stück „Der Schnüffler“ gewann.

Auch die Regisseure bilden ein buntes Kleeblatt: Gianna Formicone aus Italien arbeitet schon länger am S’ensemble. Der Brasilianer Marcelo Santos gastierte hier bereits mehrmals. „Er kann sehr körperlich arbeiten und braucht nicht so viele Worte“, weiß Seidel. Dazu kommen Salome Dastmalchi mit persischen Wurzeln und Oliver Kontny, der auch als Übersetzer für Türkisch und Persisch tätig ist.

Aufführung der Stücke aus dem interkulturellen 24-h-Theater ist am Samstag, 30. Juni, 20.30 Uhr im S’ensemble.

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Ein Artikel von
Alois Knoller

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