Montag, 20. Mai 2013

23. Dezember 2009 20:55 Uhr

Streit um Integration an der Fröbelschule

An der Fröbelschule in Haunstetten liegen ein Teil der Eltern und Schulleiter Josef Neugebauer im Clinch. Mehrere türkischstämmige Eltern werfen Neugebauer Diskriminierung vor. Es geht um die Klassenbildung zu Beginn des Schuljahres. "In der Integrationspolitik ist das ein Rückschritt um 30 Jahre", sagt Anwalt Yalcin Yorulmaz, den Eltern beauftragt haben, rechtliche Schritte zu prüfen. Auch die Augsburger Parteien und das Kultusministerium sollen nun angeschrieben werden.

Beim Streit geht es darum, dass es in der dritten Jahrgangsstufe der Grundschule seit September eine neue Klasse gibt, in der Schüler mit Migrationshintergrund konzentriert sind. Die drei anderen dritten Klassen bestehen nur aus katholischen und evangelischen Kindern. Rechtlich ist das wohl in Ordnung, doch der Schulfrieden ist dahin.

Zu wenige deutschsprachige Islamlehrer

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Die neue Aufteilung hat mit dem Thema Migrantenkinder dabei zunächst gar nichts zu tun. Vielmehr sei es um ein organisatorisches Problem gegangen, sagt Rektor Neugebauer. Grund: Die Schule bekam heuer keinen deutschsprachigen Lehrer für islamischen Religionsunterricht zugeteilt. "Wir haben die Regierung von Schwaben im Sommer darauf aufmerksam gemacht", sagt Augsburgs Schulamtsleiter Gerhard Nickmann. Gebracht hat das nichts.

In der Fröbelschule wurde das Problem erst kurz vor den Sommerferien bekannt. Organisatorisch sei es in diesem Fall sinnvoll gewesen, eine neue Klasse zu bilden, sagt Neugebauer, weil man mit den vorhandenen Lehrern anders nicht hingekommen wäre. Die Folge ist aber: Alle türkischstämmigen Kinder der dritten Jahrgangsstufe sind in einer Klasse konzentriert.

Kultusministerium wünscht "gleichmäßige Verteilung"

Eine Weisung des Kultusministeriums sagt hingegen klar, dass Schüler mit Migrationshintergrund "gleichmäßig auf alle Klassen" zu verteilen sind. Typisch ist der Haunstetter Fall nicht. Laut Schulamt sind Klassen an Augsburger Schulen im Regelfall gemischt und werden nur zum Religionsunterricht getrennt. Laut Schule liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in der betroffenen Klasse bei etwa 50 Prozent, laut Eltern bei 90 Prozent, wobei die Abgrenzung, welches Kind tatsächlich Migrationshintergrund hat, nicht eindeutig ist. Letztlich ist sie auch müßig, weil nicht die Herkunft, sondern die Sprachkenntnis und der Grad an Integration zählen.

Einige türkischstämmige Eltern empfinden die Einteilung als Diskriminierung. "Die Kinder haben so ja fast keine Chance mehr, deutsche Freunde zu bekommen", sagt Asli Kömürcü, die im Elternbeirat sitzt. Die Integration laufe ins Leere. Spätestens, wenn die Kinder auf eine weiterführende Schule gehen, würden Unterschiede bemerkbar, glaubt Vater Gürkan Yildirim.

Vor allem wollen die Eltern verhindern, dass das Beispiel Schule macht. "Die Kinder haben im Alltag von deutschen Kindern den Umgang mit der Sprache gelernt", so Vater Recep Turak. Angeblich soll auf dem Schulhof sogar mal der Begriff "Dummen-Klasse" gefallen sein. Zwischenzeitlich kursierte an der Schule eine Liste mit 60 Unterschriften von Eltern (nicht nur Migranten), die die jetzige Einteilung nicht in Ordnung finden. Manche Eltern fühlen sich an die eigene Schulzeit erinnert, als Integration noch nicht großgeschrieben war.

"Wir wollen hier nicht zu zweisprachigen Klassen zurück", betont Neugebauer. Es sei nie darum gegangen, Migrantenkinder und deutschstämmige Kinder zu trennen. Voraussichtlich werde die Einteilung dieses Jahr ein Einzelfall bleiben. "Und alle Kinder in dieser Klasse sind sprachlich fit. Da besteht kein Förderbedarf", so Neugebauer. Einigen deutschen Eltern scheint die Trennung indes gar nicht so unrecht zu sein. Hinter vorgehaltener Hand wurde die neue Klasseneinteilung offenbar schon gutgeheißen. "Auf Applaus aus dieser Richtung kann ich aber gut verzichten", sagt Neugebauer.

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