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09. März 2010 05:20 Uhr

Stets gegen den Strom schwimmen

Die erste Themenausstellung des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) zu "Lebenswirklichkeiten" im Künstlerdasein fand am Wahlsonntag des vergangenen Jahres statt. "Wir waren da noch bester Hoffnung" sagte BBK-Präsidumsmitglied Norbert Kiening. Der diesjährigen Präsentation über die Wirklichkeit im Künstlerleben ist nun einigte Resignation abzuspüren, und H Kiesling verweist in seinem Bild "Rote Zahlen" plakativ und unmissverständlich auf die Ursache: Die Finanzkrise trifft die Künstler. Von Sybille Schiller

Was bedeutet "Künstlerdasein?"

Ein stetes Wider-den-Strom-Schwimmen? Silvia Jung-Wiesenmeyer weckt diese Assoziation mit der Sandstein-Plastik "Schwimmhilfe". Und wie leicht ein schaukelndes Papierboot im Wasser kippt, hat Andrea Groß in die Linoldruck-Monotypien "Unser Alltag" hineingeschnitten.

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Eine tägliche Herausforderung

Beatrice Schmucker schreibt "ruder" unter eine ihrer sensiblen Mischtechnik-Collagen, "Perspektivenwechsel" unter die andere. Einen solchen musste Monika Schultes vornehmen, als sie nach 26 Jahren von der Stadt Augsburg wegen eines Gebäudeverkaufs gezwungen war, ihr Atelier zu räumen. In Digitaldruck auf Leinwand dokumentierte sie den schmerzlichen Vorgang.

Wie ein Atelier-Waschbecken während eines Arbeitsprozesses verschmutzt werden kann, zeigt Franz Xaver Ochsenreiter in einer Fotofolge, die den Künstleralltag im Umgang mit Farben, Materialen und Putzmitteln spiegelt.

Die tägliche Herausforderung macht erfinderisch, jedoch nicht immer glücklich, was sich an Gabriele Fischers Aquarell-Serie "Inneres Gesicht" ablesen lässt. "Unverkäuflich" ist das berührende, farblich leise gehaltene Öl-auf-Leinwand-Gemälde "Autopoesis" neben den Alu-Dibond-Fotografien "Sense & Sensibility" von Jo Thoma.

Wörtlich genommen hat der als Landschaftsmaler bekannte Andreas Decke die "Lebenswirklichkeiten", wenn er auf Stillleben den Blick ins "Atelier" gestattet. Dorothea Dudek vergleicht mit Hilfe der Kamera die Arbeitssituation eines Künstlers mit der eines Bauabeiters. Auf der für jedes Künstlerdasein so wichtigen Vernissage stürzen sich Kunstliebhaber oft lieber aufs kalte Büffett, das weist Joe Rieder auf zwei Digital-Prints nach.

So frustrierend die Innenperspektive der Ausstellenden sein mag, einige von der Jury ausgewählte Künstler haben mehr das stadt- ja sogar das weltpoltische Geschehen im Blick. So ist das Theater Augsburg Kulisse für Max Billers Selbstporträt, und er demonstriert: Nicht nur die bildenden Künstler brauchen eine Bühne! In diesen Kontext passen dann auch die ansonsten vom Thema eher wegführenden Illustrationen zur BBs "Dreigroschenoper" von Wilhelm Eger.

Und schließlich gilt es, große Aufmerksamkeit Pit Kinzer zu schenken, dessen beim flüchtigen Hinsehen so lieblich wirkende Fotografien auf den immer weitere Kreise ziehenden Größenwahnsinn in dieser Welt hindeuten!

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