Donnerstag, 21. September 2017

08. Mai 2017 19:34 Uhr

Augsburg

Streit um Treppe am Fünffingerlesturm: Wie geht es weiter?

Schon seit Jahren schwelt der Streit zwischen Stadt und der Alt-Augsburg-Gesellschaft um eine Außentreppe am Fünffingerlesturm. Nun will der Verein eine einvernehmliche Lösung.

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An der Stelle, an der seit neun Jahren die fertige Außentreppe zum Fünffingerlesturm stehen sollte, ist seit einigen Tagen ein Beet mit Rosenstöcken angelegt. Gepflanzt wurde es von der Alt-Augsburg-Gesellschaft, der Bauherrin des unvollendeten Treppentorsos. „Mit der Pflanzaktion wollten wir dem Fünffingerlesturm für die Zeit bis zu einer einvernehmlichen Lösung mit der Stadt ein Gesicht geben“, so Sebastian Berz, seit Jahreswechsel Vorsitzender der Alt-Augsburg-Gesellschaft, auf Anfrage. Doch bis klar ist, wie es mit der Treppe weitergeht, dürfte es noch etwas dauern – zwar gab es Gespräche mit Oberbürgermeister Kurt Gribl und Baureferent Gerd Merkle (beide CSU), von einer Einigung ist man nach wie vor aber weit entfernt.

Berz ist seit vier Monaten neuer Vorsitzender des Vereins, der sich dem Erhalt historischer Bausubstanz verschrieben hat. Seine langjährige Vorgängerin Anne Voit hatte aus Altersgründen aufgehört. Seit Jahren ist die Situation zwischen der Stadt und der Alt-Augsburg-Gesellschaft in Sachen Fünffingerlesturm verfahren. Und noch nie hat ein Besucher einen Fuß auf die unvollendete Treppe setzen können.

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Treppenbau wurde 2008 nach Bürgerprotesten von der Stadt gestoppt

Zur Erinnerung: Die Alt-Augsburg-Gesellschaft hatte mit Genehmigung der Stadt 2008 eine Treppe aus Stahlstreben errichtet, um den nach oben nicht zugänglichen Turm zu erschließen. Es hagelte Proteste aus Teilen der Bürgerschaft über das Treppengerüst, das die Stadtmauer stilisieren soll. Kurz darauf stellte die Stadt den Bau mit der Begründung ein, dass die Treppe bei einer Vollendung zu weit in den Gehweg hineinragen würde und eine Gefahr für Passanten darstellen könnte. Vor Gericht unterlag die Stadt mit ihrer Sicht aber mehrmals – zuletzt im November – gegen die klagende Alt-Augsburg-Gesellschaft.

Als Alternative stellte die Alt-Augsburg-Gesellschaft vor über einem Jahr bereits einen zweiten Bauantrag mit dem Ziel, den unteren Treppenteil statt am Gehweg auf der anderen Seite in der Grünanlage aufzustellen. Eine Gefahr für Fußgänger wäre damit gebannt, auch wenn ein Treppenaufgang auf der Außenseite der stilisierten Stadtmauer historisch widersinnig ist. Die Stadt hat in einer ersten Einschätzung bereits angedeutet, dass man diesem Antrag wohl stattgeben müsse – im Hinblick auf die Gespräche lag das Verfahren zuletzt aber auf Eis.

Die Alt-Augsburg-Gesellschaft hat die Stadt inzwischen aber gebeten, bald über den Antrag zu entscheiden. Man sehe diese Variante als „goldene Brücke“, so Berz. Als Möglichkeit bringt die Alt-Augsburg-Gesellschaft noch eine andere Farbe der Treppe ins Gespräch. Statt im bisherigen Grauton, der das Stahlgerüst wuchtig erscheinen lässt, sei auch eine Farbgebung denkbar, die den Ziegelton des Turms aufnimmt.

Fünffingerlesturm: Politisch hat die Stadt auf Zeit gespielt

Merkle will den Antrag hingegen noch einmal in die Warteschleife schicken. Zwar gibt es konzeptionelle Überlegungen der Alt-Augsburg-Gesellschaft zur Nutzung des Turms, diese müssten aber noch konkreter ausgearbeitet werden, so die Stadt. Zudem wolle man den Fünffingerlesturm in eine generelle Untersuchung zur Nutzung der Stadtbefestigung einbeziehen. Ein solches Konzept werde wohl 2018 vorliegen.

Berz ist damit nicht einverstanden. Ein Nutzungskonzept für den Turm gebe es bereits seit Jahren. Dafür brauche es keine weitergehenden Untersuchungen, auch wenn grundsätzlich ein Gesamtkonzept für die Wallanlagen nötig sei. Sollte die Stadt sich nicht mit dem Bauantrag für die Osttreppe beschäftigen, sei der nächste Rechtsstreit in Form einer Untätigkeitsklage gegen die Stadt denkbar.

Politisch hatte die Stadt zuletzt auf Zeit gespielt. „Ein weiterer Vollzug der Baumaßnahme wird nicht angestrebt, weitere Voraussetzungen hierfür werden nicht geschaffen“, heißt es im Koalitionsvertrag des Regierungsbündnisses von CSU und SPD. Seit Jahren steht der Treppentorso unverändert am Turm. Denn ein Abbau käme nur im Einverständnis mit der Alt-Augsburg-Gesellschaft in Frage. Der Verein hält aber an dem Vorhaben fest, wie eine außerordentliche Mitgliederversammlung im April zeigte.

Alt-Augsburg-Gesellschaft will den Fünffingerlesturm zum Museum machen

Ziel der Alt-Augsburg-Gesellschaft ist es, den Turm für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Verändert werden solle wenig. Auf einem Stockwerk sei ein Ausstellungskonzept mit modernen Medien denkbar. Die unterste Ebene wäre barrierefrei erreichbar und für Stopps auf Stadtrundgängen geeignet, um etwa die Wehrtechnik anschaulich darzustellen. Bereits in diesem Jahr soll es kleine Ausstellungen im ebenerdig zugänglichen Erdgeschoss geben. Für das Äußere sollen Beleuchtungsvorschläge erarbeitet werden.

Abgesehen vom Fünffingerles-turm will die Alt-Augsburg-Gesellschaft sich in den kommenden Jahren in Absprache mit dem Hochbauamt der Stadt verstärkt der Stadtmauer und den Wallanlagen widmen. Die Stadt ist momentan dabei, das Lueginsland zu sanieren und will nach der Bastion nun auch die Mauer entlang der Thommstraße in Angriff nehmen. Auch an anderer Stelle gelten die noch vorhandenen Reste der Mauer als sanierungsbedürftig. Neben dem Bauunterhalt sei auch ein Beleuchtungskonzept ein Thema.

Ein weiteres Projekt der Alt-Augsburg-Gesellschaft, nämlich ein neues Glockenspiel für den Perlachturm, verzögert sich, obwohl der Verein das Geld gesammelt hat. Wegen Sanierungsarbeiten am Turm wird das Glockenspiel frühestens in einigen Jahren erklingen.

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