Patricia liegt auf einer dicken blauen Luftmatratze im großen Hörsaal der Uni. Das soll auch die nächsten Tage so bleiben. Die Jurastudentin ist fest entschlossen, das "Audimax" mit ihrer Campingausrüstung in Beschlag zu halten und nicht so schnell wieder für den regulären Vorlesungsbetrieb freizugeben. Mindestens bis zum Wochenende will sie durchhalten. Und mit ihr wollen das Hunderte von Hörsaal-Besetzern.
Lange war Ruhe in Augsburg. Doch seit Dienstag ist alles anders. Die Welle der bundesweiten Studentenproteste hat die Uni voll erfasst. Bis zu 500 Studenten halten den großen Hörsaal besetzt, um für bessere Studienbedingungen zu demonstrieren. "Auch wir wollen ein Zeichen setzen", sagt Dominik, Student der Sozialwissenschaften.
Geplant war die Aktion nicht. "Das ist eine ganz spontane Geschichte", sagt Dominik. Einen Organisator gibt es nicht. Aber viele Studenten aus vielen Fachrichtungen machen beim Protest einfach mit. Wie Patricia. "Ich will Solidarität beweisen", sagt sie.
Im Audimax herrscht ein reges Kommen und Gehen. Überall liegen Schlafsäcke und Decken herum. Rund 60 Studenten haben im Hörsaal übernachtet. Die Nacht zum Mittwoch war lang, nicht nur wegen der politischen Diskussionen. Es gab Gitarrenmusik, dazu Semmeln und Pizzen, die von Unternehmen gesponsert wurden.
Inzwischen haben die Besetzer einen "Arbeitskreis Verpflegung" organisiert. Mathematik-Student Andreas Knote steht an einem kleinen Tisch im Foyer. Dort überwacht er die Soli-Kasse, aus der Verpflegung und Getränke finanziert werden. Mittags gibt es Semmeln mit Frischkäse und Cola-Mix. Für den Abend ist Chili angekündigt. Viele Studenten schauen im Hörsaal vorbei, um sich zu informieren. Viele protestieren aber auch mit, weil sie sich persönlich betroffen fühlen. Lehramtsstudent Maximilian macht die Finanzierung seines Studiums Sorgen. "Mein Bafög reicht nur für die Grundversorgung, aber nicht für die Studiengebühren", sagt er. Dafür müsse er später 10 000 Euro zurückzahlen, da will er sich für die Studiengebühren nicht noch weiter verschulden. Jobben kann er aber nur in den Ferien, weil ihm das Studium sonst keine Zeit mehr lässt. Ramona und Isabelle haben neben Geldsorgen noch ein anderes Problem. Ihr Masterstudiengang Friedens- und Konfliktforschung ist so speziell, dass sie nur schwer an eine andere Uni wechseln könnten. Dabei sollte durch die Bologna-Reform der Wechsel einfacher werden.
Im Audimax läuft derweil eine Debatte über Forderungen der Studenten. Medienvertreter werden mit Applaus begrüßt. Ein wenig sind die Besetzer überrascht von der großen öffentlichen Wirkung ihrer Aktion. "Es ist fast wie bei den 68ern", finden einige. "Hey, wir können etwas bewegen."
Wirtschaftsstudenten wollen Audimax zurückerobern
Sympathie für die Studentenproteste hat man beim Freundeskreis der Universität. Als beim Festabend zum 40-jährigen Bestehen im Rathaus eine Delegation der Studierenden einzieht, gibt es freundlichen Applaus. Die Unileitung lässt die Hörsaal-Besetzer bis Freitag gewähren. "Durch eine Räumung würde auch keine Ruhe einkehren", sagt Unisprecher Klaus Prem. Schließlich gehe es um überregionale hochschulpolitische Themen.
Richtig sauer über die Aktion sind allerdings Studenten der Wirtschaftswissenschaften, die vor dem großen Hörsaal stehen, weil ihre Vorlesung ausfällt. Zwar sollen Vorlesungen ab 15 Uhr in die Mensa verlegt werden. Ganz schlimm werde es aber am Freitag, wenn das Audimax den ganzen Tag für die Fakultät gebucht sei, sagen sie. Sollte der Hörsaal dann immer noch besetzt sein, werde man ihn notfalls zurückerobern. »Seite 1, Seite 10
Ein aktuelles Video
von der Hörsaalbesetzung und einen Blog der Besetzer finden Sie unter
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